Bei Stephan Huber soll es keine Kurzarbeit geben. Ihm und seinen Mitarbeitern im Gesundheitszentrum Alter Bahnhof bringe das wenig: „Wir sind hier nicht gerade im Hochlohnsektor“, sagt der 39-jährige Unternehmer. „Wenn meine Mitarbeiter nur 60 Prozent ihres Geldes bekommen, dann kommen sie privat in finanzielle Schwierigkeiten.“

Drei Studios betreibt Huber in Großräschen, Finsterwalde und Schwarzheide. In den nächsten fünf Wochen wird dort wegen der Corona-Krise nichts laufen, hat er vor wenigen Tagen beschlossen: Bis 19. April gehen in seinen Läden die Lichter aus.

Daraus ergeben sich viele Fragen. 3000 Kunden müssen informiert werden. Viele rufen an und wollen wissen, was mit ihren Mitgliedsbeiträgen wird, wenn es keine Kurse gibt. Huber will seinen treuen Kunden keine Kosten aufbürden, ohne dass sie kommen können. Trotzdem laufen für ihn alle Kosten weiter. Wenn es ganz schlimm kommt, kann Corona Hubers zehn Jahre altem Unternehmen den Rücken brechen.

Hilfsprogramme gehen an kleinen Lausitzer Firmen vorbei

Gerade für kleine Unternehmer ist die Lahmlegung des öffentlichen Lebens zum Schutz vor dem Virus ein großes Risiko. Viele Maßnahmen, mit denen die Politik die Folgen von fünf Wochen Flaute abmildern will, gehen an Betrieben vorbei, die nur ein paar Mitarbeiter haben. Zwar hat die Bundesregierung Hilfsprogramme für Unternehmen aufgelegt – wie das erleichterte Kurzarbeitergeld. Auch die Länder bieten Unterstützung. Spezielle Förderbanken bieten Kreditprogramme, um Firmen trotz Umsatzausfalls zahlungsfähig zu halten.

Doch solche Programme richten sich nicht an Betriebe wie seinen, meint Huber, sondern an die mit großen Belegschaften und Betriebsräten. „Da wird mal wieder nur an die Großen gedacht“, sagt er. Sein Gesundheitsstudio hat 34 Mitarbeiter. Die will er nun allein durch die nächsten Wochen schleppen. Irgendwie. In dieser Krise fühlt er sich allein gelassen. So geht es vielen.

Freiberufler fordern Hilfe vom Staat

Besonders Freiberuflern, die von Honoraren leben. Patrick Paulick verdient sein Geld mit Hochzeiten, Firmenfeiern und Abiturbällen. Sein Veranstaltungsservice Projekt One in Klettwitz beschäftigt saisonal bis zu acht Mitarbeitern. Da lässt sich schwer planen für die nächsten Wochen – in denen eigentlich nicht gefeiert werden soll. „Es werden zwar viele Veranstaltungen abgesagt“, sagt er, „aber noch haben wir gut zu tun.“

Anderswo haben sich Freiberufler bereits zusammengeschlossen, um von der Politik Hilfe zu fordern, die auf sie zugeschnitten ist. Aufgrund ihrer Freiberuflichkeit „leben viele Künstler ohnehin am Rand des Existenzminimums“, heißt es in einer Online-Petition, die bereits mehr als 212 000 Unterstützer hat. „Durch die derzeitige massenhafte Absage von Veranstaltungen drohen sie über diesen Rand gestoßen zu werden.“ Sachsen bietet Freiberuflern an, Steuervorauszahlungen auszusetzen und auf Säumniszuschläge zu verzichten.

Der Bedarf nach Beratung zu Hilfe und Förderung ist übergroß. Bei den Industrie- und Handelskammern laufen die Telefone heiß. Laut aktueller Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) rechnet jedes zweite Unternehmen in Deutschland mit einem Umsatzrückgang infolge der Corona-Situation für dieses Jahr.

Unternehmer in der Lausitz haben Angst vor dem Rieseneinbruch

Denise Kropp trifft die Krise inmitten einer beruflichen Neufindung. Gerade jetzt wollte sich die 26-jährige Kosmetikerin mit einem neuen Studio in Finsterwalde selbstständig machen. Die Eröffnung musste nun erstmal verschoben werden. Dabei könnte es gut laufen, sagt Kropp. Noch besteht ein großes Interesse an Wimpernverlängerungen und Waxing. „Ich habe jede Menge Kundenanfragen“, sagt sie. „Bisher betrifft mich die Krise nicht wirklich.“

Dagegen ist das Gesundheitszentrum von Stephan Huber auf ganzer Linie betroffen. Er verhandelt nun mit Versorgern, um die laufenden Kosten für den Betrieb in Grenzen zu halten. Die Ruhe im Studio nutzt sein Team die nächsten Wochen, um Kursvideos aufzunehmen. Die stellt er den Mitgliedern zur Verfügung, als Extra-Service in der Krise.

Der Studiobetreiber setzt auf das Verständnis seiner Kunden. Denen bietet er Gratismonate an, damit sie nicht den vollen Beitrag zahlen müssen für die ungenutzten Wochen. „Eines ist klar“, sagt er, „wenn uns alle Kunden jetzt auf eine Schlag im Stich lassen, ist das für uns ein Rieseneinbruch.“

Info


Für konkrete Fragen zum Umgang mit den Auswirkungen der Corona-Krise hat die IHK Cottbus ein Krisenteam gebildet, das über Finanzierung und Förderung informiert. Das Team ist erreichbar unter der Nummer 0355 365-1111 sowie über hilfe@cottbus.ihk.de. Auch die Regionalcenter der IHK bleiben weiter telefonisch erreichbar.