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Brandenburg ist guter Logistik-Standort

Potsdam. Schuhe, Lebensmittel, Bücher oder Artikel für den Verkauf in Tankstellen haben etwas gemeinsam. Logistisch stammen sie aus Brandenburg. Angeliefert in Großlager, gehen sie von hier aus auf Reise an den Bestimmungsort. Von Gudrun Janicke

Brandenburg entwickelt sich zu einem gefragten LogistikStandort. „Das ist keine Eintagsfliege. Die Branche fühlt sich gut aufgehoben“, sagte der Geschäftsführer der Zukunftsagentur Berlin-Brandenburg, Steffen Kammradt. Investitionen in der Vergangenheit hätten sich als richtig erwiesen. „Der Standort hat sich mittlerweile so etabliert, dass es leicht ist, ihn zu bewerben“, sagte er. „Aber das Ansiedlungsgeschäft ist kein Selbstläufer.“

Zahlreiche Ansiedlungen

In Brandenburg haben sich bislang der Internetversandhandel Zalando in Brieselang (Havelland), der Logistiker der Supermarktkette Rewe in Oranienburg, der Internetbuchhändler Momox in Neuenhagen (Oder-Spree) oder das Kraftverkehrsunternehmen Nagel in Wustermark (Havelland) angesiedelt. Die Ehrung des Güterverkehrszentrums (GVZ) in Großbeeren (Teltow-Fläming) als eines der zehn besten Europas strahle auf die anderen drei Brandenburger GVZ aus, so Kammradt.

Markt wächst in der Mark

Laut einer Studie der Fondsgesellschaft BNP Real Estate wird dem Logistikmarkt der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ein Rekordkurs bescheinigt. Im Jahr 2001 hatte die Branche rund 90 000 Quadratmeter Fläche. 2006 rückte sie mit rund 200 000 Quadratmeter ins obere Mittelfeld vor. 2010 konnte dann auf 400 000 Quadratmeter aufgestockt werden – damit sicherte sich die Region im Deutschlandvergleich Platz 2 hinter Hamburg.

Im Güterverkehrszentrum Großbeeren siedelten sich unter anderen der Logistiker Lekkerland, der Tankstellen beliefert, Zalando mit einer weiteren Niederlassung und das Unternehmen Berlin-Chemie an. Eine Adresse in Brandenburg hat auch die Bahn-Tochter Schenker. Mehrere hundert Arbeitsplätze entstanden bereits.

Nach Angaben von Kammradt bietet Frankfurt (Oder) einen guten Ausgangspunkt für den Verkehr nach Ost- und Südeuropa. „Noch relativ verkannt wird der Standort Forst im Spree-Neiße-Kreis“, sagte der ZAB-Chef. „Hier gibt es erfolgversprechendes Potenzial für den Ausbau der Verbindungen in die polnischen Industriegebiete in Schlesien.“ Angesiedelt habe sich in Forst bereits die Firma Lion – sie verkauft gebrauchte landwirtschaftliche Maschinen nach Osteuropa. Die Geräte kommen aus den USA über den Hamburger Hafen und gehen weiter nach Forst. Die Stadt an der deutsch-polnischen Grenze habe bereits eine Zollabfertigung, ein großer Vorteil für den Handel über EU-Grenzen hinweg.

Falkenberg als Knotenpunkt

Auch Falkenberg (Elbe-Elster) mausert sich als Knotenpunkt in den Balkan. Die traditionsreiche Bremer Lagerhaus-Gesellschaft baut einen Logistikstandort. Zulieferungen für die Autoindustrie sollen nach Osten umgeladen werden.

Ein „stiller Standort“ ist nach Angaben von Kammradt noch Wittenberge an der Elbe. „Aber: Der Binnenhafen ist gut erreichbar. Es kann schnell auf die Straße oder Schiene verladen werden“, sagte er. Seien im Hamburger Hafen Lagerkapazitäten erschöpft, könne nach Brandenburg umgeladen werden. Wenn die A 14 von Magdeburg über Wittenberge nach Schwerin fertig ist, ergeben sich weitere gute Verkehrsanbindungen.

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Zum ThemaMit dem größten Pleiterisiko aller Branchen bundesweit müssen nach Einschätzung des Kreditversicherers Euler Hermes Speditions- und Logistikfirmen rechnen. Demnach müssen 2012 voraussichtlich 25 von 1000 Transporteuren Insolvenz anmelden. Aus der Gruppe der Spediteure gingen 2011 rund 600 von 23 500 Unternehmen in die Insolvenz. Der starke Wettbewerb werde die Insolvenzquote hoch halten, wie Euler-Hermes-Chefvolkswirt Romeo Grill prognostiziert. „Zudem leiden die Firmen unter den Kosten für Kraftstoffe und Maut.“ Allerdings sei die Branche zweigeteilt: „Bei den großen Logistikerkonzernen mit Zusatz-Dienstleistungen läuft es deutlich besser. Die Masse von Unternehmen mit schwacher Ertragslage und erhöhtem Insolvenzrisiko sind kleine Transporteure.“In der gesamten deutschen Wirtschaft könnten 2012 der Prognose zufolge zehn von 1000 Betrieben (insgesamt 30 300) in die Insolvenz rutschen, das wären 0,7 Prozent weniger als in diesem Jahr.