Die Absatzkrise am deutschen Automarkt spitzt sich zu. Im September 2012 wurden in Deutschland rund 250 000 Neuwagen zugelassen - das sind 10,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie der Verband der Importeure VDIK am Dienstag in Bad Homburg berichtete. In den USA fahren die deutschen Autobauer hingegen Rekordverkäufe ein.

Der deutsche Pkw-Markt liegt nach einem guten Jahresstart nach den ersten neun Monaten um 1,8 Prozent unter Vorjahresniveau. Von Januar bis September wurden nach den Angaben 2,36 Millionen neue Autos in Deutschland zugelassen. In den beiden Vormonaten hatten die Pkw-Neuzulassungen jeweils knapp fünf Prozent unter dem Niveau des Vorjahres gelegen.

Mit dem dritten, deutlich größeren Minus in Folge greift die Absatzschwäche immer stärker auf Deutschland über.

Im September mussten die meisten großen Autobauer Europas hierzulande herbe Absatzeinbrüche hinnehmen. So setzte sich der Abwärtstrend bei Opel fort, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) hervorgeht. Der Absatz der Marke brach um fast 26 Prozent auf knapp 17 000 Neuwagen ein. Auch Branchenprimus VW verkaufte mit nur 51 000 Fahrzeugen ein sattes Fünftel weniger als zwölf Monate zuvor. Die krisengeplagten Hersteller Fiat, Ford und Peugeot-Citroën büßten ebenfalls mehr als 20 Prozent ein, der Sportwagen bauer Porsche etwas weniger.

Von den wichtigsten Marken verkauften nur BMW, Hyundai und Skoda gegen den Branchentrend mehr Autos als im Vorjahresmonat. Die Münchner steigerten ihren Absatz um 9,3 Prozent auf 26 000 - während Konkurrent Audi 5,9 Prozent auf 19 300 Einheiten verlor und der Mercedes-Absatz um elf Prozent auf 22 700 Fahrzeuge zurückging. Die Schwaben mussten kürzlich sogar ihre Gewinnprognose senken und kündigten an, die Produktion zu drosseln - vorrangig wegen einer schwächeren Nachfrage nach den auslaufenden Modellen der E- und S-Klasse.

Kräftige Zuwächse feiert auch der südkoreanische Hersteller Hyundai. Diese sind zum Teil allerdings mit hohen Nachlässen erkauft, wie Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research betont: "41 Prozent aller Hyundai-Neuwagen kamen in den vergangenen acht Monaten als taktische Zulassungen auf den Markt. Die Hyundai-Manager schaffen scheinbar ihre hohen Verkaufsziele nicht und setzen daher massiv taktische Zulassungen im Markt ein."

Unterdessen steigt der Anteil von Pkw mit alternativen Antriebstechniken wie Flüssiggas-, Erdgas-, Hybrid- und Elektroantrieb nur langsam auf inzwischen 1,2 Prozent am deutschen Gesamtmarkt. Allerdings sei die Nachfrage nach reinen Elek troautos enttäuschend. "Die Neuzulassungen von Elektro-Pkw bleiben mit einem Anteil von 0,087 Prozent am Gesamtmarkt deutlich unter den Erwartungen", sagte VDIK-Präsident Volker Lange.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte erst am Montag dennoch das Ziel bekräftigt, bis zum Jahr 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen zu haben. Einen Anschub durch eine Prämie lehnt die Regierung bisher ab.

Anders als die Europäer lassen sich die Amerikaner bisher nicht von den wirtschaftlichen Problemen verunsichern und kaufen fleißig Neuwagen. Davon profitieren auch die deutschen Hersteller. Audi und BMW Mini vermeldeten Rekordverkäufe. Für die Marke VW war es der beste September seit 40 Jahren. Die Wolfsburger legten um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu.

Porsche konnte seine Verkäufe um ein Viertel steigern, Mercedes-Benz wurde sieben Prozent mehr Geländewagen und Limousinen los, die Kleinstwagen-Tochter Smart verdoppelte den Absatz. Nur die Marke BMW fiel aus der Reihe mit einem stagnierenden Geschäft.

Bei den drei großen US-Herstellern fielen die Sprünge kleiner aus: Ford stagnierte, die Opel-Mutter General Motors wurde zwei Prozent mehr Autos los, die Fiat-Tochter Chrysler legte um zwölf Prozent zu. Allerdings liegen die verkauften Stückzahlen bei den "Big Three" deutlich über denen der deutschen Konkurrenz.