Der Kanal - die Fachleute sprechen vom Überleiter zwölf - liegt am Anfang einer Wassertreppe vom Senftenberger bis hoch zum Spreetaler See. Er ist Ausgangspunkt für die Verbindung von Gewässern mit einem Pegel von knapp 98 bis 108 Metern über dem Meeresspiegel. Damit schließt das Bauwerk den Wasserkreislauf der künftigen Lausitzer Seenkette auf. Und es ist Zünglein an der Wasserhaushalts-Waage des Systems.



Projektmanager Gerd Richter von der Lausitzer- und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) sagt zu dem Vergleich nicht nein: Wie ein Tunnel des Intercityexpress’ nur wesentlich kleiner sehen die Eingänge aus für das anspruchsvolle Bauprojekt zur Realisierung der Lausitzer Seenkette, den Überleiter zwölf. Die Eingänge sind Teile des Kanals, der sich unter der Bundesstraße B 96 und der Schwarzen Elster vom Senftenberger See über 1050 Meter hin zum Geierswalder See ziehen soll. Zu dem Bauwerk gehören außer den beiden Tunneln ein 848 Meter langer offener Überleiter sowie eine 48 Meter lange Schleusenanlage.

Schwarze Elster wird verlegt
Die Baukosten, die vom Land Brandenburg getragen werden, können nach Auskunft von LMBV-Pressesprecher Uwe Steinhuber einen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Richter beschreibt die beiden Tunnel als das Besondere am Überleiter zwölf: Einer führt in der Ortslage Koschen (Oberspreewald-Lausitz) unter der B 96 bei Koschen durch. Der zweite wird mit einer Länge von 90 Metern unter der Schwarzen Elster – einem zeitweise Hochwasser führenden Fluss – hindurchgeleitet. „Dabei verlegen wir die Elster in einem Bogen. Dadurch können der Tunnel minimiert und die Geradlinigkeit der Schwarzen Elster aufgelockert werden.“
Ein derartiges Wasserbauwerk gibt es bislang im Osten Deutschlands noch nicht. Im Westen existiert bei Weilburg ein einziger schiffbarer Tunnel, der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Fels geschlagen wurde.

Höhenunterschiede überwinden
Anspruchsvoll ist auch der Bau des anschließenden Kanals, weil Wasserstandsschwankungen im Speicherbecken Senftenberger See zwischen 97,7 und 99,25 Metern über dem Meeresspiegel zu berücksichtigen sind, wie die Experten erläutern. Der Geierswalder See soll künftig einen Wasserstand zwischen 100 und 101 Metern über dem Meeresspiegel haben. Das heißt, er liegt höher als bisher. Deshalb müsse auf Schutz und Sicherung der guten Wasserbeschaffenheit des tiefer liegenden Senftenberger Sees besonders geachtet werden.


Der Kanal liegt an der untersten Stufe einer ganzen Wassertreppe im Seenland. Die einzelnen Stufen dieser Treppe bestehen aus dem Geierswalder, dem Partwitzer, dem Sedlitzer und dem Ilse-See; aus dem Spreetaler Gebiet mit der Blunoer Südsee, dem Neuwieser See, dem Bergener See und dem Sabrodter See sowie dem Spreetaler See als der obersten Stufe. Hier geht es von etwa 108 Metern des Spreetaler Sees auf 98 Meter des Senftenberger Sees abwärts. Die Kanäle zwischen den Stufen gestatten es, bei Bedarf überschüssiges Wasser herunterzulassen und in die Schwarze Elster zu leiten, erklärt Richter.


Der Projektmanager beschreibt eine weitere wichtige Aufgabe: „Beim Geierswalder See müssen wir die durch den Plangenehmigungsbescheid vorgegebene Wassergüte erreichen. Erst dann ist Schleusen von Booten zum oder vom Senftenberger See aus möglich.“ Dabei könne die LMBV auf Erfahrungen bei der bisherigen Sanierung und entsprechende Konzepte zurückgreifen.
Die Planer rechnen damit, ab dem Jahr 2010 die ersten Schiffe durch den Kanal zwischen Senftenberger und Geierswalder See zu leiten. Damit wäre dann auch der Senftenberger See mit der aufsteigenden Lausitzer Seenkette verbunden. Für Wassersportler wird er so attraktiver. Auch Wanderer und Radler profitieren davon, denn mit dem Kanal ist dem Projektmanager zufolge ein ansehnliches Kreuzungsbauwerk an der B 96 mit Fußgänger- und Radwegtunnel verbunden. Gerd Richter, seit 1995 an Bergbausanierungsobjekten in der Lausitz verantwortlich beteiligt, freut sich auf sein neues Projekt Überleiter zwölf.
Nach dem offiziellen ersten Spatenstich in der kommenden Woche stehen die Erdarbeiten neben der „planerischen Untersetzung der Ingenieurbauwerke“ auf dem Programm. Ab dem zweiten Quartal 2008 soll der Tunnel unter der Schwarzen Elster in Angriff genommen werden.

Der Namenlose schließt den Kreis
Der Überleiter zwölf hat zwar noch keinen so klangvollen Namen wie seine kleineren Ableger, von denen vier bereits fertig sind: der Barbarakanal (Überleiter neun) zwischen Geierswalder und Partwitzer See oder der Rosendorfer Kanal (Überleiter acht) vom Partwitzer zum Sedlitzer See. Aber er liegt am Anfang, am Fuße der künftigen Wasserkette. Der Überleiter zwölf schließt sie für den Wasserkreislauf und für den Tourismus auf. Er rückt die Vision von der Verbindung der Lausitzer Seenkette mit den Gewässern im Norden der Republik näher in die Wirklichkeit.


Kanäle für die Lausitz
Zehn der 28 größeren und kleineren Seen ehemaliger Tagebaue der Lausitz werden den Planungen zufolge durch insgesamt 13 Überleiter, Kanäle sowie vier Schleusen miteinander verbunden. Die meisten davon, außer die Flachwasserzonen um Spreetal, sind für Sportboote und Fahrgastschiffe tauglich. Neun der 13 Kanalprojekte liegen in Sachsen, vier in Brandenburg. Drei sind bereits fertig. Die anderen befinden sich im Bau oder in der Genehmigungsphase. Ab 2010 könnten sie nach Aussagen des Bergbausanierers LMBV je nach Stand der Flutung schrittweise genutzt werden .