Von Sven Braun

Auf der „Ostpro“-Messe in Berlin können Nostalgiker seit Freitag wieder drei Tage lang in Erinnerungen schwelgen. Viele Hersteller bekannter DDR-Marken überlebten die Wende nicht, einige halten sich bis heute. Wie stehen manche „Ost-Produkte“ 30 Jahre nach dem Mauerfall da?

„Leckermäulchen“

Den Leckermäulchen-Quark dürften vielen Ostdeutsche kennen. Seit Ende der 1970er-Jahre gab es die Nachspeise aus Sachsen-Anhalt in der DDR. Zwar sei Nostalgie nach wie vor ein Kaufgrund, aber sie spiele deutlich weniger eine Rolle, erklärt Marketingleiter Curd Kießler: „Es wird nicht gekauft, weil man sagt, ich muss jetzt was aus dem Osten haben.“ Heutzutage seien Qualität und Preis wichtiger.

Gerade für ältere Generationen sei die Tradition aber noch ein Kaufgrund. Was vor allem daran liege, dass der Quark zu DDR-Zeiten nur selten verfügbar gewesen sei. „Durch diese erlebte Knappheit haben diese Produkte von früher, die es heute noch gibt, einen Nimbus“, sagt Kießler. In den neuen Bundesländern setzt das Unternehmen deshalb auch mehr ab. Von den 40 Millionen Stück im vergangenen Jahr seien etwa 65 Prozent im Osten verkauft worden.

„Berliner Luft“

Schon seit 1932 stellt die Firma Schilkin Spirituosen in Berlin her. Bekannt ist das Unternehmen mittlerweile bundesweit auch durch den Pfefferminzlikör „Berliner Luft“. Zu DDR-Zeiten gab es den nur für Ostdeutsche. Geschäftsführer Erl­fried Baatz kann mit dem Begriff „Ostmarke“ nicht viel anfangen: „Das ist nicht ein Thema ,Ostmarke‘, das ist ein Thema Berliner Traditionsmarke.“ Von einer „Ostalgie“ sei keine Rede mehr.

Seit der Wende sei es bergauf gegangen für den Likör. Als er vor fünf Jahren antrat, verkaufte Schilkin 150 000 der 0,7-Liter-Flaschen im Jahr, sagt Baatz. 2018 seien es sechs Millionen gewesen.

„Rabe Spreewälder Konserven“

Mit Spreewald-Gurken können auch Westdeutsche etwas anfangen. Die Firma Rabe Spreewälder Konserven verkauft seit Ende des 19. Jahrhunderts das Gemüse. „Es gibt viele Leute, die sich auf verschiedene DDR-Produkte besinnen“, weiß Vertriebsleiterin Heidemarie Belaschk. Bei der Spreewald-Gurke stecke noch Nostalgie dahinter.

Auch deshalb bringt das Unternehmen Gurken – eingelegt nach DDR-Rezept – wieder auf den Markt. Diese würden weniger Zucker enthalten. Von der klassischen Spreewald-Gurke verkaufte das Unternehmen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben etwa eine halbe Million Gläser: „Spreewald-Gurken haben sich bundesweit etabliert“, ist sich Belaschk sicher.

„Echter Nordhäuser“

Schon vor der Gründung der DDR stellte der Betrieb Nordbrand Nordhausen Schnäpse unter der Marke „Echter Nordhäuser“ in Thüringen her. Ab 1960 wurden die Spirituosen auch im Westen verkauft. Für den Chef der Brennerei, Robert Becke, sind die Wurzeln der Marke wichtig. Heute seien die Produkte aber bundesweit vertreten: „Deshalb wäre der Begriff ,Ostmarke‘ aktuell keine ausreichende Beschreibung.“

Der Absatz ging von rund 15 Millionen Flaschen pro Jahr zur Wendezeit auf weniger als zehn Millionen im Jahr 2018 zurück. Dies sei aber auf den sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch an Spirituosen bundesweit zurückzuführen. „Die Wurzeln der Marke seien beim Absatz von Korn und Doppelkorn durchaus bemerkbar“, sagt Becke. Diese würden sich besonders gut im Osten verkaufen.