Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz in der Region sind so gut wie nie – sagen Handwerkskammer (HWK), Agentur für Arbeit und Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Denn rückläufigen Bewerberzahlen stünden zahlreiche Betriebe gegenüber, die dringend Lehrlinge suchten. Das ergab eine Analyse des Ausbildungsmarktes 2011, die HWK, IHK und die Agentur für Arbeit am gestrigen Montag vorstellten.

Demnach laufen Unternehmen in der Lausitz Gefahr, bald zu vergreisen. Denn standen 1995 im Bereich der Agentur für Arbeit Cottbus gut 100 Bewerbern noch 30 Ausbildungsstellen gegenüber, sind es heute mit 70 mehr als doppelt so viele, erklärte Heinz-Wilhelm Müller von der Agentur für Arbeit Cottbus. Trotzdem seien derzeit 208 Lehrstellen in seinem Zuständigkeitsbereich unbesetzt. „Wir haben kein quantitatives Problem, sondern ein qualitatives“, erklärt sich Müller diese Zahl. Immerhin habe es 2011 im Cottbuser Bezirk für knapp 2400 Ausbildungsstellen etwa 3300 Bewerber gegeben. Die Firmen könnten bei der Wahl der Lehrlinge demnach vermeintlich aus dem Vollen schöpfen. Aber der Nachwuchs brächte immer öfter nicht die erforderlichen Qualifikationen wie gute Schulnoten mit.

Noch vor einigen Jahren sei das mit höheren Bewerberzahlen noch anders gewesen, erinnert sich Müller. Da hätte ein Maurer schon mal einen Abiturienten als Lehrling eingestellt. „Wenn mir ein Unternehmen heute sagt: Ich brauche einen Azubi mit einer zwei in Deutsch, Mathe und Englisch, dann kann ich meist nicht weiterhelfen.“

Ähnlich beurteilt die Agentur für Arbeit Bautzen den Wandel vom Lehrstellen- zum Lehrlingsmangel in der Lausitz. Im Ausbildungsjahr 2011 habe es mit knapp 2700 betrieblichen Ausbildungsstellen 600 mehr als im Vorjahr gegeben. Darauf bewarben sich knapp 3500 Schulabgänger – etwa 300 weniger als noch im Jahr 2010.

Grund für diese Entwicklung sei unter anderem der demografische Wandel. Weniger Jugendliche wachsen in der Lausitz auf, und stetig ziehe es vor allem den qualifizierten Nachwuchs fort aus der Region. Dem sollen die Unternehmen nach Willen von Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, schleunigst entgegenwirken. „Sie können das Problem nicht abschieben auf Eltern oder Schulen“, sagt er. „Stattdessen müssen die Betriebe sich Gedanken machen, wie sie den Kampf um die besten Köpfe gewinnen.“

Als ersten Schritt schlägt Krüger vor, auf neue Kommunikationswege umzusteigen. „Ich habe noch nie einen Jugendlichen mit einem Flyer zum Lehrstellenmarkt gesehen“, sagt er. „Wir müssen stattdessen soziale Netzwerke nutzen. Aber manche Betriebe haben von Facebook noch nie was gehört.“

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Zum Thema2012 bieten die Agenturen für Arbeit in Cottbus und Bautzen nach eigenen Angaben am meisten Stellen als Koch, Kfz-Mechatroniker, Verkäuferin, Restaurantfachmann, Industriemechaniker und Bürokauffrau an.