Wie wir berichteten , möchte Vattenfall seine deutsche Braunkohlsparte in der Lausitz so schnell wie möglich verkaufen. Als Käufer, und das betonte Hall ausdrücklich, soll nicht irgendwer in Frage kommen, sondern nur jemand, der sich seiner sozialen Verantwortung gegenüber den Vattenfall-Mitarbeitern in Lausitz im Klaren ist. Darüber hinaus muss der potentielle Käufer eine gute Umweltbilanz vorweisen können. Wer als möglicher Käufer im Gespräch sei, wollte der Vattenfall-Chef bislang nicht verraten. Ende Oktober hat das Unternehmen in einer Pressemitteilung verlauten lassen, dass die Braunkohlesparte in der Lausitz verkauft werden soll. Deutschlands größter Braunkohleförderer RWE will die Sparte früheren Angaben zufolge nicht übernehmen. Die Lausitzer Energiewirtschaft ist wegen der Unklarheiten verunsichert.

Der Herbstbericht der Industrie- und Handelskammer Cottbus zieht Bilanz

Der RBB hatte im November den aktuellen Herbstbericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus veröffentlicht. Das Fazit fällt dabei überwiegend positiv aus: 45 Prozent der Südbrandenburger Unternehmen bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut. Allerdings schrauben 21 Prozent der Unternehmen ihre Erwartungen für die Folgejahre runter. Das sind weit mehr Unternehmen als in der vergangenen Konjunkturumfrage. Die Unsicherheit wächst also. Auch der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus Jens Krause äußerte gegenüber dem RBB Bedenken: "Wir sehen eine gewisse Unzufriedenheit, ein gewisses Rumoren." Laut seiner Einschätzung wird sich der Fall Vattenfall in der nächsten IHK-Konjunkturumfrage noch stärker auswirken. Aber die Vattenfall-Situation bilden nicht die einzige Unsicherheit für den Standort Lausitz.

Die Schwächen und die Stärken

Das größte Problem in Lausitz, sowohl für Unternehmer als auch für Privatpersonen, ist die langsame Internetverbindung. Eine für moderne Firmen essentielle IT-Verwaltung, wie sie etwa Solarwinds anbietet, ist bei der Breitbandgrundlage kaum durchführbar. Weitere Schwachpunkte bilden der Fachkräftemangel und die Grenzkriminalität, die den Standort Lausitz für viele Unternehmen unattraktiv machen. Auf der anderen Seite ist das, was Lausitz seit dem Mauerfall bereits erreicht und geschaffen hat, bemerkenswert. In Sachen Zusammenarbeit mit den Verwaltungen und hinsichtlich der medizinischen Versorgung sowie des kulturellen Angebots ist Lausitz ein für Unternehmen absolut attraktiver Standort. Die Gewerbeimmobilien sind bezahlbar und die Region bietet zudem eine hohe Anzahl von Betreuungsplätzen in Kindergärten. Auch der Einzelhandel ist breit aufgestellt. Wenn also an den Standortschwächen in Lausitz gearbeitet wird, ist damit auch die Zukunft weiterer Firmen in der Region garantiert und das unabhängig von dem Fall Vattenfall.