Pfiffige Anleger können von der Finanznot der Hauptstadt sogar profitieren, wenn sie Berlin ihr Geld leihen. Offensichtlich ist das Geschäft so lukrativ, dass es nicht wenige reizt. Allein die jüngste Anleihe des Landes spülte dieser Tage zwei Milliarden Euro in die leeren Kassen. Es hätten sogar drei Milliarden sein können, da die Nachfrage weit größer war als erwartet. Auch das hat die Kreditbeschaffer ermuntert, den Kapitalmarkt noch 2003 ein zweites Mal in großem Stil anzuzapfen.

Kreditwürdigkeit bewertet
Das Land Berlin hatte in der vergangenen Woche eine Anleihe über zwei Milliarden Euro ausgegeben. Die Landesschatzanweisung war die erste "geratete Benchmark-Emission", wie Experten eine Anleihe dieser Größenordnung nennen, bei der das Land zuvor seine Kreditwürdigkeit von renommierten Agenturen bewerten ließ.
Diese haben Berlin sogar eine sehr hohe Bonität zugebilligt - trotz hoher Schulden und wirtschaftlicher Probleme der Stadt. So bewertet die Agentur Fitch Berlin - wie allerdings alle Bundesländer - mit der bestmöglichen Bonitätsstufe "AAA" (triple A). Konkurrent Moody's benotete die Kreditwürdigkeit zwar nicht mit dem Bestwert, aber immerhin noch mit dem sehr guten Aa3, wovon manches EU-Land träumt.
Beide Ratings machen deutlich, dass Investoren nicht um ihre Einlagen bangen müssen und Zinsen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit pünktlich gezahlt werden. Auch Berlin profitiert davon, da es keinen hohen Risikoaufschlag zahlen muss. Das Land Brandenburg, das kürzlich eine zehnjährige Anleihe von zunächst einer Milliarde Euro ankündigte, kommt bei Moody's mit einem Aa2 sogar besser weg, der Freistaat Bayern erhält bei allen Ra-
tingagenturen zurzeit jeweils die Bestnote.
Getreu dem Motto "Krisenzeiten sind Anleihezeiten" sind solche Papiere derzeit bei Investoren gefragt. Konjunktur- und Börsenflaute, schlechte Unternehmenszahlen und die anhaltende Kriegsangst machen Anleihen begehrt. So verlässlich aber die an der Börse zu Tageskursen gehandelten Länderanleihen sind, so relativ geringe Zinsen werden gezahlt. Berlin bietet für seine erste mit einem Rating versehene Anleihe mit fünfjähriger Laufzeit, die am 13. Februar 2008 fällig wird, eine Nominalverzinsung (Kupon) von 3,5 Prozent.

Nachfrage ermutigt
Die bei der Berliner Finanzverwaltung tätige Kreditreferentin Susanne Reichenbach fühlt sich nicht nur durch die hohe Nachfrage ermuntert. Schließlich wollte sich Berlin eigentlich nur eine Milliarde Euro leihen und hätte am Ende sogar drei Milliarden begeben können. "Aber dann hätten wir es in fünf Jahren auch mit einer größeren Fälligkeit zu tun gehabt", sagt Reichenbach, die im Februar zusammen mit Finanzstaatssekretär Frank Bielka für das Berlin-Papier warb.
"Wir haben einen Bruttokreditbedarf von zehn bis zwölf Milliarden Euro pro Jahr", erklärt Bielka. Daher seien künftig zwei bis drei größere Emissionen pro Jahr geplant. "In diesem Jahr wird es mit Sicherheit noch eine große Emission geben", sagt Reichenbach. Vielleicht schafft es Berlin dann auch, noch besser eingestuft zu werden, um sich das dringend benötigte Geld günstiger zu beschaffen.

Hintergrund So wird benotet
AAA: beste Bonität
AA bis A: sehr gute bis gute Bonität mit geringem Risiko
BBB: gute Investmentqualität mit moderatem Risiko
BB: risikoorientiertes Investment mit höherem Ausfallrisiko
B: schlechte Investmentqualität, Zahlungsfähigkeit gefährdet
C: Schuldner ist mit Zahlungen im Verzug
D: Schuldner ist so gut wie pleite