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| 02:38 Uhr

Büffel kommt nicht von Büfett

Guck mal, wer da guckt: Die Wasserbüffel sind seit 2001 in Gröden, ein wirtschaftlicher Faktor sind sie aber noch nicht.
Guck mal, wer da guckt: Die Wasserbüffel sind seit 2001 in Gröden, ein wirtschaftlicher Faktor sind sie aber noch nicht. FOTO: dpa
Gröden. Die Schradenfrucht GmbH hat etwas, das nicht viele haben: Büffelfleisch. Trotzdem tut sich der Betrieb aus Elbe-Elster schwer damit, die exklusive Köstlichkeit zu vermarkten. "Die Kumpel" sind noch kein wirtschaftlicher Faktor. Steven Wiesner

Nichts sei so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist, soll der französische Schriftsteller Victor Hugo einmal gesagt haben. Nun, der gute Victor hatte gut reden, musste er sich auch nie daran versuchen, etwas Ausgefallenes wie Büffelfleisch an den Mann zu bringen. So was in der Art muss Rolf Hahndorf durch den Kopf gehen, wenn er an sein Geschäft mit den stattlichen Rindern denkt. Der Geschäftsführer der Schradenfrucht GmbH wirkt sogar ein bisschen desillusioniert. "Schwierig", sagt er kurzsilbig und rutscht immer tiefer in seinen Sessel. "Es ist sehr schwer, sich qualitativ und quantitativ einen Namen zu machen."

Im Jahr 2001 hatte der Agrarbetrieb, der primär mit der Bewirtschaftung landschaftlicher Flächen zu Lohn kommt, die ersten Wasserbüffel in den Elbe-Elster-Kreis geholt. In erster Linie, um die Acker auf natürliche Weise zu pflegen. Man könnte auch sagen, die Büffel sollen hier Gärtner spielen. "Zur Landschaftspflege sind die Tiere auch top", betont Hahndorf. Doch dann kommt das große Aber. "Die Direktvermarktung ist dagegen ein schwieriges Pflaster."

Mit "etwas Extravagantem" wollte die Schradenfrucht punkten, nachdem 2006 das erste Tier geschlachtet wurde. Doch heuer muss Rolf Hahndorf konstatieren, dass Büffelprodukte vielleicht doch eine Spur zu extravagant sind, um sie fest auf dem Markt zu etablieren. 77 Tiere stark war die Herde vor sieben Jahren, seitdem hat sie sich fast verdoppelt. "Das Geschäft hat sich auch ein bisschen stabilisiert", fügt Buchhalterin Diana Friedrich hinzu. 2016 sei ein ordentliches Jahr gewesen. Doch ein rentabler Faktor sind "die Kumpel", wie Hahndorf seine Büffel nennt, noch nicht. Zwei bis drei Prozent würden sie im Jahresumsatz der Schradenfrucht ausmachen, sagt Hahndorf. "Leben könnten wir davon nicht."

Am Beispiel des Grödener Agrarbetriebes scheint deutlich zu werden, dass es nicht genug ist, ein gutes Produkt einfach nur zu besitzen. "Büffel" kommt nicht schließlich von "Büfett". Man muss den Büffel auch vermarkten, damit ihn jemand haben will. Und genau darin sieht Hahndorf eine Schwierigkeit. "Wir bedienen nur eine Nische. Wir schlachten auch nicht auf Masse für den alltäglichen Bedarf, sondern nur für das Besondere. Wir wollen kein Wettfressen." Hört man Hahndorf so reden, muss man beinahe zu der Annahme gelangen, für Büffelsalami, Büffelroulade oder Büffelpastete gäbe es gar keinen Markt.

Das aber klingt ein paar Kilometer weiter schon anders. "Büffelgerichte gehen super weg", sagt Johannes Strehle vom Restaurant "Weißes Roß" in Elsterwerda. Strehle ist einer der wenigen Abnehmer, die von der Schradenfrucht beliefert werden. "Neulich war es innerhalb von zwei Tagen ausverkauft, obwohl es nicht mal auf der Karte stand", sagt er. "Ich habe eher das Problem, das ich zu wenig kriege."

Strehle könne trotzdem nachvollziehen, warum sich der Vertrieb als kompliziert gestalte. "Es ist exklusiv und daher auch teurer als herkömmliche Produkte." Auch Hahndorf rechnet vor: "Wo andere sechs Euro nehmen, steigen wir mit unserem Büffelfleisch erst bei 17 Euro ein."

Und wenn es um den Preis geht, ist auch die Gesundheit kein Argument mehr. Zwar ist der Verzehr von Büffelprodukten um ein Vielfaches bekömmlicher als normales Rindfleisch, weil diese etwa 50 Prozent weniger Fett und Cholesterin enthalten, "doch das Umdenken muss erstmal in die Köpfe rein", so Hahndorf. Man könnte auch sagen, vielleicht ist die Zeit für diese Idee einfach noch nicht gekommen.

Geschäftsführer Rolf Hahndorf
Geschäftsführer Rolf Hahndorf FOTO: Schradenfrucht