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Den Staat an den Ausgaben für Handwerker und Haushaltshilfen beteiligen

86 Prozent der erwachsenen Bundesbürger halten den Mindestlohn für richtig. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv
86 Prozent der erwachsenen Bundesbürger halten den Mindestlohn für richtig. Foto: Ralf Hirschberger/Archiv
Cottbus. Steuerzahler können Ausgaben für Babysitter, Handwerker oder Pflegekräfte steuerlich geltend machen. Die Höhe der Steuerersparnis hängt bei haushaltsnahen Dienstleistungen davon ab, in welcher Form die Hilfe bei ihnen beschäftigt ist. Barbara Brandstetter / bbr

Steuerzahler können nun in mehr Fällen das Finanzamt an den Ausgaben für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen beteiligen. Grund dafür sind einige für Steuerzahler freundliche Urteile sowie eine neue Definition der Finanzverwaltung, was unter "Neubaumaßnahmen" zu verstehen ist. Die Ausgaben für Handwerker und haushaltsnahe Dienstleistungen tragen Steuerzahler in das Steuerhauptformular auf Seite 3 ein.

Handwerker: Wer Handwerker in seinem Eigenheim beschäftigt, kann bis zu 6000 Euro mit 20 Prozent, also maximal 1200 Euro im Jahr verrechnen. Allerdings beteiligt sich der Fiskus nur an Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen. Das sind beispielsweise Schönheitsreparaturen wie Tapezieren oder Streichen von Innenwänden, Modernisierung des Badezimmers, Austausch der Einbauküche, Reinigung der Dachrinne oder Beseitigen von Graffiti.

Nicht begünstigt sind "Neubaumaßnahmen". Doch diesen Begriff hat die Finanzverwaltung 2014 neu definiert. Unter Neubaumaßnahmen verstehen die Finanzämter nun alle Arbeiten "im Zusammenhang mit der Errichtung eines Haushalts bis zu dessen Fertigstellung". Daher können Steuerzahler das Finanzamt nun an deutlich mehr Arbeiten beteiligen - auch wenn dadurch neue Wohn- oder Nutzflächen geschaffen werden. Das war bislang ausgeschlossen. "Die neue Regelung gilt in allen noch offenen Steuerfällen rückwirkend bis 2006", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Das Finanzamt beteiligt sich künftig also auch an den Kosten für den Anbau eines Wintergartens, den Ausbau eines Dachgeschosses oder Kellers oder das Aufstellen eines Carports. De facto an Handwerkerkosten nach Einzug ins neue Eigenheim.

Auf den Ausgaben für den Schornsteinfeger bleiben Steuerzahler künftig jedoch zum Teil sitzen. "Begünstigt sind nur noch Kehr-, Reparatur- und Wartungsarbeiten des Schornsteinfegers", sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. An den Ausgaben für Messungen und Überprüfungen beteiligt sich der Fiskus nicht mehr.

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Wie hoch der Betrag ist, den Steuerzahler verrechnen können, hängt maßgeblich davon ab, in welcher Form die Hilfe in ihrem Haushalt beschäftigt ist. Die Finanzbeamten unterscheiden im Wesentlichen drei Gruppen: Minijobs, sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen sowie selbstständig Tätige.

Ist der Arbeitslohn nicht höher als 450 Euro im Monat, sprechen Experten von einer geringfügigen Beschäftigung beziehungsweise einem Minijob. Wer eine Hilfe in dieser Form in seinem Haushalt beschäftigen möchte, muss das Haushaltscheckverfahren nutzen und Pauschalen für die gesetzliche Rentenversicherung, eventuell Krankenversicherung und Steuern an die Minijobzentrale abführen.

Haushalte, die ihre Hilfe bei der Minijobzentrale gemeldet haben, können 20 Prozent der Kosten bis 2550 Euro, also maximal 510 Euro steuerlich geltend machen. "Den Betrag ziehen die Beamten direkt von der Steuerschuld ab", sagt Peter Pomian von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Cottbus. Einzige Bedingung: Die Arbeiten müssen im Haushalt des Auftraggebers durchgeführt werden. Wenn die Hilfe im Monat bei mehreren Auftraggebern insgesamt mehr als 450 Euro verdient, ist eine geringfügige Beschäftigung nicht mehr möglich.

In die Kategorie haushaltsnahe Dienstleistungen fallen Hilfen, die selbstständig tätig sind genauso wie sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. In beiden Fällen akzeptieren die Beamten 20 Prozent der Kosten bis zu 20 000 Euro, also maximal 4000 Euro. Den Betrag zieht das Finanzamt direkt von der Steuerschuld ab.

In die Kategorie haushaltsnahe Dienstleistungen gehören eine ganze Reihe Tätigkeiten, wie beispielsweise Gartenpflege, Fensterreinigung oder das Blumengießen in der Urlaubszeit. Auch die Ausgaben für eine Tagesmutter, Umzugsspeditionen, ambulante Krankenpflegedienste, ein Au-Pair oder die Betreuung von Hunden oder anderen Haustieren nicken die Finanzbeamten als haushaltsnahe Dienstleistung ab. "Die Tätigkeiten müssen jedoch im Haus oder auf dem Grundstück des Auftraggebers stattfinden", sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfe. Anderenfalls akzeptieren die Finanzämter die Ausgaben nicht.

Ein Beispiel: Wer seinen Hund in einer Tierpension betreuen lässt, kann die Ausgaben nicht als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen. Kommt die Betreuerin ins eigene Haus, ist dies möglich.

In den vergangenen Jahren gab es oft Streitigkeiten zwischen Steuerzahlern und Finanzämtern, wenn die Arbeiten sowohl auf dem Grundstück als auch auf öffentlichem Gelände wie beispielsweise dem Gehsteig durchgeführt wurden.

Doch in dieser Frage haben die Richter des Bundesfinanzhofs in zwei Urteilen für Klarheit gesorgt. So können Steuerzahler die Ausgaben für das Schneeräumen und Reinigen von öffentlichen Gehwegen durchaus als haushaltsnahe Dienstleistungen abrechnen (Az.: VI R 55/12). Auch können Steuerzahler die Ausgaben für Handwerker steuerlich geltend machen, die das Haus an die öffentliche Trink- und Abwasserversorgung anschließen (Az.: VIR 56/12).

Arbeitskosten: Der Staat beteiligt sich sowohl bei den Handwerkern als auch bei den haushaltsnahen Dienstleistungen lediglich an den Arbeitskosten. Materialkosten müssen Steuerzahler alleine zahlen. "Achten Sie darauf, dass in der Rechnung Material- und Arbeitskosten getrennt ausgewiesen werden", rät Steuerexperte Peter Kauth von Steuerrat24.de.

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Zum Thema:
Pflege: Steuerzahler können Ausgaben für die Pflege als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen (Teil 3). Alternativ lassen sich die Ausgaben - etwa für eine Hilfe im Haushalt - auch als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen. Wer eine Person im eigenen oder in deren Haushalt pflegt, erhält einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro. Doch dieser ist an rigide Bedingungen geknüpft: So muss die Person in Pflegestufe III eingruppiert sein oder das Merkzeichen "H" im Behindertenausweis haben. "Zudem kann den Pflege-Pauschbetrag nur jemand steuerlich geltend machen, der dafür keine Einnahmen erhält", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Der Pflegepauschbetrag gehört in die Kategorie der außergewöhnlichen Belastungenbesonderer Art und reduziert die Steuerlast daher ab dem ersten Euro.Alternativ können Sie die Kosten auch als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art verrechnen. Steuerlich geltend machen können Steuerzahler nachgewiesene Ausgaben beispielsweise für eine Pflegekraft oder Heimkosten. Die eigene Pflegeleistung gehört jedoch nicht dazu (BFH-Urteil vom 22. Januar 1992). Betroffene müssen in diesem Fall zunächst eine zumutbare Belastung aus eigener Tasche zahlen, bevor sich der erste Cent steuermindernd auswirkt (Teil 3).Steuerzahler können die Pflegekosten jedoch auch als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich geltend machen - sofern die Ausgaben nicht als außergewöhnliche Belastungen verrechnet werden können. "Dazu zählt beispielsweise auch die zumutbare Belastung", sagt Gudrun Peters vom Lohnsteuerhilfeverein für Arbeitnehmer e. V. in Cottbus. Bei haushaltsnahen Dienstleistungen spielt zudem die Pflegestufe keine Rolle. Die Höhe der Steuerersparnis richtet sich danach, in welcher Form die Hilfe im Haushalt beschäftigt ist. So erkennen die Finanzämter beispielsweise 20 Prozent der Ausgaben für mobile Pflegedienste bis 20 000 Euro an, also maximal 4000 Euro. Die 4000 Euro ziehen die Finanzämter direkt von der Steuerschuld ab. Bei einer geringfügig beschäftigten Haushaltshilfe nicken die Beamten 20 Prozent der Kosten bis 2550 Euro ab, also maximal 510 Euro. Krankheit: Die Ausgaben für Arztbesuche, Medikamente oder Hilfsmittel wie Brillen oder Rollstühle können Steuerzahler - sofern vom Arzt verordnet und nicht von der Versicherung bezahlt - in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen verrechnen (Teil 3). Auch Ausgaben für Zahnersatz, Kronen oder Prothesen akzeptieren die Finanzämter. Bei diesen Ausgaben müssen Steuerzahler jedoch zunächst eine zumutbare Belastung aus eigener Tasche zahlen, bevor sie das Finanzamt an den Kosten beteiligen können. bbr