Wolfgang Jahn sitzt im Besprechungszimmer seines Unternehmens am Rande der Senftenberger Neustadt und erzählt von der Schweiz. Dort sitzen einige der langjährigen Auftraggeber des Senftenberger Software-Spezialisten PC-Soft. Sie sind wichtige Partner für das Unternehmen mit 70 Mitarbeitern, dessen Geschäftsführer Jahn seit 25 Jahren ist. Der 59-Jährige versprüht Optimismus pur. Die Schweizer, sagt Jahn, wüssten Hochtechnologie und Effizienz zu würdigen.

Aufträge in halb Europa

Was die Senftenberger zu bieten haben: Ihre Softwarelösungen ermöglichen es Unternehmen wie der Schweizer Bundesbahn International, der Jungfrau-Bahn in der Schweiz und Rheinhäfen wie Duisburg, Düsseldorf, Köln und Mülheim, ihre Betriebsabläufe so zu optimieren, dass sie ideal und kostengünstig funktionieren. Bahnlogistik ist ein Standbein der Senftenberger. Das ist das auf den ersten Blick einfache Geheimnis des Lausitzer Unternehmens. Jedoch: Um eine solche Softwarelösung zu entwickeln, braucht es jede Menge Know-how und eine Mannschaft mit hervorragenden Experten. So hat Wolfgang Jahn bislang auch wenig Angst vor Produktpiraterie. Konkurrenten könnten zwar herausfinden, wie die Lausitzer Produkte, die unter dem Namen "zedas" weltweit vermarktet werden, funktionieren. Die Entwicklung derartiger Lösungen dauert aber Jahre - und während dieser Zeit entwickeln die Senftenberger ihr Produkt stetig weiter.

Wolfgang Jahn träumt mit PC-Soft so etwas wie den amerikanischen Traum: Noch in den letzten Monaten der DDR gestartet, kämpft er nun erfolgreich auf dem Weltmarkt um Aufträge. Sieben Millionen Euro Umsatz im Jahr hat das Unternehmen zuletzt gemacht. Und nun schließt sich der Kreis des amerikanischen Traums für die Lausitzer Logistik-Experten vielleicht. Der Blick von Wolfgang Jahn geht über den großen Teich Richtung USA. "Zurzeit ist unser klarer Plan, in den USA aktiv zu werden", sagt Jahn. Die Kontakte sind geknüpft, Untersuchungen laufen - generalstabsmäßig wie die "zedas"-Programme aus eigenem Hause. PC-Soft lotet aus, wo es sich für sie lohnen kann. Die USA habe einen relativ starken Güterverkehr auf der Schiene, so der PC-Soft-Chef - Rohstoffe, Früchte, Container. Das könnte eine Chance sein, dort vieles mit Software made in Senftenberg zu optimieren.

Aber: Jahn ist auch vorsichtig. Ein Projekt in Australien hat dem Unternehmen gezeigt, dass es nicht immer einfach ist, auf einem anderen Kontinent zu bestehen. Andere Länder, andere Sitten. "In Australien haben wir viel mehr Berichtswesen und Papierkram, als wir dachten", so Jahn.

Bei allen Expansionsgedanken will PC-Soft vor allem auf dem wichtigen europäischen Markt beide Beine auf dem Boden behalten. Ob Senftenberg dabei Standortvor- oder -nachteil ist: Geschäftsführer Wolfgang Jahn ist dabei ganz entspannt. "Auftraggeber im Ausland interessiert das gar nicht. Wenn ich sage, dass wir in der Nähe von Berlin sind, reicht denen das."

Fokus liegt auf dem Nachwuchs

Wobei der 59-Jährige jedoch nicht ganz entspannt ist, ist die Frage der Nachwuchsgewinnung in der Lausitz. Durch die Nähe zur Brandenburgischen-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) hat PC-Soft Fachkräfte vor der Tür. Diese zu sichten und durch günstige weiche Standortfaktoren in der Region zu halten, haben sich die Senftenberger zur Aufgabe gemacht. "Ziel ist es natürlich, die besten Leute aus der Region für sich zu gewinnen", sagt der Geschäftsführer selbstbewusst.

Vor allem Entwickler, Consultants und Vertriebsmitarbeiter stehen auf der Liste der gesuchten Nachwuchskräfte ganz oben.

Zum Thema:
Das Unternehmen ist im April 1990 durch Ulrich Lieske, Wolfgang Jahn und Klaus Wonneberger gegründet worden. Es operiert heute in den Bereichen Bahnlogistik, Anlagenmanagement und Systemintegration. Die Software-Lösungen für die einzelnen Sparten tragen jeweils den Namen "zedas" - was seit jeher die Abkürzung für Zustands-Erfassungs-DatenAnalyse-System bedeutet.Wolfgang Jahn zählt die frühere Lausitzer Braunkohle AG (Laubag) und Nachfolger Vattenfall zu den wichtigsten Kunden. Sie haben, so Jahn, durch ihre Aufträge zur Entwicklung von PC-Soft beigetragen.PC-Soft hat zurzeit rund 70 Mitarbeiter. Der Stammsitz ist in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz). Eine Niederlassung unterhält PC-Soft noch in Düsseldorf.