ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:33 Uhr

Beerenzeit in Brandenburg

Elly (8) ist in der Beutersitzer Gärtnerei Leske schon Stammgast beim Pflücken von Kulturheidelbeeren.
Elly (8) ist in der Beutersitzer Gärtnerei Leske schon Stammgast beim Pflücken von Kulturheidelbeeren. FOTO: M. Claus/mcl1
Elbe-Elster. Die Brandenburger stehen auf Beeren. Und die Produzenten reagieren darauf. Im Jahr 2015 bewirtschafteten 49 Betriebe eine Strauchbeerenfläche von 730 Hektar. Das sind nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums 86 mehr als im Jahr zuvor. Frank Claus und Sylvia Kunze

Im Elbe-Elster-Land verarbeitet die Sanddorn GbR in Herzberg jährlich zwischen 900 bis 1000 Tonnen und produziert daraus Rohsaft, Fruchtfleischöl, Schalen, Kerne, Konzentrat und Pulver. Das Unternehmen bezieht seine Beeren von Anbauflächen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die bei Herzberg gepflanzten Pflanzen bringen noch keinen Ertrag aufgrund des sandigen Bodens und der nicht ausreichenden Niederschläge.

"Wir nehmen alles ab"

Eine gute oder schlechte Ernte spielt für den Betrieb nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Brylka eine untergeordnete Rolle, denn "wir nehmen alles ab, was wächst". Das führt auch zu einem jährlichen Überhang von etwa 150 Tonnen, der nicht verarbeitet, sondern bloß weiterverkauft wird. Die Beeren werden in gefrostetem Zustand verarbeitet, deshalb wird auch das gesamte Jahr über produziert. Die Nachfrage ist ungebrochen. "Wir haben jährliche Steigerungsraten von zehn bis 15 Prozent", so der Chef. Hauptabnehmer sind viele kleine Mostereien. Rohsaft bezieht zum Beispiel auch die Bauer Fruchtsaft GmbH in Bad Liebenwerda. Aber auch die Lebensmittel- und Backwarenindustrie, letztere interessiert vor allem das Pulver, hat längst Sanddorn für sich entdeckt. Verkauft wird bis nach Dubai, Japan, Südkorea, Finnland und Neuseeland, wo der Rohsaft in einem Golfclub besonders gefragt ist.

Selbstpflücke in Beutersitz

Die Familiengärtnerei Leske in Beutersitz bei Bad Liebenwerda hat die Beerenzucht ebenfalls für sich entdeckt. Gegenwärtig läuft die Selbstpflücke. Auf etwa 2500 Quadratmetern Fläche werden daneben noch Johannisbeeren, Himbeeren und Aronia angebaut.

Aus der Gruppe der Strauchbeeren werden in Brandenburg Sanddorn, Aronia, Stachelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren und vor allem auch Heidelbeeren angebaut. Die Frucht mit dem botanischen Namen Vaccinium myrtillus Ericaceae hat in den letzten zehn Jahren eine steile Karriere hingelegt. Der Konsum steigt weltweit, besonders in Amerika und in Europa. In Europa hat sich der Anbau zwischen 2005 von 4000 Hektar auf 10 000 Hektar 2012 mehr als verdoppelt. Das ist vor allem auf die Flächenausdehnung in Spanien, Portugal, England, Niederlande, Polen (3000 Hektar) und Deutschland zurückzuführen. Die Weltproduktion ist im Jahr 2015 auf über 600 000 Tonnen gestiegen.

2015 wurden insgesamt 1727 Tonnen Strauchbeeren in Brandenburg geerntet. Dies entspricht einer Steigerung um zwölf Prozent gegenüber dem Jahr 2014.

Mit 166 Hektar ist die Heidelbeere die zweitwichtigste Strauchbeerenart (Sanddorn rund 330 Hektar) im Land. Aufgrund der Nachfrage erhöht sich auch hier die Anbaufläche. 61 Prozent der Strauchbeerenfläche wurden von 20 Betrieben nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Die größte Strauchbeerenobstanbaufläche liegt im Landkreis Potsdam-Mittelmark. 2015 wurden hier 326 Hektar durch 14 Betriebe bewirtschaftet.

Gesunde Kulturheidelbeeren

Um 41 Prozent ist die Fläche im Kulturheidelbeerenanbau in Brandenburg gewachsen. "Die heimischen Blaubeeren im Wald sind mit den Kulturheidelbeeren nur ganz entfernt verwandt", so Margarete Löffler vom Landesverband Gartenbau. Die Blauberren im Wald wachsen an kleinen Büschen, Kulturheidelbeeren an bis zu zwei Meter hohen Sträuchern. Kulturheidelbeeren übertreffen Margarete Löffler zufolge ihre kleinen europäischen Verwandten nicht nur in der Größe - auch ihr Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen ist zum Teil erheblich höher. "Das gilt besonders für Calcium, Magnesium und Eisen sowie für Vitamin A, B1 und B2. Auch der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen ist höher als bei anderen Früchten." Als wichtigste Heilwirkungen der Heidelbeere werden die Stärkung des Immunsystems, Verzögerung des Alterns, positive Wirkung auf das Sehvermögen sowie eine regulierende Wirkung bei Magen- und Darmerkrankungen angesehen. Auch auf die Senkung des Cholesteringehalts sollen sie einen positiven Einfluss haben.