Von Beate Möschl

Der Arbeitsmarkt präsentiert sich in robuster Verfassung. Die Agenturen für Arbeit können aktuell auf die niedrigste Arbeitslosigkeit in einem August seit 1991 verweisen. „Das ist toll, aber es gibt gleichzeitig auch weniger gemeldete freie Stellen und einen signifikanten Anstieg der Kurzarbeit in unserem Agenturbezirk“, sagt Heinz-Wilhelm Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Cottbus.

Vor allem Personaldienstleister und Zeitarbeitsfirmen meldeten weniger freie Arbeitsstellen – 215 weniger als im August 2018. Zudem wurde seit Jahresbeginn für 2276 Beschäftigte Kurzarbeitergeld beantragt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres gab es 948 Anträge auf Kurzarbeitergeld. „Das sind 135,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das könnte auf eine konjunkturelle Eintrübung hindeuten“, so Müller. Er sieht jedoch keinen Grund zur Panik. „Aus unserer Sicht werden die Arbeitslosenzahlen in absehbarer Zeit weiter sinken, aber nicht mehr so stark wie bisher.“ Dafür gebe es zwei Gründe: „Zum einen wird die Facharbeiter- und Arbeitskräftenachfrage der Firmen relativ hoch bleiben. Zum anderen gibt es aufgrund der demografischen Entwicklung immer weniger junge Menschen, die in den Arbeitsmarkt kommen und mehr ältere, die aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden“, sagt Müller. „Das heißt, die Firmen haben weiterhin Probleme, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Für junge Menschen ist das eine Riesen-Chance.“

Das spiegelt sich in Südbrandenburg auch bei der Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit wider. Die ist mit 4,8 Prozent im Vergleich zum Monat Juli um 0,2 Prozentpunkte gesunken. Es sind 942 Jugendliche im Alter von 15 bis unter 25 Jahren arbeitslos. Das sind 56 weniger als im Juli. Mit der Quote von 4,8 Prozent Jugendarbeitslosigkeit liegt der Agenturbezirk Cottbus deutlich unter dem Durchschnitt des Landes Brandenburg (6,9 Prozent), und unter dem Bundesdurchschnitt von 5,2 Prozent. „Da kann von Abgehängtsein der Lausitz keine Rede sein“, frohlockt Müller.

Insgesamt stehen in Südbrandenburg 6137 freie Arbeitsstellen zur Vermittlung zur Verfügung. Die Hitliste der am meisten gesuchten Zielberufe zur Vermittlung in freie Stellen wird angeführt von Fachkräften für den Verkauf, gefolgt von Berufskraftfahrern für Güterverkehr, Fachkräften für Gastronomie-Service und für Altenpflege, Büro- und Sekretariatsfachkräften sowie Köchen und Köchinnen.

 In Ostsachsen ist die Arbeitslosigkeit im August ebenfalls weiter gesunken. „1200 Frauen und Männer haben eine Erwerbstätigkeit aufgenommen und 863 Arbeitslose eine Ausbildung oder eine berufliche Bildungsmaßnahme begonnen“, berichtet Thomas Berndt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen. Die Nachfrage nach Personal bewege sich auf einem hohen Niveau. Aktuell verzeichnet die Agentur für Arbeit Bautzen mehr als 4550 Stellenangebote in der Region.

 Bundesweit waren im August 2,319 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, 44 000 mehr als im Juli. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent.Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, Detlef Scheele, sagte, das Beschäftigungswachstum halte an, verliere aber etwas an Schwung.