ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:09 Uhr

Technik für die Zukunft
CO2-Abscheidung für die Klimarettung?

 Das weltweit erste CCS-Pilotkraftwerk – eine kleine Versuchsanlage – war tatsächlich vor mehr als zehn Jahren in Schwarze Pumpe, in der Lausitz, gebaut worden.
Das weltweit erste CCS-Pilotkraftwerk – eine kleine Versuchsanlage – war tatsächlich vor mehr als zehn Jahren in Schwarze Pumpe, in der Lausitz, gebaut worden. FOTO: -
Cottbus. Die Lausitz war einst ganz vorne, als es um eine Zukunftstechnologie ging, die ganz plötzlich keine Zukunft mehr haben sollte. Jetzt könnte die abrupt abgebrochene CCS-Debatte aber doch wieder richtig in Schwung kommen. Von Jan Siegel

Die Nachricht, dass Wissenschaftler unter Leitung des Kieler Helmholtz-Zentrums einigermaßen erfolgreich an der Speicherung von CO2 unter dem Meeresboden forschen, dürfte bei einigen Fachleuten in Südbrandenburg für große Aufmerksamkeit sorgen. Es ist nämlich noch nicht allzu lange her, dass die Abscheidung des klimaschädlichen Gases im Lausitzer Großkraftwerk Jänschwalde nicht nur experimentell, sondern großtechnisch umgesetzt werden sollte.

Vor etwa zehn Jahren hatte das schwedische Energieunternehmen Vattenfall angekündigt, die horrende Summe von 1,5 Milliarden Euro in eine Anlage zur CO2-Abscheidung zu investieren. Mit der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) sollte Kohlendioxid abgeschieden und schließlich beispielsweise in tiefen Gesteins- oder Salzwasserschichten gelagert werden. Doch die geplante unterirdische Speicherung des Klimagases sorgte für einen Sturm des Widerstandes in den potenziellen Speicherregionen beispielsweise im Osten und Norden Brandenburgs. Ende des Jahres 2011 wurde das ehrgeizige Milliarden-Projekt in der Lausitz schließlich beerdigt. Da war bereits ein Bundesgesetz in Vorbereitung, das den damaligen Ideen im Sommer 2012 schließlich faktisch einen Todesstoß versetzte. Das Gesetz legte die Zulassung der CO2-Speicherung nämlich in die Hand der Bundesländer.

Von der Länderklausel haben recht schnell die Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein Gebrauch gemacht und die Kohlendioxidspeicherung für ihr Landesgebiet vollumfänglich ausgeschlossen. Der Landtag Brandenburg hat sich gegen eine Speicherung von CO2 ausgesprochen, „solange es keine bundeseinheitlichen Regelungen gibt“.

Vor drei Wochen aber sorgte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Petersberger Klimadialog für Aufmerksamkeit, als sie forderte, dass Deutschland bis zum Jahr 2050 netto keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausstoßen solle.

„Das kann man jedoch nach meiner festen Überzeugung nur schaffen, wenn man bereit ist, Kohlendioxid zu speichern“, legte die Kanzlerin kurz danach in einem Interview für die Süddeutsche Zeitung nach.

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat sich inzwischen öffentlich dafür ausgesprochen, die Chancen von CCS für den Klimaschutz neu zu bewerten. Auch sie glaubt, dass die Alternativen zur reinen CO2-Speicherung noch unzureichend erforscht sind.

Unter Berücksichtigung der von der Bundesregierung unterschriebenen Klimaziele von Paris könnte der Weiterentwicklung der CCS-Technologie eine neue, viel größere Bedeutung zukommen. Schließlich geht es inzwischen nicht nur um Kohlekraftwerke, sondern auch andere großindustrielle Prozesse. Unter diesem Aspekt könnte in die CCS-Forschung tatsächlich eine neue Dynamik kommen.

 Ulrich Freese, SPD-Bundestagsabgeordneter aus der Lausitz.
Ulrich Freese, SPD-Bundestagsabgeordneter aus der Lausitz. FOTO: M. Behnke

„Wir werden nicht daran vorbeikommen, in Deutschland darüber neu nachzudenken, was wir mit abgeschiedenem CO2 aus industriellen Prozessen machen sollen“, sagt Ulrich Freese, sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter aus der Lausitz. Stoffliche Verwertung werde nicht reichen. Freese plädiert deshalb dafür, in Deutschland weiter an Modellen für zukunftsweisende CCS-Technik zu forschen. Das sei ein echter Beitrag für den Umweltschutz. Vor allem, wenn man berücksichtige, dass weltweit pro Jahr noch immer rund sieben Milliarden Tonnen Kohle gefördert und verstromt würden.