Zwar werde er dem von ihm gegründeten Software-Konzern als Chef des Verwaltungsrats erhalten bleiben. Vor allem aber wolle er sich seiner Stiftung widmen, die mit Milliardensummen Projekte für Bildung und Gesundheit rund um den Globus betreibt. "Die Veränderung ist kein Rückzug in den Ruhestand, sondern eine Neuordnung meiner Prioritäten", gab er bekannt. Mit einem Vermögen von 50 Milliarden Dollar führt er in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal in Folge die Forbes-Liste der Reichsten der Welt an.
Der Ruhestand würde in der Tat kaum zu dem rastlosen Gates passen, der mit seinem jungenhaften Grinsen, seiner runden Brille und oft legeren Kleidung immer noch ein wenig aussieht wie der Student, der vor drei Jahrzehnten seine beispiellose Karriere begann. Sein Betriebssystem Windows dominiert trotz erstarkter Konkurrenz weiterhin die Rechnerwelt.
Überall fühlen sich junge Computerfreaks von dieser Erfolgsstory inspiriert. Schon früh entdeckte Gates seine Passion für's Programmieren. An einer Privatschule im US-Westküstenstaat Washington erlernte der ebenso hochbegabte wie eigenwillige Sohn eines Anwalts und einer Lehrerin die Computersprache Basic, die er rasch meisterhaft beherrschte. Während des Studiums an der Eliteunversität Harvard entwickelte Gates mit seinem Schulfreund Paul Allen eine Software für den Heimcomputer Altair 8800 - das war der Durchbruch. Gates schmiss das Studium und widmete sich ganz seiner frisch gegründeten Firma Microsoft. Schon wenige Jahre danach gelang ihm der große Coup, als er IBM das Betriebssystem MS-DOS lieferte. Mit 31 Jahren wurde Gates zum reichsten Mann der USA. In den Folgejahren entwickelte Microsoft dann für das rasch expandierende PC-Business immer nutzerfreundlichere Betriebssysteme.
Die Legende zeigte allerdings auch Schwächen. So verpennte Gates den Internetboom - weshalb die kleine Firma Netscape mit ihrem Browser vorpreschen konnte. Gates konterte, indem er den eigenen Browser kostenlos anbot und zudem in Windows 95 integrieren ließ. So begann der "Browser-Krieg", in dem Microsoft vorgeworfen wurde, seine Monopolstellung zu missbrauchen. Der Rechtsstreit mit den US-Behörden endete zwar, ohne dass der Konzern seinen Browser von Windows entkoppeln musste. Doch steht Microsoft seither unter verschärfter Beobachtung der Behörden und Gerichte: So wurde die Firma in der EU dazu verpflichtet, Windows XP in einer abgespeckten Version ohne den Media Player anzubieten.
Microsoft ist zudem gleich an mehreren Fronten einer erstarkten Konkurrenz ausgesetzt. Die derzeitigen Superstars der Branche sind Google, das weit über den Markt der Suchmaschinen hinaus expandieren will, und Apple, das den Markt der digitalen Musik beherrscht. Und zugleich wird das Linux-Betriebssystem, das in der offenen Zusammenarbeit von Software-Experten rund um den Globus fortentwickelt und kostenlos angeboten wird, von immer mehr Firmen und Behörden als Alternative zu Windows entdeckt.
Gates hatte im zunehmend schwierigeren Umfeld schon in den vergangenen Jahren die Verantwortlichkeiten bei Microsoft breiter verteilt. Den Posten des Top-Managers gab er vor sechs Jahren an Steve Ballmer ab. Als Chef des Verwaltungsrats und zudem oberster Software-Entwickler besetzte er aber weiter Schlüsselposten. Das soll sich nun ändern.
Gates sagt, er wolle Zeit für die Stiftung gewinnen, die er mit seiner Frau Melinda gründete und die über knapp 30 Milliarden Dollar verfügt. Mit dem Geld werden weltweit Projekte finanziert für bessere Ausbildungschancen und gegen Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose. "Ich glaube, dass mit dem Geschenk des großen Wohlstands eine große Verantwortung kommt", betont Gates.