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Bei Wind und Regen im Trockenen

Ruhland. Ruhlander Unternehmen WP Systems will Wartung von Rotorblättern revolutionieren. Der Prototyp der neuartigen geschlossenen Wartungskammer ist im Aufbau. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg hat in das Start-up investiert. Andrea Budich

Mit ihrer Idee von einer Rotor-Befahranlage mit geschlossener Wartungskammer, die Reparaturarbeiten auch bei Wind, Regen und Kälte ermöglicht, haben die beiden Geschäftsführer von WP Systems, Holger Müller und Ole Renner, voll ins Schwarze getroffen. Von Branchenkennern als Don Quichotte der Windkraft bezeichnet, haben die beiden Tüftler auch bei der internationalen Fachmesse der Windbranche "Windenergy Hamburg" eine überwältigende Resonanz auf ihre Neuentwicklung erfahren. Weit mehr als 100 Firmen aus über 20 Ländern haben Interesse signalisiert. Anfragen sind bis aus China eingegangen.

Ihr Kampf mit den Windmühlenflügeln steht im Finale. Die konstruktive Entwicklung der Befahranlage mit geschlossener Wartungskammer ist abgeschlossen. Der Prototyp befindet sich im Aufbau. Dafür werden derzeit von Firmen in Forst, Finsterwalde und Ruhland verschiedene Komponenten hergestellt, die dann in der Werkhalle auf dem Firmengelände in Ruhland mit Antriebs- und Steuertechnik zusammengefasst werden. Die ersten Komponenten der regionalen Dienstleister werden in den nächsten Tagen erwartet. Dazu gehören das Bug- und Heckteil, Balkone sowie der Dach- und Fußbodenbereich. Für Juli und August ist ein Feldversuch geplant. Mit dem Verkauf der ersten Anlagen rechnet Geschäftsführer Holger Müller noch in diesem Jahr.

Die Idee für das geschlossene und inzwischen auch patentierte System ist in der Praxis gereift. Geschäftsführer Holger Müller hat jahrelang selbst Windkraftstandorte geplant, Räder ans Netz gebracht und später als Servicetechniker Windräder gewartet. Mit heutigen Technologien können Serviceunternehmen Rotorblätter nur bei guten Witterungsbedingungen auf offener Arbeitsplattform warten. "Trocken, staubfrei und 15 bis 25 Grad warm ist es aber nur an 80 bis 100 Tagen im Jahr", weiß Müller nach mehr als 20-jähriger Erfahrung.

Und genau an dieser Stelle setzen die Initiatoren des Projektes an: Die von ihnen entwickelte Befahranlage ermöglicht es, die Servicearbeiten an den empfindlichen Rotorblättern auch bei Regen und Kälte durchzuführen. Boden und Decke der Anlage sind wetterdicht und umschließen das Rotorblatt. Die Seitenwände können mit wenigen Handgriffen mit Wetterschutzplanen verschlossen werden, sodass eine geschlossene und beheizbare Wartungskammer entsteht. "Damit können Rotorblätter an beinahe doppelt so vielen Tagen im Jahr gewartet und repariert werden wie bisher", betont Holger Müller die messbaren wirtschaftlichen Effekte. Die in Leichtbauweise hergestellte Kammer ist ausgestattet wie eine Werkstatt mit deutlich verbesserten Arbeitsbedingungen für die Servicekräfte.

Vom technischen Konzept, das die zehn Maschinenbauingenieure von WP Systems umsetzen, zeigt sich auch die Investitionsbank des Landes Brandenburg überzeugt. Sie investiert aus dem Frühphasen- und Wachstumsfonds 0,7 Millionen Euro in das Start-up. Die Mittel stammen hauptsächlich aus dem Europä ischen Fonds für regionale Entwicklung sowie vom Land Brandenburg. Mit dem Geld kann WP Systems die Entwicklung der weltweit ersten geschlossenen Wartungskammer schneller vorantreiben. Bis zum verkaufsfertigen Produkt investiert das Maschinenbauunternehmen rund zwei Millionen Euro.

Zum Thema:
Die WP Systems GmbH ist ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen mit Sitz in Ruhland (Oberspreewald-Lausitz). Ziel des Unternehmens ist die Marktetablierung eines patentierten Rotorblatt-Wartungssystems mit einer geschlossenen Wartungskammer, die eine witterungsunabhängige Inspektion, Wartung und Reparatur von montierten Rotorblättern erlaubt. Als Versuchs- und Testzentrum für den Prototyp soll im Mai ein Turmsegment einer Windkraftanlage direkt am Firmensitz aufgestellt werden. Inklusive Rotorblattsegment wird damit eine Höhe von 15 Metern erreicht.