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| 07:13 Uhr

Stuttgart
Daimler droht Rückruf von 600.000 Dieseln

Stuttgart. Es geht offenbar nicht nur um den Vito, sondern auch um Modelle der C-Klasse und SUVs.

Es geht offenbar nicht nur um den Vito, sondern auch um Modelle der C-Klasse und SUVs.

Im Diesel-Skandal steht nach VW auch Daimler immer stärker unter Druck: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) könnte nach einem Bericht des "Spiegel" den Stuttgarter Autobauer zum Rückruf von mehr als 600.000 Dieselfahrzeugen verdonnern. Das KBA gehe dem Verdacht nach, dass bei diesen Modellen unzulässige Abschalteinrichtungen die Wirkung der Abgasreinigung manipulierten, berichtete "Spiegel Online" ohne Angabe von Quellen. Prüfungen an den betreffenden Autos, unter anderem von Modellen der C-Klasse und SUVs der G-Baureihe, fänden bereits statt. Sie hätten einen vergleichbaren Motor wie der gerade zurückgerufene Transporter Mercedes Vito. Daimler erklärte, dem Unternehmen liege keine amtliche Anhörung des KBA (Vorstufe zu einem Rückrufbescheid) zu den genannten Fahrzeugen vor. Zu Spekulationen äußere man sich nicht.

Eine Sprecherin des Bundesverkehrsministeriums bestätigte nur, dass Verkehrsminister Andreas Scheuer das KBA angewiesen habe, weiteren Verdachtsfällen bei Mercedes unverzüglich nachzugehen. Das Amt aus Flensburg untersteht dem Ministerium. In dieser Woche hat es Mercedes zu einem Rückruf von weltweit gut 4900 Vito-Modellen mit Diesel-Abgasnorm Euro 6 verpflichtet, darunter knapp 1400 aus Deutschland. Die Behörde sieht es als erwiesen an, dass eine rechtlich unzulässige Abschalteinrichtung zum Einsatz kam. "Aufgrund der eingebauten Abschalteinrichtungen kann es im Betrieb der Fahrzeuge zu erhöhten Stickoxid-Emissionen kommen", teilte das KBA mit.

Scheuer hat wegen der vermuteten illegalen Praxis beim Vito Daimler-Chef Dieter Zetsche für Montag nach Berlin beorder. Zetsche habe sein Kommen auch zugesagt, sagte die Ministeriumssprecherin. Ein Daimler-Sprecher wollte sich zu dem Termin nicht äußern.

Daimler ist zu dem Rückruf des Vito, bei dem ein Software-Update für die Motorsteuerung vorgenommen werden soll, bereit. Die Motoren stammen vom französischen Partner Renault. Die genaue Zahl der betroffenen Fahrzeuge sei noch nicht geklärt, sagte ein Daimler-Sprecher. Doch der Stuttgarter Konzern kündigte Widerspruch gegen die Feststellung des KBA an, es handele sich um eine unzulässige Abschalteinrichtung. Notfalls will der Autobauer das vor Gericht klären.

Daimler hatte nach Ausbruch des Dieselskandals bei Volkswagen im September 2015 lange Zeit betont, die Abgasreinigung nicht durch eine Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Schon länger wiederholt der Konzern diese Aussage nicht, denn in Deutschland und den USA laufen noch Ermittlungen zu möglichen Gesetzesverstößen. Die Staatsanwaltschaften in Braunschweig, Stuttgart und München ermitteln noch, ob sich Verantwortliche bei Volkswagen, Audi, Porsche, Daimler und seit kurzem auch bei BMW des Betruges schuldig gemacht haben könnten.

(rtr)