ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 10:40 Uhr

Vorstand schweigt zu Eon-Plänen
Bei Innogy herrscht Angst vor Jobabbau

Innogy-Chef Uwe Tigges.
Innogy-Chef Uwe Tigges. FOTO: afp
Am Montag wollen RWE und Eon ihre Pläne zur Aufteilung von Innogy unterzeichnen. Die Börse ist begeistert. Der Aufsichtsrat streitet derweil mit Ex-Chef Terium um die Abfindung. Antje Höning

Die Börse feiert die geplante Aufteilung von Innogy zwischen Eon und RWE. Die RWE-Aktie legte um über acht Prozent zu, die von Eon um über fünf Prozent und die von Innogy um über vier Prozent. Doch Innogy selbst schweigt. "Wir werden uns später in einer angemessenen Form äußern", sagte Personalvorstand Uwe Tigges, der Innogy seit dem Rauswurf von Peter Terium leitet.

Auch zu den Folgen für die 42.000 Innogy-Mitarbeiter wollte sich Tigges nicht äußern. Von ihnen dürften 15.000 Mitarbeiter, die derzeit im Vertrieb arbeiten, und 21.600, die im Netzgeschäft tätig sind, zu Eon wechseln. Denn diese Geschäfte gehen zu Eon. Im Bereich Erneuerbare Energien, der von RWE zurückgenommen wird, sind 1700 Mitarbeiter tätig. Tigges verwies darauf, dass bei möglichen Arbeitsplatzverlusten die interne Vermittlung Switch zur Verfügung steht.

Die Unruhe bei Innogy ist groß. Gerade in Verwaltung und Vertrieb bangen viele um ihre Jobs, denn bei Eon und Innogy gibt es viele Doppelfunktionen. Heute wollen RWE und Eon die Verträge zum Verkauf und der Aufteilung von Innogy unterzeichnen. Tigges sagte, der Innogy-Vorstand habe Samstagnacht von den konkreten Aufteilungsplänen erfahren.

400 Millionen Euro pro Jahr sparen

Tigges, den heute selbst starke Rückenschmerzen plagten, gilt im Konzern als Fels in der Brandung, nachdem Peter Terium als Chef gehen musste und Finanzvorstand Bernhard Günther bei einer Säureattacke vor einer Woche schwer verletzt wurde. Tigges wünschte Günther rasche Genesung und hofft auf eine baldige Aufklärung der Tat. "Wir sind mit ganzem Herzen bei ihm und seiner Familie."

Mit Terium streitet der Aufsichtsrat dagegen gerade über die Abfindung. "Bei Aufstellung des Jahresabschlusses 2017 waren die Konditionen einer vorzeitigen Aufhebung des Dienstvertrages noch nicht vereinbart, wobei die Parteien eine einvernehmliche Regelung weiterhin anstreben", heißt es im Geschäftsbericht. Vorsorglich hat Innogy eine Rückstellung gebildet. 2017 hat Terium zunächst 3,2 Millionen Euro an Vergütung erhalten.

Die Bilanz 2017 geriet über die Eon-Pläne zur Nebensache: Der Gewinn (EBIT) von Innogy erhöhte sich um 3,0 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der größte Teil kommt aus den Netzen mit 1,9 Milliarden (plus 13,8 Prozent). Im Vertrieb sank der Gewinn dagegen um 5,2 Prozent auf 800 Millionen Euro. In Großbritannien hat Innogy im vergangenen Jahr 170.000 Strom- und Gas-Kunden verloren, in Deutschland 200.000. Auch das Ökostrom-Geschäft kommt nicht voran: Hier sank der Gewinn um 1,1 Prozent auf 355 Millionen.

Innogy will nun 400 Millionen Euro pro Jahr sparen durch Streichung von Beraterkosten und anderen einmaligen Ausgaben. Ein Personalabbau soll mit diesen Sparmaßnahmen nicht verbunden sein. Doch mit der Zerlegung des Konzerns dürfte das Programm ohnehin Makulatur werden.