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Das Finanzamt beteiligt sich an den Kosten für die Kinderbetreuung

Eltern, die ihr unter dreijähriges Kind nicht in eine Kita oder zu einer Tagesmutter geben, erhalten monatlich 150 Euro Betreuungsgeld. Foto: Jan Woitas
Eltern, die ihr unter dreijähriges Kind nicht in eine Kita oder zu einer Tagesmutter geben, erhalten monatlich 150 Euro Betreuungsgeld. Foto: Jan Woitas
Cottbus. Seit dem vergangenen Jahr haben auch Eltern Anspruch auf Kindergeld, deren Nachwuchs ein duales Studium absolviert oder heiratet. Barbara Brandstetter / bbr

Für die Steuererklärung 2014 können sich Eltern entspannt zurücklehnen. Allzu viele Änderungen hat es nicht gegeben. Doch von den wenigen Neuerungen profitieren einige. So erhalten Eltern, deren Kinder ein duales Studium absolvieren oder verheiratet sind, in vielen Fällen Kindergeld. Das haben die Richter des Bundesfinanzhofs entschieden. Ab Juli gibt es zudem das neue Elterngeld Plus.

Kindergeld oder Kinderfreibetrag: Eltern erhalten für den ersten und zweiten Sprössling Kindergeld in Höhe von 184 Euro im Monat. Für das dritte Kind gibt es 190 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind 215 Euro. Alternativ können Eltern über die Steuererklärung auch den Kinder- und BEA-Freibetrag (Freibetrag für Betreuung, Erziehung, Ausbildung) beantragen. Die Beamten prüfen dann, ob Kindergeld oder Freibeträge günstiger sind. Die Freibeträge rechnen sich in der Regel für Eltern, deren Grenzsteuersatz über 31,5 Prozent liegt, also ab einem zu versteuernden Einkommen von rund 31 700 (Alleinstehende) bzw. 63 400 Euro (Verheiratete). Auch wer davon ausgeht, dass sich die Freibeträge rechnen, sollte Kindergeld beantragen. Denn die Beamten gehen davon aus, dass die Eltern dieses erhalten haben. "Wer kein Kindergeld beantragt, verschenkt Geld", sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg.

Kindergeld: Eltern erhalten Kindergeld bis zum 18. Lebensjahr ihres Sprösslings (Zeilen 15-22). Für erwachsene Kinder bekommen Eltern das Geld nur, wenn Sohn oder Tochter eine Schul- oder Berufsausbildung machen. Dann verlängert sich die Frist bis zum 25. Geburtstag.

Der Bundesfinanzhof hat einige für Steuerzahler freundliche Urteile gefällt. So erhalten Eltern für ihr Kind in Ausbildung auch dann weiter Kindergeld, wenn dieses vor dem Abschluss und dem 25. Geburtstag heiratet. Irrelevant ist dabei, wie viel der Ehepartner oder der eingetragene Lebenspartner verdient, entschieden die obersten Finanzrichter (Az.: III R 22/13).

Eltern, deren Kind ein duales Studium absolviert und dabei mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet, haben bis zum Bachelor-Abschluss Anspruch auf Kindergeld (Az.: III R 52/13).

Kindergeld zahlt die Familienkasse auch in der Zeit zwischen zwei Ausbildungen. Bedingung ist jedoch, dass die Auszeit vier Monate nicht übersteigt. "Dauert die Suche nach einer Ausbildung beispielsweise nach dem Abitur länger, sollten Eltern anhand von Bewerbungen nachweisen, dass sich der Nachwuchs um eine Ausbildung bemüht", sagt Gudrun Peters vom Lohnsteuerhilfeverein für Arbeitnehmer e. V. in Cottbus.

Seit 2012 können erwachsene Kinder in einer Erstausbildung oder einem Erststudium so viel Geld verdienen wie sie wollen, ohne dass Eltern ihren Anspruch auf Kindergeld verlieren. Die Familienkasse achtet nun nicht mehr auf die Höhe des Verdienstes, sondern darauf, ob der Nachwuchs eine Erst- oder Zweitausbildung absolviert. Befindet sich Sohn oder Tochter in einer Zweitausbildung, prüft das Finanzamt den Umfang der Erwerbstätigkeit (Anlage Kind, Seite 1, Zeilen 24-28). Eltern erhalten nur dann weiter Kindergeld, wenn der Nachwuchs im Schnitt nicht mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet, einen Minijob oder eine kurzfristige Beschäftigung ausübt.

Ausbildungsfreibetrag: Sind die Kinder ausgezogen, können Eltern in der Steuererklärung einen Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro beantragen. "Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Eltern für den Nachwuchs noch einen Anspruch auf Kindergeld haben", sagt Peter Pomian von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Cottbus. Der Freibetrag wird den Eltern in voller Höhe gewährt - unabhängig davon, wie hoch die Einkünfte und Bezüge des Nachwuchses ausfallen. Die Beamten kürzen den Betrag jedoch für jeden Monat, in dem die Voraussetzungen nicht gegeben waren.

Schulgeld: Wer sein Kind auf eine Privatschule schickt, kann den Staat an 30 Prozent der Kosten, maximal 5000 Euro, beteiligen. Einzige Bedingung: Die Schule muss in Deutschland, der Europäischen Union, Island, Norwegen oder Liechtenstein liegen. Und der Besuch der Schule muss zu einem anerkannten allgemeinbildenden oder berufsbildenden Abschluss führen, der von der Kultusministerkonferenz anerkannt wird. "Deutsche Schulen" im Ausland werden stets anerkannt. Auf den Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung, also den klassischen Internatskosten, bleiben Eltern alleine sitzen.

Betreuungskosten: Ausgaben für Babysitter, Tagesmütter oder Kindergarten können Eltern als Sonderausgaben in der Steuererklärung angeben. Die Beamten akzeptieren zwei Drittel der Kosten, maximal 4000 Euro je Kind und das bis zum 14. Geburtstag des Nachwuchses. Das Finanzamt beteiligt sich an den Kosten jedoch nur dann, wenn die Eltern eine Rechnung vorlegen und der Betrag überwiesen wurde.

Morgen lesen Sie: Den Staat an den Ausgaben für Handwerker und Haushaltshilfen beteiligen

Zum Thema:
Für Kinder, die ab dem 1. Juli geboren werden, haben Eltern die Wahl: Sie können wählen zwischen dem Basis-Elterngeld, dem neu eingeführten Elterngeld Plus mit Partnerschaftsbonus oder einer Kombination aus allen Angeboten. Das Basiselterngeld gibt es für maximal 14 Monate, wenn beide Partner Elternzeit nehmen. Bei der jetzigen Regelung können Eltern bis zu 30 Stunden in der Woche arbeiten. Dann wird das Elterngeld jedoch entsprechend gekürzt. Das Elterngeld Plus fällt höchstens halb so hoch aus wie das klassische Elterngeld, dafür erhalten es Eltern, die in Teilzeit arbeiten, doppelt so lange - bis zu 28 Monate. "Mit dem Elterngeld Plus ist es für Mütter und Väter künftig einfacher, Elternzeit und Teilzeitarbeit miteinander zu kombinieren", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Ein Beispiel: Frau Meier hat in den zwölf Monaten vor der Geburt des Kindes ein Nettoeinkommen von rund 2000 Euro. Sie beantragt zwölf Monate Elterngeld, erhält insgesamt also 15 600 Euro. Würde Frau Meier nun nach einem halben Jahr Teilzeit arbeiten und 550 Euro im Monat verdienen, würde ihr Elterngeld entsprechend gekürzt (2000 minus 550 = 1450 mal 65 Prozent). Frau Meier erhält im zweiten Halbjahr 5655 Euro Elterngeld, in den zwölf Monaten insgesamt also 13 455 Euro. bbr