Klaus-Peter Hansen beschönigt nichts. „Wir befinden uns in einer schwierigen Lage“, sagt der Chef der Sächsischen Arbeitsagentur. Er und seine Behörde täten alles, um die Beschäftigten gut durch die Krise zu führen, die gerade erst angefangen hat, betont der Behördenchef. Aber: „Es werden wohl viele Beschäftigte den Weg in die Arbeitslosigkeit gehen.“

Sachsens Wirtschaft ist kleinteilig. 95 Prozent der 112 000 Betriebe im Freistaat sind kleine und mittelständische Unternehmen, darunter auch viele Freiberufler. Ihnen will der Freistaat mit einem Sofortprogramm helfen. Darauf hat sich die schwarz-grün-rote Staatsregierung mit den Gewerkschaften und den Wirtschaftsverbänden geeinigt. „Die Situation ist teilweise dramatisch“, sagt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). „Wir wissen, dass viele Unternehmen nicht in der Lage sein werden, die aktuellen Ausfälle zu kompensieren.“

Sachsen stellt für kleine Betriebe passende Hilfen auf

Nach gut einer Woche, die das Land durch die Corona-Krise stillsteht, droht vielen Selbstständigen das Geld auszugehen. Zwar hat die Bundesregierung schnelle Hilfsmaßnahmen angekündigt, um die Folgen der fünfwöchigen Zwangspause abzumildern. Doch die Hilfen gehen vielen nicht weit genug. Kritisiert wird auch, die Maßnahmen wie das erleichterte Kurzarbeitergeld gingen an denen vorbei, die wirklich in Not sind: nämlich kleine Betriebe ohne Rücklagen für mehrere Wochen Flaute. Viel Kleinst- und Kleinunternehmen fallen dabei durchs Raster. „Wichtig sind Programme, die auch auf die Unternehmen in Sachsen passen“, sagte Dulig.

Sachen arbeitet deshalb an einem eigenen Sonderprogramm für kleine Unternehmen und Freiberufler mit bis zu fünf Beschäftigten. Die Anträge und sollen über die Sächsische Aufbaubank (SAB) angenommen werden – und sie sollen schnell greifen.

Vorgesehen ist ein zinsloses Darlehen von bis zu 50 000 Euro mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren. „Wir können nicht warten, bis der Bund reagiert, sondern wollen bereits jetzt in Vorleistung gehen“, betont Dulig. In der Woche ab dem 23. März soll das Programm an den Start gehen.

Die Brandenburger Landesregierung analysiert noch

Damit ist Sachsen schneller als Brandenburg, wo die Landesregierung derzeit noch die Lage analysiert. Ähnliche Programme seien in Arbeit, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Potsdam der RUNDSCHAU.

Auch die 6000 Beschäftigten der Sächsischen Arbeitsagentur haben auf Krisenmodus geschaltet. „Wir wollen in Sachsen vor allem den Lebensunterhalt der Menschen sichern“, sagt Agenturchef Hansen, „In erster Linie geht es um die Erhaltung der Arbeitsverträge der Menschen.“ Aber das wird nicht allen helfen.

Viele sächsische Beschäftigte werden sich in den nächsten Wochen arbeitslos melden, erwartet die Arbeitsagentur. Für sie gilt es, die Daseinsvorsorge zu sichern. „Das bedeutet Arbeitslosengeld für diejenigen, die nur geringfügig beschäftigt und solo-selbstständig sind.“

Dass zurzeit wieder von verbreiteter Arbeitslosigkeit die Rede ist, erinnert an 1990er-Jahre, als viele Betriebe in Ostdeutschland praktisch gleichzeitig schlossen. Die Lausitz war davon mehr betroffen als andere Regionen. Agenturchef Hansen sieht aber einen wichtigen Unterschied zu damals. „Wir haben als Behörde heute andere technische Möglichkeiten. Viele Services laufen heute online“. Zur Erleichterung für die Betroffenen „brauchen wir heute keinen physischen Kontakt mehr“. Der werde wegen des quasi Kontaktverbots wegen des Covid-19 ohnehin fast vollständig eingestellt.

Info


Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat ihre bestehenden Programme für Liquiditätshilfen ausgeweitet, um den Zugang der Unternehmen zu günstigen Krediten zu erleichtern. Dazu gehören der Unternehmerkredit für Bestandsunternehmen, der ERP-Gründerkredit-Universell für junge Unternehmen sowie der Kredit für Wachstum für größere Unternehmen. Für Freiberufler und Selbständige gelten dabei die gleichen Regeln wie für Unternehmen.

Darüber hinaus führt die KfW ein Sonderprogramm mit erhöhter Risikotoleranz ein. Dieses richtet sich an Unternehmen, die durch die Corona-Krise in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind.