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| 07:48 Uhr

Leverkusen
Bayer geht im Kerngeschäft die Luft aus

Leverkusen. Bei der Monsanto-Übernahme ist der Konzern auf der Zielgeraden. Doch Lieferausfälle in Leverkusen, Probleme bei rezeptfreien Arzneien und der starke Euro lassen Umsatz und Gewinn sinken. Zugleich steigt Bayer bei Covestro aus. Antje Höning

Die Übernahme des US-Konzerns Monsanto rückt näher. Doch Lieferausfälle in Leverkusen, Probleme bei rezeptfreien Arzneien und der starke Euro lassen Umsatz und Gewinn sinken. Zugleich steigt Bayer bei Covestro aus.

Bei der Übernahme von Monsanto ist Bayer auf der Zielgeraden. Doch im operativen Geschäft werden die Leverkusener kurzatmig. Der Gewinn fiel im ersten Quartal um 5,2 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um 5,6 Prozent auf 9,1 Milliarden. Bayer muss die Prognose kassieren und erwartet nun für das Gesamtjahr Rückgänge. Bayer verweist auf den starken Euro, daneben gibt es viele hausgemachte Probleme.

Bayer bekommt die Schwierigkeiten bei rezeptfreien Arzneien (Consumer Health) nicht in den Griff. Hier brach der Gewinn gar um 20 Prozent ein. Bis heute ist Bayer die Integration des vom US-Konzern Merck übernommenen Geschäfts mit Marken wie Dr. Scholl's nicht gelungen. Nun ging der Umsatz des Sonnenschutzmittels Coppertone zurück. Divisions-Chefin Erica Mann hat zum 1. März die Koffer gepackt, jetzt soll es Heiko Schipper richten. Die Probleme lassen Analysten an der Fähigkeit von Bayer zweifeln, große Zukäufe auch integrieren zu können. Merck war 2014 mit zehn Milliarden schon ein großer Fang. Doch Monsanto ist mit 59 Milliarden Euro ungleich größer.

Zudem sorgen Lieferausfälle beim Anti-Pilz-Mittel Canesten für deutliche Umsatzrückgänge. Hintergrund sind Schlampereien im Leverkusener Pharma-Werk, die die US-Gesundheitsbehörde FDA 2017 festgestellt hat und die Bayer nun beheben muss. Der Konzern hat bereits angekündigt, dass ihn die Ausfälle insgesamt 300 Millionen Euro Gewinn kosten werden. Neben Canesten sind das Potenzmittel Levitra und der Blutdrucksenker Adalat Oros von den Ausfällen betroffen.

Aber auch im Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneien (Pharma ceuticals) musste Bayer den ersten Gewinnrückgang seit vier Jahren verkraften. Der Umsatz des Krebsmittels Nexavar ging ebenso zurück wie vom Blutgerinnungsmittel Kogenate, vom Multiple-Sklerose-Mittels Betaferon und Yasmin-Verhütungspillen. Auch in der Agrochemie, die Bayer durch Monsanto zum Schwergewicht ausbauen will, sank der Gewinn weiter auf eine Milliarde. Hier schwächelt vor allem das Brasilien-Geschäft.

Die Zahlen zeigten ein gemischtes Bild, so Bernhard Weininger, Analyst bei Independent Research. Er rät, die Aktie zu halten mit dem Kursziel 102 Euro. Gestern dümpelte sie bei 99 Euro vor sich hin.

Bayer-Chef Werner Baumann suchte die Flucht nach vorn: "Strategisch sind wir gut vorangekommen und haben bei der Übernahme von Monsanto große Fortschritte gemacht." Bayer habe zwei Drittel der rund 30 kartellrechtlichen Freigaben erreicht. So geben die EU, Brasilien, China und Russland grünes Licht. Mit den USA soll es laut Branchenkreisen eine grundsätzliche Übereinkunft geben.

Zugleich sammelt Bayer weiter frisches Geld ein. In der Nacht warf der Konzern 29 Millionen Covestro-Aktien auf den Markt. Das entspricht einem Anteil an der Kunststofftochter von 14,2 Prozent und soll Bayer 2,2 Milliarden Euro einbringen. Damit hält Bayer nur noch einen Anteil von knapp sieben Prozent an Covestro, mit dem eine 2020 fällige Umtauschanleihe bedient werden soll. Diesen Anteil hat Bayer zuvor von seinem Pensionsfond erworben, der nun seinerseits keine Covestro-Aktien mehr besitzt. Damit sind die Kunststoffe für Bayer endgültig Geschichte.

Baumann will am 25. Mai mit einer geschlossenen Akte nach Bonn reisen. Dann muss er sich den Aktionären bei der Hauptversammlung stellen. Ursprünglich wollte Bayer den Deal schon 2017 abschließen. Seit einiger Zeit lautet die Devise: "im zweiten Quartal 2018". Theoretisch könnte Monsanto den Vertrag sogar kündigen, wenn die kartellfreigaben nicht bis zum 14. Juni vorliegen. Doch das erwartet in Leverkusen keiner.