„Generell ist die Aktienanlage ein sinnvoller Bestandteil des Gesamtvermögens“ , betonen die Finanzexperten der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Voraussetzung sei allerdings, dass die Aktien zum richtigen Zweck eingesetzt werden und nicht an kurzfristige finanzielle Hoffnungen geknüpft werden. Weil die Kurse stark schwanken können und der Zeitpunkt von Börsenhochs und -tiefs nie im voraus absehbar ist, sollte das Aktienguthaben immer auf lange Sicht angelegt sein und nicht zu einem bestimmten Termin zur Verfügung stehen müssen. Damit scheidet die Aktienanlage als eiserne Reserve für unvorhergesehene Ausgaben oder als Rücklage für geplante Investitionen aus.

Auf unterschiedliche Aktien setzen
Darüber hinaus gilt die Grundregel, dass Anleger ihren Erfolg nicht an die Entwicklung eines einzigen Wertpapiers hängen sollten. Der Kurs einer Aktie wird nicht nur von der allgemeinen Stimmung auf dem Börsenparkett beeinflusst, sondern auch vom Geschick der Unternehmensführung - wenn die Manager versagen und hohe Verluste einfahren, rauscht die Aktie auch bei glänzendem Börsenumfeld in den Keller. „Wer alle Eier in einen Korb legt, kann im Nachhinein zu schmerzhaften Erkenntnissen kommen“ , warnt Anlagestratege Hans-Jörg Naumer von der Investmentgesellschaft DIT.
Daher raten Aktienexperten dazu, beim Aktienkauf das Geld auf unterschiedliche Aktien zu verteilen. Die Zahl der Unternehmen sollte einerseits so groß sein, dass ein einzelner Misserfolg nicht allzu sehr durchschlägt - und auf der anderen Seite sollte die Mischung so übersichtlich bleiben, dass der Anleger die Unternehmensentwicklungen im Überblick behalten kann.
Dieser Frage haben sich auch Wissenschaftler und Statistiker angenommen. Je nach Studie werden meist fünf bis zehn unterschiedliche Aktien als Mindestzahl genannt, über die das Einzelrisiko als gut verteilt angesehen werden kann. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Unternehmen so wenig wie möglich miteinander zu tun haben. Wenn beispielsweise in der Mischung zwei Auto-Aktien oder ein Autohersteller und ein Zulieferer enthalten sind, würden sich negative Nachrichten aus der Autobranche gleich auf zwei Aktienwerte auswirken. Daher sollten die Aktien aus ganz verschiedenen Branchen kommen.
Ideal ist es dann noch, wenn die Branchen in unterschiedlichem Maß von der konjunkturellen Entwicklung beeinflusst werden. So sind beispielsweise Autohersteller, Touristikunternehmen oder Stahlkonzerne stark von der Konjunktur abhängig: Ist das Wirtschaftswachstum stark, gewinnen solche Aktien oft überdurchschnittlich, während sie in wirtschaftlichen Flauten meist auch besonders gebeutelt werden. Wenig konjunkturempfindlich sind hingegen die defensiven Branchen wie Energieversorger, Pharma oder Lebensmittelhersteller.

Über Deutschland hinausgehen
Ebenfalls einen Blick wert ist die Verteilung der Aktienanlage über verschiedene Länder und Regionen. So hat es im Zeitalter des Euro kaum noch Sinn, sich beim Aktienkauf allein auf deutsche Titel zu beschränken - zumindest die im Aktienindex Euro Stoxx 50 enthaltenen großen Aktiengesellschaften der Euro-Länder sollten berücksichtigt werden. Wer darüber hinaus noch Wertschwankungen aufgrund der Änderungen bei Wechselkursen in Kauf nehmen will, kann auch Aktien aus Großbritannien, der Schweiz, Nordamerika und Japan mit in Betracht ziehen.
Erst wenn diese grundsätzlichen Überlegungen abgeschlossen sind, sollten Aktienanleger an die Auswahl der Einzeltitel gehen. Wenn dann nach sorgfältiger Analyse aus jeder wichtigen Branche und Region die aussichtsreichste Aktie gewählt wird, genügt die Mischung dem Anspruch einer professionellen Strategie zur Risikoverteilung.