Die Zahl ist noch gering. "Weil die Kriterien sehr streng sind und für den Eigner auch höhere Kosten verursachen", sagt Volker Brenk vom Umweltbundesamt zur Begründung. Selbst der Eisbrecher "Polarstern", der als weltweites Umweltvorbild gilt, sei an den Vorgaben gescheitert. Die Bremer Reederei E & B GmbH will die hohen Hürden schaffen. Sie lässt zurzeit in den Niederlanden ein fast 90 Meter langes Frachtschiff bauen, das den Blauen Engel erhalten soll. Die MS "Bremer Johanna" solle im Sommer ausgeliefert werden, sagt Reeder Günther Evers. Dafür ist seine Firma als einer von acht Finalisten für den "preis umwelt unternehmen: Nordwest" nominiert. Die Auszeichnung wird am 28. Februar verliehen.

Pionier der sauberen Schifffahrt
Die Bremer E & B GmbH setzt bereits seit mehreren Jahren zwei umweltfreundliche Schiffe ein. Sie gehören ihr jedoch nicht, sondern wurden von der Reederei Braren aus dem schleswig-holsteinischen Kollmar langfristig gechartert. Reeder Rörd Braren ist ein Pionier in der sauberen Schifffahrt. Fünf der weltweit sechs Blaue-Engel-Schiffe gehören ihm. Das sechste ist im Besitz der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Stralsund. "Wir waren 1998 die ersten, die ein Frachtschiff mit Katalysator hatten", sagt Braren. Schon lange vor der offiziellen Einführung des Blauen Engels erfüllten seine Schiffe die strengen Kriterien. "Und sogar weit darüber hinaus", betont er.
Zu seinen Kunden gehört die schwedische Zellstoffindustrie. Und die verlangt schadstoffarme Transporte. Sowohl Papierfabriken als auch der schwedische Staat hatten sich deshalb Braren zufolge an den Mehrkosten für die umweltfreundlichen Schiffe beteiligt. Auch die Bremer Reederei E & B fährt Forstprodukte für die skandinavische Papier- und Zellstoffindustrie. "Der Blaue Engel bedeutet für uns einen Wettbewerbsvorteil", sagt der 75-jährige Evers. Dafür nehme er die höheren Charter- beziehungsweise Baukosten in Kauf.
In Schweden bekommen umweltfreundliche Schiffe auf Gebühren einen Rabatt. Für Deutschland wünschten sich Evers und Braren ebenfalls eine Abgabenermäßigung. Doch die Bundesregierung wolle sich erst international abstimmen, sagt Christian Bahlke von der Gesellschaft für Angewandten Umweltschutz und Sicherheit im Seeverkehr in Bremen. Dabei wären Preisnachlässe ein Anreiz auch für andere Reeder, umweltfreundliche Schiffe bauen zu lassen, betont er.
Anders als bei Farben oder Fußbodenbelägen geht es bei den Schiffen mit Blauer-Engel-Zertifikat nicht nur ums verwendete Material. "Wichtig ist das Gesamtsystem", sagt Bahlke. Dazu gehören auch eine tarifgebundene Bezahlung der Besatzung und eine geregelte Abfallentsorgung an Bord. Insgesamt müssen die Reeder 13 Kriterien erfüllen.

Branche noch rückständig
Viele Schiffe seien im Vergleich zu Betrieben an Land in ihrer Umweltbilanz rückständig, sagt Bahlke. Dabei wäre vor allem für die Ostsee eine saubere Schifffahrt notwendig. "Sie ist ein Binnenmeer", erläutert Bahlke. "Es dauert rund 40 Jahre, bis das Wasser einmal ausgetauscht ist." Zum Vergleich: In der Nordsee dauere es nur rund drei Jahre. Doch solange die finanziellen Anreize oder gesetzlichen Vorgaben für die Reeder fehlten, seien Schiffe mit dem Blauen Engel weiter eine Seltenheit.

Hintergrund Das Umweltzeichen in Daten
Der Blaue Engel wurde 1977 durch einen Beschluss der Umweltminister des Bundes und der Länder ins Leben gerufen. Damit ist er das älteste Umweltzeichen der Welt für Produkte und Dienstleistungen. Mittlerweile tragen rund 3700 Produkte und Dienstleistungen in 80 Produktkategorien den Blauen Engel.
Im November 2002 bekamen die Schwesterschiffe "MS Cellus" und "MS Timbus" der Reederei Braren (Kollmar) den ersten Blauen Engel für umweltschonenden Schiffsbetrieb.
Mittlerweile besitzt die Reederei in Schleswig-Holstein insgesamt fünf Öko-Schiffe , zwei davon sind von der Bremer Reederei E & B langfristig gechartert. Das sechste Schiff mit Blauem Engel ist das Schadstoff-Unfallbekämpfungsschiff "Arkona" der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Stralsund.