Für Bombardier Transportation in Görlitz ist Licht am Ende des Tunnels in Sicht: Nach einer längeren Durststrecke nimmt die Produktion allmählich wieder Fahrt auf.

In dem ostsächsischen Werk des kanadischen Schienenfahrzeugherstellers läuft bis Ende 2012 eine Welle der Kurzarbeit aus. Ab dem zweiten Quartal kommenden Jahres wird der Standort wieder nahezu komplett ausgelastet sein. "Bis Ende 2014 haben wir genügend Arbeit", sagt der Görlitzer General-Manager Eduard Janßen. Dafür sorgen Aufträge der Deutschen Bahn, der Schweizer Bundesbahn und der Israelischen Staatsbahn.

Angesichts der wieder gefüllten Auftragsbücher werde sich das Görlitzer Werk sogar Leiharbeiter bestellen müssen. Zudem sucht Bombardier dringend Softwarespezialisten und Experten für Fahrzeugsicherheit - für etwa 80 unbesetzte Ingenieurstellen.

Seit April dieses Jahres gab es in Teilen des Betriebes Kurzarbeit, doch langsam kehrten die Kollegen in die Produktion zurück, berichtet Janßen. "Im November sind noch etwa 180 der rund 1400 Beschäftigten davon betroffen."

Mit Hochdruck arbeiteten dagegen Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung, etwa an aktuellen Projekten wie dem ICx. In Kooperation mit der Siemens AG baut Bombardier die Nachfolgegeneration für den Hochgeschwindigkeitszug ICE. Janßen spricht dabei von "hoher Ingenieurkunst". "Das sind Anforderungen wie im Flugzeugbau", schätzt der Standortleiter ein. 1165 Wagen für 130 ICx-Züge hat die Deutsche Bahn zunächst bestellt. Der Großauftrag wird Bombardier und seine Geschäftspartner bis 2018 beschäftigen.

Parallel zum ICx fertigt das Werk für die Bahn 137 neuentwickelte Doppelstockwagen, erstmals für den Einsatz im Fernverkehr. Die hochwertige Ausstattung berücksichtigt auch moderne Kommunikationsbedürfnisse. "Passagiere legen immer mehr Wert auf Komfort", weiß der General-Manager. So befinden sich an vielen Stellen im Wagen Steckdosen für den Betrieb elek trischer Geräte sowie Verstärker für guten Mobilfunk-Empfang.

Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland sieht in geräumigen Wagen mit mehr Sitzplätzen und benutzerfreundlichen Informationsangeboten gute Chancen für Bahnbetreiber. In Zeiten steigender Mobilität habe die Nachfrage nach neuen Personenzügen im Inland tatsächlich zugenommen, heißt es dort.

Bombardier hält seine Doppelstockwagen für ein "Erfolgsmodell". Für deren Fertigung ist Görlitz das Kompetenzzentrum innerhalb des Konzerns, der in Deutschland neun Standorte hat. In der Produktion des Werkes an der deutsch-polnischen Grenze machten zweistöckige Wagen einen Anteil von etwa zwei Dritteln aus, sagt Janßen. "Wir fühlen uns damit gut aufgestellt." Allein auf den Strecken der Deutschen Bahn rollen etwa 2000 Wagen mit zwei Ebenen. Für die Schweizer Bundesbahn baut der Betrieb in Görlitz ab kommendem Frühjahr 59 Doppelstockzüge. Nahezu zeitgleich startet die Produktion von 72 weiteren Doppelstockwagen für Israel.