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Cottbuser Wankel auf Dieselloks

Forschen weiter: Dr. Rudolf Klotz, Dr. Ulrich Sigmund und sein Sohn Philipp (v.l.).
Forschen weiter: Dr. Rudolf Klotz, Dr. Ulrich Sigmund und sein Sohn Philipp (v.l.). FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die Cottbuser Wankel Supertec GmbH (WST) hat im Jahr 2014 an die Deutsche Bahn 31 Motoren ausgeliefert. Für das Unternehmen, das bisher hauptsächlich von Entwicklungsarbeiten sowie Lizenzvergaben lebte, ist das eine ungewöhnlich große Zahl. Weitere Kleinserien sind geplant. Rolf Bartonek / rbt1 rbt1

Die Bahn setzt die Wankelmotoren auf Dieselloks ein. Dort arbeitet der kleine Motor vor allem, wenn der große Diesel ruht. Er liefert dann die nötige Wärme, um den Antrieb der Lokomotive auf Betriebstemperatur zu halten sowie den Dieselkraftstoff vorzuheizen.

Außerdem produziert er den erforderlichen Strom zur Versorgung des Bordsystems. Denn die Lok benötigt im Stand nur eine geringe Leistung. Dafür ist ihr eigener Motor überdimensioniert, sein Betrieb ist für diese Zwecke unwirtschaftlich.

Das von der WST entwickelte kleine Wankel-Vorheizkraftwerk kann die Aufgaben viel effizienter erfüllen. Das ermöglicht die Einsparung erheblicher Mengen Dieselkraftstoff. Derzeit liefen mit der Deutschen Bahn Gespräche über eine weitere Kleinserie, verrät Dr. Ulrich Sigmund.

Bruder führt Sigmunds Werk fort

Der 67-jährige Allgemeinmediziner aus Esslingen bei Stuttgart hat nach dem überraschenden Tod seines Bruders Prof. Dr. Dr. Ernst Sigmund im Februar die Geschäftsführung der Wankel Supertec übernommen und hält jetzt die große Mehrheit der Firmenanteile.

Als langjähriger Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) hatte sich der Physiker Ernst Sigmund in der Lausitz große Anerkennung erworben und nach Gründung seines Unternehmens auch vielfältige Kooperationen mit BTU-Lehrstühlen aufgebaut. Ulrich Sigmund betont, es sei ihm ein Bedürfnis, die Vision seines Bruders, mit der WST Wankelmotoren für viele Einsatzzwecke zu entwickeln, weiter zu verfolgen. Er habe sich rasch dazu entschlossen, denn schon im März brauchten Delegationen aus chinesischen und koreanischen Unternehmen, die zur WST in die Lausitz kamen, einen klaren Ansprechpartner.

Der neue Geschäftsführer setzt auf ein eingespieltes Team hervorragender Techniker und Entwicklungsingenieure. Allein schon wegen dieser Fachleute sei die Zukunft der Wankel Supertec eng an Cottbus geknüpft, betont Sigmund. In Esslingen hat er bereits eine Nachfolgerin gefunden, die im nächsten Jahr seine Arztpraxis übernehmen wird. Er kann dann seine Aufenthalte in der Lausitz beträchtlich ausdehnen.

Außerdem macht sein Sohn Philipp an der BTU seinen Maschinenbau-Master. Der Junior bemühe sich um einen baldigen Einstieg in das Cottbuser Familienunternehmen, erzählt Sigmund.

Einst galt der Wankelmotor als Schluckspecht. Das war ein Grund, weshalb er sich in der Autoindustrie nicht durchsetzte. In Deutschland fand der von 1967 bis 1977 bei Audi NSU hergestellte Ro 80 keinen Nachfolger, nur Mazda blieb dem Wankel treu und will 2017 nach einigen Jahren Pause wieder einen Sportwagen mit Kreiskolbenmotor herausbringen.

Auch die WST-Ingenieure sind sicher, dass ihr Motor in die Zeit passt und wegen seiner kompakten Form bei vielen Anwendungen sogar die Nase vorn hat. Sigmund betont: "Unser Wankel ist kein Schluckspecht, er ist in der Lage, mit modernen Hubkolbenmotoren zu konkurrieren." Aber er hat diesen etwas Entscheidendes voraus: Er ist ein "Allesfresser", der für Diesel, Benzin, Erd-, Flüssig- oder Biogas und sogar Wasserstoff ausgelegt werden kann.

Ursprünglich wurde der WST-Wankel speziell für den Einsatz von Dieselkraftstoff entwickelt. Allerdings erreicht ein Wankelmotor nicht die zum Zünden nötige hohe Verdichtung eines Hubkolben-Dieselmotors. Deshalb haben ihn die Konstrukteure mit Zündkerzen ausgestattet. Gerade dieses Prinzip ermöglicht nun die Verwendung auch all der anderen Kraftstoffe.

Interesse in USA und Asien

Zu den Kunden von WST gehört der US-Konzern L3 Communications, der schon vor Jahren eine Lizenz und einen Prototyp erhalten hat. Er will unter Einsatz des Motors für die US-Armee noch kompaktere, leichtere und leise Stromaggregate bauen und hat die Cottbuser mit den entsprechenden Entwicklungsarbeiten zur Anpassung des Wankels an die spezielle Aufgabe beauftragt. Ein weiterer wichtiger Kunde ist die Holding LML Korea. Sie hat 2012 ein in Cottbus zusammengebautes Geländefahrzeug "Rhino" bekommen. Es wird elektrisch angetrieben, aber ein Wankelmotor dient als Range Extender zur Stromerzeugung. Die Koreaner hatten angekündigt, den WST-Motor in Serie zu bauen. Das Projekt hat sich verzögert, mittlerweile soll aber koreanischen Angaben zufolge eine Halle errichtet worden sein. Die Lausitzer haben neue Angebote für verschiedene Projekte der Südkoreaner unterbreitet.

Neu ist das Interesse am Wankelmotor in China. Sigmund berichtet von drei chinesischen Unternehmen, die einen Einsatz als Range Extender, also als Stromerzeuger für einen elektrischen Hauptantrieb, prüfen. Namen nennt er nicht, das sei noch zu früh. Auf jeden Fall dürfte wieder Entwicklungsarbeit erforderlich sein, denn "eine Firma will einen ganz kleinen Motor mit nur ein bis zwei Kilowatt Leistung und nicht mehr als sechs Kilogramm Gewicht". Ebenfalls namenlos bleiben noch die Partner, mit denen Gespräche laufen zur Nutzung des Wankelmotors als Antrieb für kleine Blockheizkraftwerke (BHKW), die Strom und Wärme erzeugen. Die WST nutzt solch ein BHKW bereits in Cottbus. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist der Einsatz des Wankels für Feuerwehr-Hochleistungspumpen. Die Erprobung läuft derzeit im Erzgebirge.

Zum Thema:
Die Wankel Supertec GmbH wurde im Jahr 2006 gegründet. Sie hat einschließlich der Tochterfirma MAG 25 Beschäftigte. Ein wichtiger industrieller Partner ist der Generatorhersteller L-3 Magnetmotor in Starnberg (Bayern). rbt1