Von René Wappler

Auf Widerstand bei Architekten stößt ein Plan, der Handwerkern die Arbeit erleichtern soll. Die brandenburgische Fraktion der Linken plädiert für einen neuen Weg bei Baugenehmigungen. Für kleine Projekte könnten demnach die Handwerker selbst die Unterlagen einreichen. Bisher war das den Architekten vorbehalten.

Jeder statische Umbau geht für die Mitarbeiter der Spremberger Firma Terpe Bau mit einem hohen Aufwand einher. Corina Reifenstein leitet die Firma gemeinsam mit ihrem Mann Bert. Sie berichtet: „Selbst für einen Durchbruch in einer Außenwand brauche ich einen Architekten.“

Denn nur diese Zunft ist im Land Brandenburg befugt, die nötigen Unterlagen für die Bauämter einzureichen. Das erklärt der technische Berater bei der Handwerkskammer in Cottbus, Axel Bernhardt. „Wenn ich bauen will, benötige ich also einen Architekten, der zur Bauvorlage berechtigt ist“, sagt Axel Bernhardt. „Sobald ich die Genehmigung erhalten habe, muss ich mir noch mal einen Handwerker suchen.“ Deshalb befürwortet er den Plan für eine „kleine Bauvorlageberechtigung“, wie das Verfahren in der Fachsprache heißt.

Die Fraktion der Linken im Potsdamer Landtag drängt darauf, diese Idee in die Tat umzusetzen. Ihr Sprecher für Wirtschaftspolitik, Matthias Loehr, weist darauf hin, dass sie in vielen Bundesländern bereits zum Alltag in der Baubranche zählt. So verfolgen Bayern, Hamburg und Berlin neben weiteren Regionen diese Praxis, von der sich die Mitarbeiter der Handwerkskammern im Land Brandenburg weniger bürokratischen Aufwand erhoffen. Der Vorschlag der Linken lautet: Handwerksmeister erhalten die Erlaubnis, Anträge für Gebäude mit maximal zwei Wohneinheiten und maximal 250 Quadratmetern Grundfläche einzureichen. Auch für Garagen bis zu 250 Quadratmeter Nutzfläche sollen diese Anträge gelten.

Corina Reifenstein von der Firma Terpe Bau sagt dazu: „Nach unseren Erfahrungen würde das sehr helfen, weil die Architekten ohnehin schon ziemlich mit Arbeit belastet sind.“ Zudem gehe damit eine stärkere Wertschätzung der Handwerksmeister einher. Schließlich müssten sie während ihrer Prüfung ohnehin nachweisen, dass sie selbst eine Baugenehmigung einreichen können.

Doch die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Architektenkammer kritisiert diesen Plan. „Wir sehen massive Probleme im Hinblick auf die Qualität des Bauens und des Verbraucherschutzes“, schreibt Diplomarchitektin Beate Wehlke in einer Reaktion auf den Vorschlag der Linken. „Die Komplexität des Bauens hat mit den Jahren zugenommen.“ Selbst Absolventen der Fachrichtung für Architektur müssten nach ihrem Studium eine zweijährige Berufspraxis nachweisen. Erst dann erhalten sie Aufnahme in die Architektenliste und damit die Befugnis, die geschützte Berufsbezeichnung zu tragen, „an die wiederum die Bauvorlage geknüpft ist“, wie Beate Wehlke anmerkt.

„Die Ausbildung von Meistern und Technikern, die auf diese spezielle Aufgabe nicht ausgerichtet ist, kann ein Studium nicht ersetzen.“

Ihrem Befund widerspricht der Präsident der Handwerkskammer in Frankfurt (Oder), Wolf-Harald Krüger. Im März 2016 warb er vor dem brandenburgischen Ausschuss für Infrastruktur darum, die kleine Baugenehmigung einzuführen. Die Meisterausbildung im Handwerk sei inzwischen doch mit einem Hochschulabschluss des Bachelors oder Technikers gleichgestellt, betonte er. Deshalb sei es an der Zeit, dass Handwerksmeister die Tätigkeit ausführen, für die sie ausgebildet sind. So ließen sich  Zugangshürden beseitigen, „die im Wettbewerb mit Architekten und Ingenieuren bestehen“, sagte Wolf-Harald Krüger im Gespräch mit den Politikern.

Ähnlich wie er äußert sich ein Handwerker aus Cottbus. Carsten Szonn arbeitet nach eigenem Bekunden seit 35 Jahren als Maurer. „Zwar bin ich selbst kein Meister, aber ich glaube, dass eine neue Regel für kleine Baugenehmigungen die Praxis vereinfachen würde“, sagt er.

„Die Handwerksmeister wissen aufgrund ihrer Erfahrung, wovon sie reden,  und deshalb sollten sie auch mehr selbst entscheiden können.“ Ohnehin sei jeder Vorschlag zu begrüßen, der den komplizierten Behördengängen entgegenwirkt.

Ein weiteres Argument nennt Axel Bernhardt von der Cottbuser Handwerkskammer. „Wir setzen uns schon allein für die Idee ein, weil sie in Berlin bereits gilt.“ Es sei schwer nachzuvollziehen, dass im Land Brandenburg schlechtere Voraussetzungen für eine kleine Baugenehmigung bestehen.

In der Bundeshauptstadt arbeitet die Pressesprecherin der Fachgemeinschaft Bau für Berlin und Brandenburg. Claudia Kintscher äußert sich ähnlich wie der Fachmann der Handwerkskammer: Die Meisterprüfungsvorschriften in den Gewerken Maurer, Beton- und Stahlbetonbau sowie Zimmerer seien in allen Bundesländern gleich. Deshalb plädiere die Fachgemeinschaft „besonders in einer so eng verzahnten Wirtschaftsregion wie Berlin-Brandenburg für einheitliche Landesbauordnungen, die die sogenannte kleine Bauvorlagenberechtigung für Handwerksmeister enthalten“. Auf diese Weise lasse sich das gesamte Bauvorhaben beschleunigen. „Zudem wäre die Aufwertung des Meisterbriefes ein deutliches Pfund bei der Fachkräftegewinnung“, erklärt Claudia Kintscher.