Die Neptun Orient Lines (NOL) aus Singapur, die mehrheitlich dem Staatsfonds Temasek gehört, bietet ebenso für das hanseatische Traditionsunternehmen wie eine Hamburger Investoren-Gruppe um den Transportunternehmer Klaus Michael Kühne. Der Ausgang des Unterfangens ist ungewiss. Der Verkauf könnte sogar noch komplett abgesagt werden.

Angesichts der Konjunkturabschwächung und der Finanzmarktkrise dürfte Tui-Chef Michael Frenzel einen denkbar ungünstige Zeitpunkt erwischt haben. Über den Mindestpreis, den er für die Tochter auf jeden Fall erlösen will, hat sich Frenzel ausgeschwiegen. Experten sprachen früher von vier bis fünf Milliarden Euro.

Die dürften jetzt kaum erzielbar sein. Der Chef der NOL-Reederei, Ronald Widdows, hat kürzlich in einem Interview geklagt, dass es der früher erfolgsverwöhnten Containerschifffahrt so schlecht gehe wie schon lange nicht mehr. Hohe Rohstoff- und Ölpreise fielen zusammen mit niedrigen Frachtraten und wachsenden Kapazitäten an Schiffen, die noch in besseren Zeiten bestellt worden sind.

"Ich habe noch nie einen solchen Rückschlag in unserer Branche erlebt wie in den vergangenen sechs Monaten", klagte der Manager.

Für die Beschäftigten von Hapag-Lloyd, die Gewerkschaften und die Hamburger Wirtschaft wäre der Zuschlag für NOL so etwas wie ein Albtraum. Daran ändern auch die Zusagen von NOL nur wenig, Standort und Marke erhalten zu wollen. Jobgarantien wollte Widdows nicht geben. Die Hamburger Investoren als Gegenspieler hoffen auf Schützenhilfe aus der Politik. Nicht nur die Bundesregierung würde es begrüßen, wenn der Zuschlag an einen deutschen Erwerber ginge.

Frenzel wird sich bei einem Zuschlag für die möglicherweise finanzstärkeren Asiaten wohl Vorwürfe vom "Ausverkauf deutschen Know-hows" anhören müssen. Das deutsche Bieterkonsortium um Kühne rechnet innerhalb von zwei Wochen mit der Entscheidung.

Auf Druck von Aktionären um den Norweger Reeder John Fredriksen hatte die Tui-Spitze die Abspaltung von Hapag-Lloyd beschlossen. Inzwischen ist Fredriksen gegen den Verkauf: Der Markt gebe keinen ausreichend hohen Preis her.