Bald könnte es Kunden überall so gehen wie bisher bei Thalia: In den 300 deutschen Filialen der Buchhandelskette werden die Kunden schon seit Tagen aufgefordert, mit der Karte zu bezahlen statt mit Bargeld.

Dies sei „rein präventiv“ geschehen, sagt eine Sprecherin. Die Mitarbeiter sollten „möglichst wenige Geldscheine in die Hand nehmen“. Der Virologe René Gottschalk aus Frankfurt am Main gibt aber Entwarnung. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Können Corona-Erreger auf Geldscheinen oder Münzen überleben?

Die Ergebnisse einer Forschungsreihe von US-Wissenschaftlern legen diese Vermutung nahe. Auf Pappe sei das neuartige Corona-Virus Sars-CoV-2 etwa einen Tag lang lebensfähig und auf Kupferoberflächen bis zu vier Stunden, schrieben sie im „New England Journal of Medicine“. Münzen und Scheine untersuchten sie jedoch nicht.

Dennoch halten Virologen eine Corona-Übertragung durch Bargeld für unwahrscheinlich. Warum?

Weil Corona wie die Influenza per Tröpcheninfektion übertragen wird, also durch Husten und Niesen, im Extremfall auch durch Sprechen, betont der Frankfurter Virologe Gottschalk. Beim Noro-Virus, dem Auslöser von Magen-Darm-Krankheiten, sei das anders. „Der kann sich übertragen, wenn man eine Türklinke anfasst oder einen Aufzugsknopf.“ Eine Übertragung des Corona-Virus auf diese Weise hält der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts für „extrem unwahrscheinlich“.

Für ihn steht fest: „Wenn bei Corona tatsächlich eine solche Schmierinfektion möglich wäre, wäre die Kurve der Krankenzahlen viel steiler.“ Charité-Virologe Christian Drosten teilt diese Einschätzung. Das Corona-Virus sei „extrem empfindlich für Eintrocknung“, sagt er. Deshalb sei es so gut wie ausgeschlossen, Viren in ausreichender Zahl zusammenkommen, damit sich ein Mensch durch das Berühren einer Oberfläche infiziert.

China hat Bargeld gereinigt. Mit welchem Erfolg?

Dass die flacher werdende Kurve der Neuerkrankungen ausgerechnet mit der Desinfektion von Geldscheinen zusammenhängt, ist sehr unwahrscheinlich. Virologe Gottschalk hält es für „völlig überzogen“, dass Chinas Notenbank alle Finanzinstitute des Landes dazu aufforderte, Geldscheine mittels Ultraviolettstrahlung virenfrei zu bekommen. Genau so bewertet er die Aktion der amerikanischen Zentralbank Fed, für Geldscheine aus Asien eine Art Quarantäne zu verhängen.

Was sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO?

Deren Fachleute scheinen sich nicht so ganz einig zu sein. Während es zunächst hieß, die Verwendung von Bargeld sei zu minimieren, weil es an der Verbreitung des Virus beteiligt sein könne, teilte man später mit, dass es für eine Corona-Übertragung keinen Beweis gebe. Das deckt sich mit der Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung, die wegen der „geringen Stabilität der Corona-Viren in der Umwelt“ keine Gefahr durch Schmierinfektionen über Bargeld erkennt.

Warum sind Geldscheine überhaupt solche Virenfänger?

Weil sie tausendfach von Hand zu Hand gehen. Bis zu 3000 Arten von Bakterien und Viren haben Forscher des biomedizinischen und pharmazeutischen Instituts Nürnberg auf Bargeld festgestellt – eine bunte Mischung aus Fäkalkeimen, Pilzen und Krankheitserregern, die allerdings nur schwach ausgeprägt und für den Menschen weitgehend ungefährlich sind. Hinzu kommt: Die Hosentasche mit dem warmen Geldbeutel ist für Bakterien und Viren ein wahres Paradies.

Ist es also besser, mit der Karte zu zahlen?

Nur beim kontaktlosen Bezahlen mit der Karte werden keinerlei Viren oder Bakterien übertragen. Sobald nämlich Kunden an der Kasse eine Geheimzahl eingeben, müssen sie die Tasten berühren und haben damit ein ähnliches Problem wie beim Griff in die Geldbörse. Deshalb gilt immer der Rat, sich häufig und intensiv die Hände zu waschen.

Viele Bundesbürger stören sich gar nicht an virenbelasteten Geldscheinen. In der aktuellen Corona-Krise möchten sie im Gegenteil möglichst viel Bargeld horten. Ist die Bundesbank darauf vorbereitet?

Laut Bundesbank Vorstandsmitglied Johannes Beermann braucht sich niemand zu sorgen. „Wir haben weit mehr Geld gedruckt und in unseren Tresoren liegen, als wir brauchen“, versicherte er. „Die Bargeldversorgung ist sichergestellt.“