Die Ausschreibung umfasst 10 400 Kilogramm Cannabis, verteilt auf vier Jahre mit jeweils 2600 Kilogramm. „Bei der Festlegung der Ausschreibungsmenge musste auch berücksichtigt werden, dass Hersteller, Händler und Apotheken medizinisches Cannabis künftig nicht ausschließlich bei der Cannabisagentur, sondern weiterhin auch bei Importeuren kaufen können“, betont Maik Pommer, Sprecher des BfArM.

Die Zuschlagserteilung soll im zweiten Quartal 2019 erfolgen. Das BfArM erwarte dann die erste Ernte für das vierte Quartal 2020. Der Anbau in Deutschland soll zur Versorgung schwer kranker Patientinnen und Patienten beitragen. Derzeit werde Cannabis aus dem Ausland importiert. Der Import soll auch künftig möglich sein.

1000 Kilogramm pro Jahr/Bieter

Mit der Aufteilung in 13 Lose zu je 200 Kilogramm Jahresmenge sollte eine Beteiligung auch von kleineren Unternehmen erreicht und zugleich im Sinne der Patientenversorgung das Ausfallrisiko vermindert werden. Ein Bieter kann maximal für fünf Lose einen Zuschlag erhalten. Insgesamt haben die 79 Bieter oder Bietergemeinschaften 817 Angebote für die 13 Lose abgegeben.

Unter den 79 Bietern befindet sich auch die ABcann Germany GmbH. Sie ist eine Tochter der kanadischen ABcann Medicinals Inc. und wurde im Februar 2017 mit Sitz in Schönefeld bei Berlin gegründet. „Von den 13 Losen können auf einen Bieter maximal fünf Lose entfallen. Das entspräche einer maximalen Menge von einer Tonne pro Jahr“, erklärt Raffael Sturm, Prokurist bei ABcann Germany, auf Nachfrage.

Produktion in der Lausitz

Um diese Menge von Cannabis produzieren zu können, soll eigens eine moderne Produktionshalle gebaut werden – und zwar in der Lausitz. Wo genau, darüber herrsche noch Stillschweigen, betont Raffael Sturm, der aber dann doch ein paar Details verrät.

Seit 2016 stünde ABcann Germany bereits mit der Kommune das geplanten Standortes in Kontakt. Rund 50 Arbeitsplätze sollen mit dem Bau der 8 x 107,5 Quadratmeter großen Produktionsstätte entstehen. Man habe eine Überkapazität mit eingeplant und hätte auch auf dem Grundstück noch genügend Platz für eventuell notwendige Erweiterungen.

Über die Größe des Investitionsvolumens, möchte der Prokurist noch nichts sagen. Es würden aber keine 40 Millionen Euro sein, wie ein nicht mehr bei ABcann beschäftigter früherer Geschäftsführer 2017 gegenüber der RUNDSCHAU angekündigt hatte. Sobald man den Zuschlag seitens des BfArM erhalten habe, könne mit dem Bau begonnen werden. Die Planungen seien dafür alle erledigt.

Kooperation mit BTU denkbar

2017 war auch von einer Kooperation mit der BTU Cottbus-Senftenberg die Rede. Was ist daraus geworden? „Im Rahmen eines ersten Bieterverfahrens hatte es seitens ABcann eine entsprechende Absichtserklärung bezüglich einer Zusammenarbeit mit der BTU gegeben. Wir prüfen jetzt, ob wir das reaktivieren können. Es gebe ja da tolle Möglichkeiten für Studenten“, sagt Raffael Sturm.

„Im Ausschreibungsverfahren wurden mehr als 200 Bieterfragen gestellt. Diese führten, wie auch in anderen Vergabeverfahren üblich, zu Klarstellungen und damit zu einer Anpassung der Angebotsfrist um insgesamt sieben Wochen. Ein Nachprüfungsantrag eines Bieters wurde von der Vergabekammer des Bundes zurückgewiesen. Da der Bieter gegen diese Entscheidung der Vergabekammer klagt, ist für den 10. April dieses Jahres ein Verfahren beim Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf terminiert. Die Zuschlagserteilung im Vergabeverfahren kann insofern nicht vorher erfolgen“, erläutert BfArM-Sprecher Pommer.

Zuschlag nach OLG-Verfahren

Das Ausschreibungsverfahren hatte sich bereits länger hingezogen, als vorgesehen. Eine erste Ausschreibung hatte das BfArM nämlich aufheben müssen. Das OLG Düsseldorf hatte die Auffassung eines Unternehmens bestätigt, die verbleibende Frist sei nach einer Änderung des Verfahrens nicht mehr ausreichend gewesen. Mit Blick auf die Entwicklung der Patientenzahlen wurde die Gesamtmenge der aktuellen Ausschreibung gegenüber der ersten Ausschreibung von 6600 auf 10400 Kilogramm für vier Jahre erhöht.

Anbau in Deutschland

Das im Auftrag der „Cannabisagentur“ des BfArM angebaute Cannabis dient ausschließlich medizinischen Zwecken und soll in Form von Blüten oder Zubereitungen als Arzneimittel in Apotheken abgegeben werden. Bei Anbau und Inverkehrbringen dieses Cannabis müssen alle arznei- und betäubungsmittelrechtlichen Anforderungen erfüllt werden. Es wird nur solches Cannabis verwendet, das entsprechend der Vorgaben der „Guten Praxis für die Sammlung und den Anbau von Arzneipflanzen“ (Good Agricultural and Collection Practice, GACP) angebaut wurde und die Vorgaben der relevanten Monografien und Leitlinien erfüllt.

„Der Anbau erfolgt nicht im BfArM oder durch das BfArM selbst, sondern durch Unternehmen, die im Ausschreibungsverfahren den Zuschlag erhalten haben und von der Cannabisagentur beauftragt werden. Die Ernte wird nicht in das BfArM transportiert, nicht dort gelagert und auch nicht direkt von dort aus weiterverteilt“, stellt der BfArM-Sprecher klar.

Die Rolle der Cannabisagentur

Die „Cannabisagentur“ werde das in Deutschland angebaute medizinische Cannabis nach den völkerrechtlichen Vorgaben des Einheitsübereinkommens der Vereinten Nationen über Suchtstoffe von 1961 ankaufen, in Besitz nehmen und einen Herstellerabgabepreis des BfArM festlegen, um solches Cannabis etwa an Hersteller von Cannabisarzneimitteln, Großhändler oder Apotheken zu verkaufen und in diesem Rahmen auch die Auslieferung an Apotheken zur Versorgung der Patientinnen und Patienten im Blick halten.

Dabei darf das BfArM keine Gewinne oder Überschüsse erzielen. Bei der Bildung ihres Herstellerabgabepreises darf die „Cannabisagentur“ die beim BfArM im Zusammenhang mit ihrer Aufgabe anfallenden Personal- und Sachkosten berücksichtigen. Der tatsächliche Abgabepreis in der Apotheke unterliegt im Anschluss den rechtlichen Regelungen der AMPreisVO und kann von Seiten des BfArM nicht beeinflusst werden.

Import von Cannabis

Solange noch keine Ernte in Deutschland stattfinden kann, erfolgt die Versorgung der Patientinnen und Patienten über Importe. Das BfArM erteilt die für das Importgeschehen bei Vorliegen der Voraussetzungen erforderlichen Erlaubnisse und Genehmigungen, hat jedoch – im Unterschied zum geplanten Anbau – hierbei keine zentrale Steuerungsfunktion. Das BfArM geht davon aus, dass voraussichtlich ab 2020 Cannabis aus dem Anbau in Deutschland zur Verfügung stehen wird.

Der Import von medizinischem Cannabis nach Deutschland wird auch über diesen Zeitpunkt hinaus rechtlich grundsätzlich möglich sein.