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| 15:14 Uhr

König Joffrey kommt zum Festival
Cottbuser Elbenwald holt Game-of-Thrones-Stars nach Deutschland

 Der irische Schauspieler Jack Gleeson spielte in Game of Thrones Joffrey Baratheon und kommt an diesem Wochenende zum Elbenwald-Festival.
Der irische Schauspieler Jack Gleeson spielte in Game of Thrones Joffrey Baratheon und kommt an diesem Wochenende zum Elbenwald-Festival. FOTO: Home Box Office
Cottbus. Vom Onlinehandel zum Festival-Veranstalter: Elbenwald-Geschäftsführer Dirk Wiedenhaupt ist sich sicher, dass man im Leben einfach mal was wagen muss. Von Josephine Japke

Als alles anfing, packte jeder der drei Elbenwald-Gründer 500 DM in einen Topf und hoffte auf das Beste. Heute, etwa 20 Jahre später, macht das Geschäft mit Nerd-Artikeln von Harry Potter, Herr der Ringe und Star Wars 38 Millionen Euro Umsatz. Geschäftsführer Dirk Wiedenhaupt (43) spricht im Interview über Probleme mit dem Cottbuser Standort, das Elbenwald-Festival und das Glück, Fehler gemacht zu haben.

Herr Wiedenhaupt, fangen wir mit der wichtigsten und zugleich einfachsten Frage an: Welches Hogwarts-Haus sind Sie?

Dirk Wiedenhaupt Ich bin Gryffindor. Das passt sogar ganz gut. Zu Schulzeiten wäre ich tendenziell eher Ravenclaw gewesen, weil ich da ein paar Streber-Züge hatte. Aber inzwischen hat sich bei mir das Familiäre verändert. Ich fühle mich bei Gryffindor ganz wohl, das passt schon.

 Auch so kann ein Festival sein. Andächtig lauschen die Besucher dem  Pilsen Philharmonic Orchestra, das bekannte Filmmusiken spielte.
Auch so kann ein Festival sein. Andächtig lauschen die Besucher dem Pilsen Philharmonic Orchestra, das bekannte Filmmusiken spielte. FOTO: Ilona Henne

Muss man, ehe man bei Elbenwald anfängt zu arbeiten, einen Nerd-Test absolvieren?

Dirk Wiedenhaupt So eigentlich nicht. Aber in den Vorstellungsgesprächen klopfen wir durchaus ab, was da für ein Mensch sitzt. Was ich da versuche herauszufinden ist, ob derjenige sich für irgendein Fandom begeistern kann. Das muss noch nicht einmal etwas mit unseren Themen zu tun haben. Mir ist eher wichtig, dass unsere die Kunden verstehen können. Wenn man Hardcore-Fußballfan ist oder Zigarren-Ringe sammelt, dann kann man das auch verstehen, dass jemand richtig großer Harry Potter oder „World of Warcraft“ Fan ist. Dann belächelt man den nicht.

 Neben all der Feierei kann man sich im Elbenwald auch sportlich betätigen: Beim Quidditch müssen Bälle durch drei Ringe geworfen werfen - während man auf dem Besen fliegt.
Neben all der Feierei kann man sich im Elbenwald auch sportlich betätigen: Beim Quidditch müssen Bälle durch drei Ringe geworfen werfen - während man auf dem Besen fliegt. FOTO: Elbenwald / Kirsten Otto

Gibt es ein Fandom, das in den Verkaufs-Statistiken vorne liegt?

Dirk Wiedenhaupt Das hat man immer, das verändert sich zeitlich aber stark. Bei vielen Themen hat man ein gewisses Grundrauschen, das über Jahre recht stabil ist, so wie bei Harry Potter und Herr der Ringe. Wenn ein Film rauskommt, so wie in diesem Jahr die Avengers oder rund um Weihnachten, steigen die Verkaufszahlen sprunghaft an. In diesem Jahr war auch Game of Thrones ganz stark.

Marvel hat ja erst vor kurzem die Starttermine für die kommenden Filme und Serien veröffentlicht. Gucken Sie jetzt schon, welche Tassen und T-Shirts man in drei Jahren rausbringen könnte?

Dirk Wiedenhaupt In jedem Fall, ja. Wir wissen an vielen Stellen schon eine ganze Menge über die Filme, auch wenn die noch nicht draußen sind. Wir sind Lizenznehmer von HBO, Disney und Warner, da kriegen wir genaue Redaktionspläne. Gerade Disney, zu denen mittlerweile ja auch Star Wars gehört, plant lange im Voraus. Wir wissen also jetzt schon relativ genau, welche Themen und Charaktere in den nächsten zehn Jahren wichtig werden und was passieren wird.

Der Anfang Ihres Unternehmens liegt bei Herr der Ringe. Was ist die Geschichte von Elbenwald?

Dirk Wiedenhaupt Es ist aus Langeweile entstanden. Wir waren Studenten und hatten nix zu tun. Wir hatten damals ganz neu einen Internetanschluss bekommen und das war was Besonderes. Da haben wir rumprogrammiert und Webseiten erstellt – was man als Student eben so macht. Damals, so 1996/97 war ja alles neu, da gab es noch kein Amazon und kein Google. Irgendwann haben wir überlegt, selber einen Onlineshop aufzubauen, nur aus Spaß an der Freude. Wir hatten keinen Businessplan im Kopf, aber auf technischer Ebene war das Interesse da. Alex schlug dann vor, dass wir einfach was zu Herr der Ringe machen können.

 Was braucht man, um überhaupt an der Zaubererschule Hogwarts starten zu können? Richtig, Zauberstäbe. Und die können im Elbenwald bei verschiedenen Workshops selbst gebastelt werden.
Was braucht man, um überhaupt an der Zaubererschule Hogwarts starten zu können? Richtig, Zauberstäbe. Und die können im Elbenwald bei verschiedenen Workshops selbst gebastelt werden. FOTO: Elbenwald / Kirsten Otto

Und dann setzt man sich hin und bemalt Beutel und T-Shirts, oder wie kann man sich das vorstellen?

Dirk Wiedenhaupt Absolut, wirklich! Ich kann mich daran erinnern, wie wir in Berlin auf einer Wiese saßen und überlegt haben, was wir verkaufen können. Na klar, T-Shirts. Aber was macht man da rauf? Irgendwas mit Orks und dem Ring. Das war auf total niedrigem Niveau. Wir haben unser Geld zusammengeschmissen, jeder hat 500 DM in einen Pott gepackt und damit ging es los.

Dann ist das Ganze zu einem Selbstläufer geworden?

Dirk Wiedenhaupt Im ersten Jahr hatten wir 800 DM Umsatz und für uns als Studenten war das natürlich klasse, das war die richtig dicke Kohle damals. Dann kam die Ankündigung, dass Herr der Ringe 2001 in die Kinos kommt. Als wir damit 1999 angefangen haben, war uns das ja gar nicht klar. Und dann wurde das tatsächlich zum Selbstläufer. Das lief alles vom Studentenwohnheim aus. Wir hatten einen großen Schrank, wo alle unsere Sachen drin gestapelt waren und das haben wir jeden Tag zur Post gebracht.

Welchen Herausforderungen sieht man sich gegenüber gestellt, wenn man versucht, in dem Business zu starten?

Dirk Wiedenhaupt Wir haben unglaublich viele Fehler gemacht. „Erfahrung ist immer die Summe der überlebten Fehler“, sagt man ja gerne. Unser allererster großer Fehler war, dass wir keine Ahnung vom Lizenzrecht hatten. Wir haben am Anfang unlizenzierte Ringe verkauft, weil wir es nicht besser wussten. Bis dann irgendwann ein Anwaltsschreiben von Warner eintrudelte mit 50 000 Euro Strafe und da kriegt man erstmal Panik. Aber es ist etwas Positives daraus entstanden, weil wir zum Glück das Gespräch suchen konnten. Sie hatten selbst ein riesiges Interesse daran, ihre Themen und Produkte zu vermarkten. Seitdem haben wir einen Lizenzvertrag, was wir sonst, ohne diesen Fehler, nicht bekommen hätten.

Aber das ist nicht der Aufruf, dass man einfach die Regeln brechen und aufs Beste hoffen soll, oder?

Dirk Wiedenhaupt Nein, um Gottes Willen! Hätten wir damals keine vernünftigen Leute bei Warner sitzen gehabt, wäre das unser Aus gewesen.

Habt ihr beim Aufbau von Elbenwald auch Unterstützung von der Stadt bekommen?

Dirk Wiedenhaupt Später ja. Da wir am Anfang keine Ahnung hatten, wussten wir nicht, dass es diese Unterstützung von Anfang an gegeben hätte. Heutzutage gibt es einen Gründer-Service an der BTU und „Zukunft Lausitz“. Wir hatten damals keinen Plan und sind von einer Ecke zur anderen gestolpert. Inzwischen gehören wir in der Region zu den fünf großen Arbeitgebern, neben Uni, Krankenhaus und Leag. Da ist es schon so, dass wir auch gefragt werden, Kontakte haben und Leute kennen. Als wir letztes Jahr unsere neue Lagerhalle hier gebaut haben, war die Unterstützung von der Stadt sensationell. Innerhalb von einem halben Jahr stand die Halle.

Ihr habt alle an der BTU studiert. Welche Rolle spielt Cottbus für euch?

Dirk Wiedenhaupt Inzwischen eine sehr große. Am Anfang war der Standort einfach zufällig. Wir haben zwar an der BTU studiert, kamen aber nicht von hier und hatten hier auch keine Familie. Wir haben uns am Anfang mit der Stadt auch sehr schwer getan. Zu Studiumzeiten, das ist schon ewig her, da war die Stadt wirklich hässlich. Inzwischen ist es einfach mein Zuhause. Ich bin Berliner, aber ich würde auch nicht wieder zurück wollen. Jetzt macht man sich auch Gedanken, wie es mit der Region weitergeht und was man selbst tun kann. Vor zwei, drei Jahren mussten wir von der Logistik her wachsen und haben darüber nachgedacht, ob wir komplett weggehen. Wir haben Pro und Contra abgewogen und festgestellt, dass das hier ein super Standort ist.

 Tom Felton taugt nicht nur super gut als Bösewicht bei Harry Potter in der Rolle des Draco Malfoy, sondern auch als Musiker.
Tom Felton taugt nicht nur super gut als Bösewicht bei Harry Potter in der Rolle des Draco Malfoy, sondern auch als Musiker. FOTO: Elbenwald / Kirsten Otto

So ein klares Bekenntnis zu Cottbus ist momentanen eher selten. Das Image der Stadt leidet sehr, oder?

Dirk Wiedenhaupt Das ist auch ein krasses Problem für uns als Geschäftsführer. Bei uns arbeiten knapp 200 Leute am Standort, ein Großteil davon in der Logistik. Dazu kommen Informatiker, Marketingleute, Grafiker und Fotografen. Unser Einkauf und Kundenservice sitzt ebenfalls hier. Dazu kommen Leute, die in den Filialen einen super Job machen und die wir deshalb gerne bei uns in der Zentrale haben wollen. Die zu überreden, nach Cottbus zu kommen, ist aber schwer und da spielt das Image der Stadt eine große Rolle. Sobald aufkommt, dass Cottbus eine AfD-Hochburg ist, wird es schwierig und wir hatten schon Kollegen, die deshalb auch wieder weggezogen sind, die Migrationshintergrund haben und auf der Straße angepöbelt wurden. Das ist Mist und da muss man was tun.

Dennoch habt ihr beschlossen, dass ihr hier bleiben wollt?

Dirk Wiedenhaupt Na klar! Man kann ja nicht immer einfach die Segel streichen. Zumal die Stadt ja das Potenzial hat und nicht so schlecht ist wie ihr Ruf. Wir haben hier eine Uni, die unglaublich weltoffen ist und das sieht man auch bei den AfD-Gegendemonstrationen. Da sind tolle Leute unterwegs und es gibt viele tolle Projekte in der Stadt. Man kommt natürlich ins Grübeln, wenn man darüber nachdenkt, dass jeder Dritte, dem man in der Stadt begegnet, die AfD gewählt hat. Aber man muss dann auch sagen „Jetzt erst recht!“. Wir haben vielleicht auch eine gewisse Verantwortung, denn wir sind nun mal der Elbenwald. Bei uns ging es immer um Freundschaft und Zusammenhalt und positive Themen. Da geht es immer um Gut gegen Böse. Unser Leben ist nichts anderes und deshalb wollen wir von hier nicht weggehen.

Den Laden in Cottbus habt ihr aber erst sehr spät eröffnet. Warum?

Dirk Wiedenhaupt Da müssen wir natürlich als Kaufleute agieren und sagen, dass es sinnvoller ist, Läden zuerst in den anderen Ballungszentren zu machen. Wir sind immer gedrängelt worden, einen Laden in Cottbus aufzumachen, weil das natürlich nahe liegt. Erst jetzt kam dann doch der Lokalpatriotismus durch. Man muss jetzt aber auch sagen, dass wir positiv überrascht sind. Es war eine Fehlentscheidung, den Laden nicht früher aufzumachen. Der funktioniert super in der Spremberger Straße.

Ihr seid ein Online-Handel, habt mittlerweile 36 Läden und macht jetzt auch noch ein Festival. Warum?

Dirk Wiedenhaupt Das Ding ist ja eigentlich schon alt, nur dass es früher eben Elbenwald-Spektakel hieß und eine reine Kunden-Veranstaltung war. Jetzt hatten wir wieder Lust auf eine größere Veranstaltung, die es so mit diesem Konzept in Europa nicht gibt. Es ist ein Mix aus dem besonderem Festival-Feeling inklusive der Musik und hochkarätigen Schauspielern. Im letzten Jahr hat Hodor aus Game of Thrones aufgelegt und Draco Malfoy aus Harry Potter stand auf der Bühne, das war großartig.

 Kristian Nairn kennt man aus der Kult-Serie "Game Of Thrones", wo er viele Jahre den Hodor verkörperte. Nebenberuflich ist der Ire auch DJ.
Kristian Nairn kennt man aus der Kult-Serie "Game Of Thrones", wo er viele Jahre den Hodor verkörperte. Nebenberuflich ist der Ire auch DJ. FOTO: Elbenwald / Tobias Kästner

Ihr habt mit der ersten Auflage des Festivals im letzten Jahr allerdings Miese gemacht. Warum macht ihr es jetzt nochmal?

Dirk Wiedenhaupt Naja, was heißt Miese? Es ist eine Veranstaltung, die nicht darauf ausgelegt ist, damit Geld zu verdienen. Wenn man reiner Festival-Veranstalter ist, ist das sicher anders. Klar muss sich das für uns auch selber tragen und selber rechnen. Aber wir sind nicht darauf aus, damit Profit zu machen. Das Festival ist schon eine teure Kiste, vor allem die Schauspieler kosten viel Geld. Wenn da eine rote Null rauskommt, ist es trotzdem toll. Es geht nicht um den monetären, sondern den emotionalen Wert.

Was ist Ihr Highlight auf dem Elbenwald-Festival 2019?

Dirk Wiedenhaupt Forzarello, über die freue ich mich jedes Mal. Das ist eine Gaukler-Truppe, die man unbedingt mal gesehen haben muss. Auf die Musik freue ich mich ebenfalls. Schandmaul habe ich lange nicht mehr gesehen und die waren vor Jahren mal eine unfassbar gute Live-Band. Der Zauberer-Workshop war letztes Jahr echt genial, das hat allen total viel Spaß gemacht. Wir haben das dieses Jahr sogar ausgeweitet. Die Lesungen sind auch echt toll, da haben wir mit Kai Meyer wieder echt gute Leute am Start.

Was für eine Altersgruppe kommt überhaupt zum Elbenwald-Festival?

Dirk Wiedenhaupt Die sind unglaublich jung. Der Schwerpunkt sind die knapp unter 20-Jährigen. Das war für uns auch eine Überraschung und ist eine Herausforderung. Für viele ist es das erste Festival und darauf müssen wir uns auch als Veranstalter einstellen.

Wenn die Zielgruppe so jung ist, wird Bier vermutlich nur wenig verkauft, oder?

Dirk Wiedenhaupt Das geht gen 0. Wir haben letztes Jahr, wenn überhaupt, ein Fass Bier verkauft und das waren vermutlich die ganzen Väter, die mit ihren Kindern dort waren und aufpassen mussten. Aber dafür geht Wasser und Apfelschorle total gut. Wir sind ein total untypisches Festival, aber das macht es auch so schön.

 Elbenwald-Gründer Dirk Wiedenhaupt (43)
Elbenwald-Gründer Dirk Wiedenhaupt (43) FOTO: Michael Helbig/mih1