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Der Staat beteiligt sich an den Ausgaben für Versicherungen

Der Teufel steckt manchmal im Detail: Fehler können auch in Riester-Bescheinigungen vorkommen. Sparer müssen hier aufpassen und fristgerecht auf Fehler hinweisen. Foto: Jens Büttner
Der Teufel steckt manchmal im Detail: Fehler können auch in Riester-Bescheinigungen vorkommen. Sparer müssen hier aufpassen und fristgerecht auf Fehler hinweisen. Foto: Jens Büttner
Cottbus. Ausgaben für die Altersvorsorge, Krankenversicherung und sonstige Versicherungen tragen Steuerzahler in die "Anlage Vorsorgeaufwand" ein, Einzahlungen in die Riester-Rente in die "Anlage AV". Barbara Brandstetter / bbr

Der Staat unterstützt den Vorsorgeeifer der Bürger in Form von Zulagen und Steuerersparnissen. Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung, in landwirtschaftliche Alterskassen, berufsständische Versorgungseinrichtungen und in die Rürup-Rente berücksichtigt das Finanzamt 2014 mit 78 Prozent, maximal jedoch 15 600 (Alleinstehende) bzw. 31 200 (Verheiratete). Dieser Prozentsatz steigt in den kommenden Jahren sukzessive an, bis Vorsorgesparer ab 2025 den Staat an den Einzahlungen zu 100 Prozent bis zum dann geltenden Höchstbetrag beteiligen können.

Vor dem Abschluss einer Rürup-Rente sollten Arbeitnehmer ermitteln, wie hoch der Steuervorteil für Einzahlungen in die staatlich geförderte Altersvorsorge für sie tatsächlich ist. Denn beim absetzbaren Höchstbetrag - 78 Prozent von 20 000 Euro in 2014 - werden bei Arbeitnehmern auch die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung berücksichtigt. Arbeitnehmer sollten daher ermitteln, welcher Betrag sich noch steuermindernd auswirkt.

Seit 2014 können Steuerzahler auch Beiträge für eine Berufsunfähigkeits- und eine verminderte Erwerbsfähigkeitsversicherung als Altersvorsorgebeiträge steuerlich geltend machen. "Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Vertrag entsprechend zertifiziert ist", sagt Peter Pomian von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Cottbus.

In die Zeilen 8-9 der Anlage Vorsorgeaufwand tragen Arbeitnehmer den steuerfreien Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung ein. Diesen erfassen die Beamten mit den Einzahlungen des Arbeitnehmers mit 78 Prozent und ziehen diesen dann wieder zu 100 Prozent ab. "Daher ist der Arbeitnehmeranteil zur gesetzlichen Rentenversicherung tatsächlich nur mit 56 Prozent absetzbar", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Steuerzahler, die einen Altersvorsorgevertrag über ihren Chef abgeschlossen haben, haben bereits im Laufe des Jahres Steuern gespart. 2014 konnten Arbeitnehmer bis zu 2856 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei in ihren Vertrag einzahlen.

Krankenversicherung: Angestellte, Beamte und Pensionäre können Beiträge für eine private oder gesetzliche Basiskrankenversicherung in voller Höhe steuerlich geltend machen (Zeilen 12-30). Beiträge, die die Basisabsicherung übersteigen, verrechnen Steuerzahler als "andere Versicherungsbeiträge" - sofern dafür noch Raum ist. Oft ist der absetzbare Höchstbeitrag von 1900 bzw. 2800 Euro jedoch mit den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft. Wer die Pflege- und Krankenbasisver-sicherung für den Ex-Ehepartner oder bedürftige Angehörige bezahlt, kann diese Ausgaben zusätzlich zu den Unterhaltszahlungen steuerlich geltend machen.

Andere Versicherungen: Liegen die Beiträge für Kranken- und Pflegeversi-cherungen unter 1900 bzw. 2800 Euro, können Steuerzahler den Staat an weiteren Ausgaben für Versicherungen - etwa für Auslandsreisekranken-, Unfall- oder Haftpflichtversicherung beteiligen (Zeilen 46-52). Sofern die Policen auch berufliche Risiken abdecken, rechnen Steuerzahler die Ausgaben dafür anteilig als Werbungskosten ab.

Ob es rechtens ist, dass Beiträge für "sonstige Versicherungen" nur begrenzt steuerlich geltend gemacht werden können, muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden (Az.: 2 BvR 598/12). Bis zum Urteil bleiben Steuerbescheide in diesem Punkt offen. Steuerzahler sollten daher alle Beiträge in der Steuererklärung auflisten. "Die Ausgaben für Sachversicherungen wie etwa Hausrat- oder Kfz-Kaskoversicherungen akzeptieren die Finanzbeamten jedoch nicht", sagt Fachanwalt für Steuerrecht Hans J. Kelleners.

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Zum Thema:
Der Staat unterstützt Vorsorgesparer mit Zulagen und Steuerersparnissen. So etwa bei der Riester-Rente. Die Grundzulage beträgt 154 Euro im Jahr. Für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, gibt es 185 Euro, für jedes danach geborene 300 Euro. Die Zulagen in voller Höhe erhalten Anleger jedoch nur, wenn sie mindestens vier Prozent ihres Vorjahres-Bruttoeinkommens abzüglich der staatlichen Extras in ihren Vertrag einzahlen - maximal 2100 Euro. Ein Beispiel: Herr Schulz ist ledig und hat einen Bruttolohn von 50 000 Euro. Um die komplette Zulage zu erhalten, müsste er in seinen Vertrag 2000 Euro abzüglich der Grundzulage von 154 Euro, also 1846 Euro, einzahlen. Alternativ zu den staatlichen Zulagen können Anleger die Einzahlungen als Sonderausgaben bis zur Höhe von 2100 Euro steuerlich geltend machen. Riester-Sparer sollten immer die staatlichen Zulagen beantragen und ihre Einzahlungen in der Steuererklärung angeben. "Nur dann kann das Finanzamt prüfen, welche Variante für den Anleger die günstigere ist", sagt Gudrun Peters vom Lohnsteuerhilfeverein für Arbeitnehmer e. V. in Cottbus. Versäumt der Sparer diese zu beantragen, verschenkt er Geld. Das Finanzamt akzeptiert die Einzahlungen als Sonderausgaben nur bei unmittelbar förderberechtigten Personen, also bei Beamten und anderen, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.