Die deutschen Bio-Bauern jedoch sehen die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Schon ist der Preiskrieg eröffnet, und ausländische Konkurrenz drängt zunehmend auf den deutschen Markt. "Wir haben zwar ein sehr gutes Potenzial für Bio-Produkte, aber die Erzeugerpreise sind an der Grenze des Erträglichen", sagt Thomas Dosch vom größten deutschen Ökoverband Bioland mit rund 4400 Betrieben.
Sorgen bereitet besonders die Milch, denn die Erzeugerpreise für Bio-Bauern sind in Deutschland an diejenigen der konventionellen Landwirtschaft gekoppelt. 6,5 Cent je Liter Milch Aufschlag bekommt ein Bio-Landwirt derzeit - "notwendig sind eigentlich 7,5 Cent", rechnet Biobauer Siegfried Meyer aus dem mittelfränkischen Opfenried bei Ansbach vor.
Auf dem Branchentreffpunkt "BioFach" in Nürnberg, der weltweit größten Messe für Bio-Produkte, tauschen die Fachleute noch bis morgen ihre Erfahrungen aus. "Land des Jahres" auf der Messe ist diesmal Frankreich. 135 Aussteller aus dem Nachbarland sind dabei, doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Sie machen den deutschen Bio-Bauern zunehmend Konkurrenz: Die ökologisch bewirtschaftete Fläche verdoppelte sich in Frankreich in den vergangenen drei Jahren auf 420 000 Hektar.
Nicht nur Öko-Wein aus Bordeaux und Languedoc-Roussillon kommt von dort, sondern auch Bio-Käse aus der Bretagne oder Öko-Obst aus dem Rhône-Tal. "Unsere Erzeuger wissen, dass der Preiskrieg nun auch den Markt von Öko-Erzeugnissen in Deutschland erreicht", sagt Jean-Pierre Laboureix, der Leiter der französischen Handelsabteilung für Deutschland.
Auch Briten, Italiener, Niederländer oder Dänen drängen auf den deutschen Markt - "den attraktivsten in Europa", wie Thomas Dosch von "Bioland" sagt. "Die deutschen Erzeuger müssen sich besser organisieren, sonst wird der Markt von anderen besetzt", mahnt er. Sollten die Preise weiter sinken, sieht er noch eine andere Gefahr: "Wenn die Bauern auf Dauer keinen fairen Preis bekommen, werden sie wieder umstellen auf konventionelle Landwirtschaft."

Teures Bio-Fleisch
Alles hängt letztlich davon ab, ob die Verbraucher bereit sind, Geld für Öko-Produkte auszugeben. Dabei müssen sie teils deutlich höhere Preise als für konventionelle Erzeugnisse akzeptieren: So kostete nach amtlichen Berechnungen ein Kilo Rinderschmorfleisch aus Öko-Erzeugung 2002 im Durchschnitt satte 14,77 Euro, das konventionelle Gegenstück aber nur 8,55 Euro. Auch bei Bio-Obst und -Gemüse mussten die Käufer vergangenes Jahr 40 bis 50 Prozent mehr ausgeben, berichtet die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle in Bonn.

Nicht an Discounter
"Das Problem ist der Preisdruck", sagt denn auch Geschäftsführer Peter Schaumberger von der Demeter. Der Öko-Verband mit etwa 1400 Mitgliedsbetrieben geht auf dem Bio-Markt einen eigenen Weg: Vertrieb nur über den Fachhandel, keine Lieferung an Discounter. "Wir wollen uns nicht in deren Macht begeben", sagt Schaumberger.
"Langfristig wird sich der Qualitätsgedanke rechnen", meint der Demeter-Chef. Auch Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hält von Niedrigpreisen im Bio-Bereich nicht viel. "Immer mehr Menschen wollen qualitätsbewusster leben", sagt sie. "Das funktioniert aber nur dann, wenn es auch mit einem echten Preisbewusstsein, einem Preis-Wert-Bewusstsein einhergeht." Um dauerhaft Gutes produzieren zu können, bräuchten die Bio-Bauern faire Preise. Künast fordert deshalb einen "Akt der Solidarität der gesamten Biowirtschaft": Umweltverbände sollen beispielsweise bei ihren Mitgliedern für den Kauf von Bio-Produkten werben.