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| 17:05 Uhr

Recycling
Deutschland liegt vorn, Polen und Estland holen auf

 Deutschland ist laut OECD Spitzenreiter im Recyceln, gefolgt von Südkorea, Slowenien, Österreich und Belgien. In diesen Ländern haben die Menschen bis zu vier unterschiedliche Behälter vor dem Haus stehen.
Deutschland ist laut OECD Spitzenreiter im Recyceln, gefolgt von Südkorea, Slowenien, Österreich und Belgien. In diesen Ländern haben die Menschen bis zu vier unterschiedliche Behälter vor dem Haus stehen. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Berlin . Beim Recycling gibt es weltweit große Unterschiede. Asiatische Staaten nehmen sogar noch zusätzlichen Müll an. Von Michael Gabel

Deutschland an der Spitze, Chile am Schluss – beim Recycling gibt es weltweit große Unterschiede. Asiatische Staaten nehmen sogar noch zusätzlichen Müll an. Das meiste landet auf Deponien.

Das Essen wird im Pappkarton serviert, das Besteck ist aus Plastik und steckt in der Kunststoffhülle – ein typisches Menü in einem Fastfood-Restaurant. In der US-Gastronomie spielt Umweltschutz so gut wie keine Rolle, Mülltrennung ist weitgehend unbekannt. Am Ende landen Speisereste und alles andere, was nicht mehr gebraucht wird, oft in demselben Behälter. Amerika, das Land der unbegrenzten Ressourcenverschwendung.

Deutschland dagegen ist laut OECD Spitzenreiter im Recyceln, gefolgt von Südkorea, Slowenien, Österreich und Belgien. In diesen Ländern haben die Menschen bis zu vier unterschiedliche Behälter vor dem Haus stehen: für Verpackung, Papier, Bio und Restmüll. Glas entsorgen sie meist in größeren Containern in der Nachbarschaft. Andere Staaten holen jedoch auf: Polen mit einer Steigerungsrate von 886 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 und Estland mit 600 Prozent.

Doch was bringt es, wenn in einigen Staaten das Recyceln ganz gut klappt, aber weltweit die Müllberge immer weiter wachsen? In Asien zum Beispiel ist die Situation mindestens ebenso problematisch wie auf dem amerikanischen Kontinent. Gut ein Drittel der weltweiten Abfallmenge fällt in Fernost an. So produzieren die Chinesen laut Bundesamt für Statistik 520 000 Tonnen Müll pro Tag und liegen damit nur knapp hinter den USA (624 700 Tonnen). Zum Vergleich: In Deutschland sind es 127 800 Tonnen, in Großbritannien 97 300 Tonnen. Wie in den Vereinigten Staaten landet auch in Asien der weitaus größte Teil des Abfalls auf Deponien, denn fast durchweg fehlt es an Gesetzen, die eine Wiederverwertung fördern oder gar vorschreiben.

Stattdessen nehmen viele asiatische Staaten sogar noch Müll aus den Industriestaaten des Westens an und lassen sich das gut bezahlen. Vietnam, Malaysia und Thailand sind derzeit für die USA und die europäischen Staaten besonders attraktiv. Dies umso mehr, als China vor einem Jahr seinen Kurs geändert hat und als Annahmestelle nicht mehr zur Verfügung steht.

In Afrika werden Wertstoffe ebenfalls nur in extremen Ausnahmefällen recycelt. „Es gibt nicht genug Anreiz, um im großen Stil mit der Nutzung von wiederverwertetem Plastik zu beginnen“, sagte der kenianische Umwelt-Aktivist Dipesh Pabari der „Wirtschaftswoche“. Um zu zeigen, was mit recyceltem Kunststoff alles möglich ist, will er mit seiner Initiative FlipFlopi auf der Insel Lamu ein rund 20 Meter langes Segelboot aus recycelten Strandlatschen bauen. Tausende vom Meer angespülte Flip-Flops will er dafür verwenden. Das Boot soll zum Umdenken animieren, hofft Pabari. „Wir wollen zeigen, was wir Menschen alltäglich nutzen und wie wir es wegwerfen.“