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| 17:13 Uhr

Cottbuser Treffen zum Strukturwandel
Lausitz fehlen Flächen für Batteriezellen-Gigafabrik

 Batteriegipfel: Wenn es um die Suche nach wirtschaftlichen Perspektiven geht, muss die Lausitz die Schrittgeschwindigkeit erhöhen.
Batteriegipfel: Wenn es um die Suche nach wirtschaftlichen Perspektiven geht, muss die Lausitz die Schrittgeschwindigkeit erhöhen. FOTO: LR / Jan Siegel
Cottbus. Die Brandenburger Bündnisgrünen hatten am Donnerstag zu einem Batteriezellen-Gipfel in Cottbus eingeladen. Das Treffen von etwa 40 Fachleuten und Interssierten hat auch deutlich gezeigt, warum die Lausitz im Moment nur wenig Chancen auf die Ansiedlung einer Batterie-Gigafabrik hat. Von Jan Siegel

Wenn es um das Thema Batteriezellen geht, sind in der Lausitz regelmäßig viele Menschen elektrisiert. Das liegt daran, dass es auf dem weiten Feld der Energie hierzulande besonders viele Fachleute gibt. Gleichzeitig sind im Zusammenhang mit der Branche imposante Milliardensummen im Spiel und schnell tauchen die verheißungsvollen Bilder von hochmodernen Gigafabriken auf, die auf dem Lausitzer Arbeitsmarkt als Ausgleich für wegfallende Arbeitsplätze in der Braunkohlewirtschaft interessant sein könnten.

Dieses Spannungsfeld war für die wirtschaftspolitische Sprecherin der Bündnisgrünen im Brandenburger Landtag Heide Schinowsky Anlass am Donnerstag zu einem Batterie-Gipfel nach Cottbus einzuladen.

Herausgearbeitet hat die Veranstaltung, an der an die 40 Fachleute und Interessierte teilnahmen, vor allem die Erkenntnis, wie hochkomplex das Thema ist. Denn auch nach dem Cottbuser Gipfel kann keiner der Beteiligten genau sagen, ob die Etablierung eine Batteriezellenproduktion der Lausitz wirklich weiterhelfen könnte.

Weil auf dem Feld der derzeit meist gebauten Lithium-Ionen Batterien asiatische Hersteller weltweit erdrückend dominierend und preisgünstig ist, stellt sich beispielsweise die Frage, ob diese Technologie in Europa neu aufgerollt werden sollte. Wer aber in neuartige Technologien und Zellen, die schneller, mehr Strom speichern können investieren will, der muss vor allem zunächst viel Geld für die Forschung aufwenden.Dazu sind europäische Konzerne und Firmenzusammenschlüsse derzeit aber offenbar nicht bereit.

In Cottbus diskutierten Wirtschaftsförderer, Kommunalpolitiker, Wissenschaftler und Vertreter der Industrie. Und um es vorweg zu nehmen: Eine gemeinsame Antwort auf solche Fragen haben sie am Donnerstag nicht gefunden. Als kleinster gemeinsamer Nenner bleibt nach den Diskussionsbeiträgen eher die Erkenntnis, dass der Markt zur Produktion elektrischer Speicher zwar hoch interessant für die Lausitz bleibt, aber eben auch nur ein Mosaikstein sein kann, auf dem die Region ihre wirtschaftliche Zukunft suchen muss.

Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) beispielsweise arbeitet mit seinem Team mit Hochdruck an der Entwicklung neuer Flächen rund um das Industriegebiet-Süd in der Neißestadt. Denn entscheidend ist aus Mahros Sicht, dass es ganz schnell gehen muss, wenn ein potenzieller Investor Interesse zeigt. Wer dann erst beginnt langwierige Verwaltungsverfahren zu starten, hat schon verloren. Unterstützt wurde Mahro dabei am Donnerstag von Marcus Tolle. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus hat lange auf eigenen Rechnung als erfolgreicher Projektentwickler gearbeitet und weiß genau, worauf es bei Ansiedlungen ankommt. Tolle sieht das scheinbare Handlungs-Vakuum nach dem Abschlussbericht der Kohlekommission und den notwendigen Gesetzgebungsverfahren des Bundes sehr kritisch. Er erwartet vielmehr, dass die Länder Brandenburg und Sachsen bei der Vorbereitung beispielsweise von Vorratsflächen in Vorleistung gehen und die Kommunen dabei nicht alleine lassen. Wenn heute ein milliardenschwerer Batteriefabrikant anriefe und 40 Hektar für eine Gigafabrik brauchte, fände er Flächen dieser Dimension, auf denen der Bau zeitnah beginnen könnte, in der Lausitz derzeit nicht.

 Wie viel wirtschaftliches Potenzial steckt tatsächlich in der Produktion von Batteriezellen. Die Fachleute sind sich nicht einig.
Wie viel wirtschaftliches Potenzial steckt tatsächlich in der Produktion von Batteriezellen. Die Fachleute sind sich nicht einig. FOTO: LR / Jan Siegel