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| 02:42 Uhr

Der "Löwe" hat Hunger – ist Opel die neue Beute?

Der Peugeot-Löwe streckt seine Pranken nach Opel aus.
Der Peugeot-Löwe streckt seine Pranken nach Opel aus. FOTO: dpa
Paris. Drei Jahre nach seiner Sanierung geht Frankreichs Autobauer PSA Peugeot Citroën auf Expansionskurs – diesmal in Deutschland. Christian Böhmer

Für Frankreich ist es ein Wunder. Noch vor einigen Jahren wurde Peugeot für tot erklärt. Nach einer harten Sanierung ist PSA Peugeot Citroën wieder da, ist heute nicht mehr Gejagter, sondern Jäger. Eine potenzielle Beute des "Löwen" - das ist das Peugeot-Logo - ist der traditionsreiche Hersteller Opel.

In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wird die Nachricht eines möglichen Einstiegs in Rüsselsheim zumeist positiv aufgenommen. Gute Nachrichten aus der Wirtschaft gibt es nicht allzu häufig. Die Arbeitslosigkeit liegt mit rund zehn Prozent deutlich höher als in Deutschland.

Der französische Autokonzern schaltet in einen höheren Gang. Das Ziel lautet, den Konkurrenten Renault-Nissan in Europa hinter sich zu lassen und nach Volkswagen den Platz des Branchenvizes einzunehmen. Der neue Verbund dürfte auf deutlich mehr als vier Millionen Autos im Jahr kommen. Die Mengen bleiben im Automobilsektor immer noch entscheidend, konstatiert die französische Tageszeitung "Le Figaro". Zuvor sei bereits über eine Auto-Ehe von PSA und Fiat Chrysler spekuliert worden.

In Frankreich wird die Annäherung als sinnvoll betrachtet, da Opel in Deutschland und die Opel-Schwestermarke Vauxhall in Großbritannien gut verankert seien. Zudem habe man bei PSA Vertrauen in die Fähigkeiten des Chefs und "Zauberers" Carlos Tavares, die Opel-Fabriken in Geld-Maschinen zu verwandeln, schreibt die Tageszeitung "Le Monde". Das Blatt zitiert namentlich ungenannte Experten, wonach der Kaufpreis drei Milliarden Euro nicht überschreiten dürfte.

Einwände gibt es natürlich auch. Der Griff über den Rhein werde an der Schwäche von Peugeot Citroën auf den Märkten außerhalb Europas nichts ändern, lautet eine wesentliche Kritik. Außerdem dürfte es schwierig werden, die ganzen Marken der Gruppe nebeneinander zu führen, ohne dass diese sich gegenseitig Konkurrenz machten.

In Frankreich wird der Staat häufig als schlechter Aktionär kritisiert. Im Fall PSA Peugeot Citroën sei es jedoch gut gewesen, dass sich die öffentliche Hand engagiert und damit das Traditionsunternehmen gerettet habe, kommentiert die Wirtschaftszeitung "Les Echos". Der französische Staat war zuletzt bei der Autogruppe mit rund 14 Prozent beteiligt.