Aufregung herrscht auf dem Lausitzer Arbeitsmarkt. Unter der Ägide des Rotstifts brechen nicht nur bei der Vergabe von Arbeitsbeschaffungs- und Strukturanpassungsmaßnahmen (ABM und SAM) neue Zeiten an. Auch für die Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) gilt künftig nur noch eine Prämisse: Gut ist, was Arbeitslose dauerhaft in Arbeit bringt. Übersetzt in Förderkriterien heißt das: Nur noch die Weiterbildungen und Trainingsmaßnahmen werden finanziert, die mindestens 70 Prozent der Teilnehmer zu einer Festanstellung verhelfen (die RUNDSCHAU berichtete). Ab 1. März wird es damit ernst.

Verringertes Angebot

"Das wird im Übergang hart für Sie", prophezeit der Cottbuser Arbeitsamts-Direktor Gert-Armin Schur vor knapp 100 Vertretern von Bildungsträgern aus der Region. Ihre Mienen verraten, dass sie auf einiges vorbereitet sind. In kleiner Runde sagt später einer: "Wenn wir uns in einem Jahr wieder treffen, gibt es sicher nur noch die Hälfte von uns."

Die 70-Prozent-Hürde reduziert das förderfähige Weiterbildungsangebot erheblich. Nach Auswertung bisheriger Maßnahmen werde es für Südbrandenburg "nur noch fünf Bildungsziele" geben, informiert FbW-Koordinatorin Carola Belka: Metallerzeuger und -bearbeiter, Schlosser, Mechaniker und zugeordnete Berufe, Kraftfahrzeugführer, Gesundheitsberufe sowie sozialpflegerische Berufe. Selbst für diese Berufsgruppen gebe es "keinen Freifahrtschein", bremst sie falsche Hoffnungen. Trotz der positiven Vorbewertung komme es in jedem Fall zu einer "arbeitsmarktlichen Beurteilung".

Weiterbildungen in anderen Berufsgruppen würden nur unter bestimmten Bedingungen gefördert. Als Beispiel nennt Belka die Ansiedlung einer neuen Firma. Ebenso gut wäre es, wenn ein Bildungsträger die Notwendigkeit einer Maßnahme mit konkreten offenen Stellen belegen kann.

"Kein einziges Bildungsziel fällt grundsätzlich aus dem Raster", bestätigt Klaus-Peter Hansen, Vize-Chef des Arbeitsamtes Bautzen. Sogar das Bildungsziel Hochseefischer sei in der Lausitz finanzierbar, wenn bei Umschulungswilligen Eignung, Neigung, Mobilität und der Arbeitsplatz an der Küste vorhanden seien.

Für die Bildungsträger ist das kein wirklicher Trost. "Gewissheit haben wir nur, wenn wir die Arbeitgeber gleich mitbringen", meint Andreas Beil, Inhaber des Lausitzer Bildungsprojekts. Er hat Niederlassungen in Senftenberg, Calau und Cottbus, bietet bislang vor allem im kaufmännischen und gewerblich-technischen Bereich Fortbildungen an. Um den Bedarf des ersten Arbeitsmarktes besser auszuloten, hat er in seinem Unternehmen eigens eine "Vermittlungsgruppe" geschaffen. Dennoch rechnet er nicht damit, dass er die Ausfälle vollständig kompensieren kann. Die Konsequenz: "Mindestens einen Standort werden wir schließen müssen."
Beil bemängelt wie viele seiner Mitstreiter die "fehlende Planungssicherheit". Selbst wenn eine Maßnahme zugelassen ist, könne bis zu deren Beginn unklar bleiben, ob sie auch stattfindet. Verantwortlich dafür sei der Bildungsgutschein, der den Arbeitslosen freie Wahl lässt, bei welchem Träger sie diesen einlösen.

Durch die HintertürIm Zweifel finde überhaupt keine Maßnahme statt, bemerkt Eberhard Richter, Schulleiter der Cottbuser Wirtschafts- und Sprachenschule Welling. Verteile sich nämlich die Zahl der Bildungsgutscheine gleichmäßig auf die konkurrierenden Angebote, könne keiner die Maßnahme wirtschaftlich durchführen. Richter würde sich nicht wundern, wenn mancher der Sparkommissare genau in diesem "Aus der Weiterbildung durch die Hintertür" den eigentlichen Sinn der Reform sehe.
Welling stehe aufgrund seines Schwerpunkts in der Erstausbildung noch vergleichsweise gut da, unterstreicht der Schulleiter. Ungeschoren komme aber auch sein Haus nicht davon. Daher habe er in der Cottbuser Niederlassung bereits vier der 30 fest angestellten Lehrer entlassen.

Betroffen seien aber nicht nur die Bildungsträger, erinnert Richter. Ernst werde es vor allem für die Arbeitslosen. Diese hätten bislang mit den Weiterbildungen zumindest ihre Chance auf einen Wiedereinstieg in der ersten Arbeitsmarkt bewahrt. Werden die Maßnahmen nicht mehr finanziert, würden sich ihre persönlichen Aussichten deutlich verschlechtern.