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| 02:42 Uhr

Das Millionending im Landgasthof

Im Schlepziger Landgasthof "Zum grünen Strand der Spree" wird ab Oktober kräftig gebaut.
Im Schlepziger Landgasthof "Zum grünen Strand der Spree" wird ab Oktober kräftig gebaut. FOTO: Jan Siegel
Schlepzig. In diesen Tagen herrscht Hochbetrieb im Landgasthof "Zum grünen Strand der Spree" in Schlepzig (Dahme-Spreewald). Anfang Oktober aber wird er geschlossen. Vier Millionen Euro investieren die Besitzer dann in den Umbau des traditionsreichen Hauses. Jan Siegel

Der Landgasthof im malerischen Spreewalddorf Schlepzig ist schon längst nicht mehr das, was auf dem großen Schild über dem Eingang steht, nämlich ein "Landgasthof". Längst hat sich das traditionsreiche Haus, in dessen Saal sich vor 30 Jahren noch die Landjugend zur Disco versammelte und wo der Stammtisch der Schlepziger stand, zu einem veritablen Hotel und Hochzeitsdomizil gemausert. Allein mehr als 50 Paare geben sich in jedem Sommer in einem Weidendom vor den Standesbeamten das Ja-Wort und feiern mit ihren Gästen. Zahlreiche Radler, hunderte Spreewald-Fans und viele Tropical-Islands-Besucher buchen sich in jedem Jahr im "Landgasthof" ein.

Insgesamt 27 Doppelzimmer gibt es derzeit schon in dem Gebäudeensemble mit eigener Brauerei und Kahnanleger. Mehr als 20 Jahre lang hatte Dr. Torsten Römer den Komplex rund um den alten Landgasthof ausgebaut, eher er ihn vor rund dreieinhalb Jahren für etwa zwei Millionen Euro an die Satama GmbH aus Wendisch Rietz verkaufte.

Satama, das ist nicht der Kunstname für einen anonymen Zusammenschluss renditegetriebener Investoren. Die Firma, betreibt am Ufer des Scharmützelsees seit mehr als zwei Jahrzehnten wirtschaftlich erfolgreich einen exklusiven Saunapark. "Wir hatten nicht geplant einen Hotelbetrieb zu übernehmen", erzählt Torsten Splanemann-Du Chesne. Der Mann mit dem nicht ganz einfach auszusprechenden Doppelnamen ist einer der Satama-Gesellschafter. Am Ende war es seine geschäftliche Bekanntschaft mit Torsten Römer - der ursprünglich nur einen Pächter für seinen Gasthof in Schlepzig suchte - die letztlich zum Kauf des Landgasthofes in Schlepzig führte. Seitdem haben die Wellness und Sauna-Experten bereits rund eine Million Euro in den Ausbau des einstigen Landgasthofes investiert. Mit dem Geld wurde ein früheres Stallgebäude mit viel Liebe zum historischen Detail mit exklusiven Zimmern ausgestattet und erhielt die hauseigene Brauerei eine neue Abfüllanlage.

"Unsere Überlegung war: Im Sommer, wenn es im Saunapark etwas ruhiger ist, dann ist Hochsaison im Spreewald und umgekehrt", sagt Splanemann-Du Chesne. Inzwischen hat Satama in Wendisch Rietz und Schlepzig mehr als 100 Mitarbeiter, in den unterschiedlichsten Servicebereichen. Viele von ihnen können flexibel am Scharmützelsee oder im Spreewald eingesetzt werden.

"Klar, das klingt leichter als es ist", weiß René Kowatsch. Er führt gemeinsam mit Susanne Du Chesne die operativen Satama-Geschäfte. "Immer Hochsaison stellt auch besondere Anforderungen an das gesamte Team und die Planung." Dabei steht ihnen allen eine echte Herausforderung erst noch bevor.

Im kommenden Winter will Satama vier Millionen Euro in den Schlepziger Hotelkomplex investieren. Mit architektonischem Fingerspitzengefühl sollen mit dem Geld insgesamt 14 neue Doppelzimmer, ein Wintergarten mit Rezeption, Bar und Lobby entstehen. Aus derzeit zwei separaten Küchen aus denen in Spitzenzeiten bis zu 1200 Essen pro Tag kommen, soll künftig eine kulinarische Zentrale werden. "Das spart den Mitarbeitern viele Wege und erhöht die Energieeffizienz des Hotelkomplexes", sagt René Kowatsch. Gleichzeitig ist ein deutlicher Ausbau der Hausbrauerei geplant. Momentan können die Brauer in Schlepzig pro Jahr 1200 Hektoliter des erfrischenden Gerstensaftes produzieren. Nach dem Umbau soll es fast viermal soviel sein.

Nachhaltigkeit und Energie sind ein großes Thema bei der Millioneninvestition im Spreewald. So sind die Nutzung von Abwärme zur Beheizung der Whirlpools und der Einbau eines Blockheizkraftwerkes geplant, das neben Wärme auch Strom erzeugt.

Der Architekt, der die Pläne zum Umbau des Landgasthofes in Schlepzig entworfen hat und sie ab Oktober mit umsetzen soll, heißt Markus Thelen (Video). Der Baumeister aus dem brandenburgischen Netzeband hat sich für das Projekt auch in die Geheimnisse der Braukunst einarbeiten müssen. Künftig soll nämlich der sogenannte "Hopfenturm" die bisher getrennten Gebäude des Gasthofes und der Brauerei auf optisch interessante Weise verbinden. In dem Turm werden neben einer neuen Malzmühle auch zusätzliche Vorratsbehälter für das Schlepziger-Frischbier eingebaut, damit dort mehr von dem Gerstensaft reifen kann.

Für den groß angelegten Umbau haben sich Markus Thelen die Satama-Manager ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Am 18. Mai 2016 - nach nur sieben Monaten Umbauzeit - soll im Landgasthof "Zum grünen Strand der Spree" die neue Küche "eingekocht" und die erste große Hochzeitsgesellschaft schon wieder bewirtet werden.