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| 19:04 Uhr

PREISTRÄGER 2018 Baumschule Lorberg
Brandenburger Baumriesen nicht nur für Berlin

Grünes für den Kreml: Stefan Lorberg von der Baumschule Lorberg begutachtet Bäume, die für den Export nach Moskau bestimmt sind.
Grünes für den Kreml: Stefan Lorberg von der Baumschule Lorberg begutachtet Bäume, die für den Export nach Moskau bestimmt sind. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Tremmen. Sie leisten Besonderes in ihrer Branche. Jedes Jahr wird an herausragende Unternehmen ein Wirtschaftspreis verliehen: der Zukunftspreis. Zu den Ausgezeichneten 2018 gehört die Baumschule Lorberg aus Tremmen.

Als in Berlin im vergangenen September der Platz vor der Mercedes-Benz-Arena gestaltet wurde, setzte die Lorberg Baumschulerzeugnisse GmbH & Co. KG 30 Platanen mit einer Höhe von zwölf Metern. „Wir liefern auch noch größere Bäume“, sagt Stefan Lorberg, der das Familienunternehmen seit 1989 leitet. Nur die Ladekapazität der Transportfahrzeuge gibt Grenzen vor, die bei rund 16 bis 17 Metern Stammhöhe liegen. Und der Preis: Der kann bei einem 50 Jahre alten Koloss bis zu 25 000 Euro betragen, sagt Lorberg.

Solche Giganten können in ganz Europa nur eine Handvoll Baumschulen liefern. Lorberg gehört dazu und hat deshalb Kunden in 30 Ländern. Wie aber bekommt man Bäume dazu, dass sie sich auch nach Jahrzehnten noch umpflanzen lassen? Voraussetzung ist, dass sie spätestens alle fünf Jahre einen neuen Standort bekommen, erklärt der 57-jährige Firmenchef. Dabei werden die Wurzeln so gekappt, dass sich an der Schnittstelle ein Geflecht von Feinwurzeln bildet und das Wachstum gefördert wird. Auch die Krone wird entsprechend beschnitten. Durch das regelmäßige „Verschulen“ bleiben die Wurzeln kompakt und machen auch spätere Standortwechsel mit. Am Hauptsitz der Baumschule in Tremmen (Havelland) sieht man kilometerweit in langen Reihen Bäume stehen: Ahorn, Kastanie, Buche, Esche, Ginkgo, Eiche, Ulme oder Kiefer.

750 verschiedene Sorten von Bäumen und Heckenpflanzen hat Lorberg im Sortiment. Pro Jahr werden rund 150 000 Gewächse aus eigenem Anbau verkauft, dazu kommen noch Stauden, Sträucher oder Koniferen von Zulieferbetrieben. 800 Hektar bewirtschaftet der Betrieb im Havelland, dazu kleinere Flächen in Kleinziethen (Dahme-Spreewald) und Baden- Baden (Baden-Württemberg). Damit die Pflanzen an trockenen Sommertagen nicht verdursten, wurden 200 Kilometer Tropfleitung verlegt. „Wir sind Vorreiter in Sachen wasserschonendes Bewässern“, erklärt Stefan Lorberg. Sogar im heißen Sommer 2018 sorgte die Bewässerung dafür, dass es in der Baumschule keine Ausfälle gab. Da sich durch den Klimawandel solche extremen Trockenphasen häufen können, sind Bäume gefragt, die mit harten Lebensbedingungen klarkommen. Zusammen mit Forstwissenschaftlern aus Eberswalde (Barnim) und der Berliner Humboldt-Universität arbeitet Lorberg an einem Forschungsprojekt mit, bei dem die Belastbarkeit von Straßenbäumen durch Trockenstress getestet wird. Gut schnitten dabei etwa verschiedene Ahorn- und Eichenarten ab, außerdem die Europäische Hopfenbuche, Gingko, Amberbaum und die neu gezüchtete Ulmensorte „New Horizon“.

In einem weiteren Forschungsvorhaben in Kooperation mit der Beuth-Hochschule Berlin geht es um biologischen Pflanzenschutz. Dazu wurde eine spezielle Grünsaatmischung entwickelt, die in Blühstreifen zwischen den Baumreihen ausgesät wurde. Dadurch siedelten sich nützliche Insekten an, die Baumschädlinge vertilgen. „In einem Blühstreifen wurden allein zwölf verschiedene Bienenarten identifiziert“, berichtet Stefan Lorberg. Eine Neuentwicklung, auf die Lorberg große Erwartungen setzt, ist der „Spring- Ring-Container“ – runde Behälter mit luftdurchlässigen Wänden. Durch den Kontakt mit Sauerstoff wird in den Wurzelballen das Wachstum von feinen Faserwurzeln gefördert.

Werden Bäume üblicherweise nur im Frühling oder im Herbst ausgepflanzt, ist mit dem Spring-Ring auch eine Pflanzung im Sommer möglich. Das ist wichtig, erklärt Stefan Lorberg, weil heute bei vielen Baumaßnahmen über die Gestaltung der Außenanlagen sehr kurzfristig entschieden wird. Elf Lehrlinge beschäftigt das Unternehmen derzeit. Stefan Lorberg selbst hat seine Ausbildung in Schleswig-Holstein absolviert, bevor er ein Gartenbau-Studium in Osnabrück (Niedersachsen) anschloss. „Für die Ausbildung ist es immer gut, den Dunstkreis der eigenen Firma zu verlassen“, erklärt er. Für die Zukunft der Baumschule ist auch gesorgt. Stefan Lorbergs Sohn Daniel ist 2015 in die Geschäftsführung eingetreten – und damit die siebte Generation des Familienbetriebs.

Logoleiste Zukunftspreis ET 29082018
Logoleiste Zukunftspreis ET 29082018 FOTO: MOZ
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