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Bautzens höchster Turm fällt

Wird bald fallen: Die Tage des 110 Meter hohen Schornsteins des Heizkraftwerkes am nördlichen Stadtrand von Bautzen sind gezählt, genau wie die der gesamten Anlage.
Wird bald fallen: Die Tage des 110 Meter hohen Schornsteins des Heizkraftwerkes am nördlichen Stadtrand von Bautzen sind gezählt, genau wie die der gesamten Anlage. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Bautzen. Reichenturm, Lauenturm, Alte Wasserkunst – Bautzen wird oft als Stadt der Türme bezeichnet. Der erste "Turm", den die meisten Besucher der Stadt jedoch sehen, hat eine Höhe von 110 Metern und gilt nicht als touristische Sehenswürdigkeit. Uwe Menschner / ume1

Und in absehbarer Zeit wird er verschwinden.

Als im August 1981 der erste Dampfkessel in Betrieb genommen wurde, ahnte wohl niemand, dass dem für die damalige Zeit beispielgebenden Heizwerk im Bautzener Ortsteil Teichnitz nur eine Lebenszeit von 36 Jahren beschieden sein würde. Im Laufe dieser Jahrzehnte prägte sich das Bild des hohen Schornsteins, der die Anlage und das benachbarte Betonfertigteilwerk überragt, sowohl Bautzenern als auch Besuchern der Stadt als unverwechselbare Landmarke ein.

Doch die Zeiten ändern sich. Die Verfeuerung von Kohlestaub zur Wärmeerzeugung, wie sie in Teichnitz praktiziert wird, gilt nicht mehr als Stand der Technik. Deshalb entschlossen sich die Energie- und Wasserwerke Bautzen (EWB) im Jahr 2012, die Fernwärmeversorgung selbst in die Hand zu nehmen und ein eigenes Blockheizkraftwerk auf der Basis von Gas zu errichten. Dieses ging unlängst in Betrieb.

Damit einher geht aus Sicht der EWB "die komplette Unabhängigkeit von dem durch die Energieversorgung Sachsen Ost GmbH (Enso) betriebenen Heizwerk Teichnitz", wie Sprecherin Kerstin Juras bereits 2013, kurz nach Bekanntwerden der Pläne, erklärte. Mit anderen Worten: Das Heizwerk, dessen bei Weitem wichtigster Abnehmer die EWB waren, wird nicht mehr benötigt.

"Das Heizkraftwerk Bautzen-Teichnitz ist außer Betrieb gegangen, aber grundsätzlich wieder anfahrbar", bestätigt Birgit Freund von der Pressestelle der Enso. Bis Ende 2017 verbleibt das Werk gemäß dem noch geltenden Liefervertrag demnach in "kalter Reserve" für die EWB. So soll es beispielsweise bis zum 10. Februar noch einmal in Betrieb gehen und Wärme an das Bautzener Fernwärmenetz, das circa 6500 Wohnungen versorgt, liefern.

Von den ehemals 16 Mitarbeitern sind laut Birgit Freund noch vier in Teichnitz tätig: "Sie kümmern sich um die Anlagen- und Standortsicherung, um die Betriebsführung benachbarter Enso-Anlagen sowie um die Vorbereitung und Begleitung der Rückbaumaßnahmen." Und diese sollen im Jahr 2018, nachdem der Liefervertrag mit der EWB endgültig ausgelaufen ist, beginnen.

Birgit Freund erläutert: "Der Rückbau beginnt mit den kraftwerksspezifischen Anlagen und Gebäuden, unter anderem Dampferzeuger und Kesselhaus. Der detaillierte Ablauf- und Zeitplan, der sich am Abbruch- und Entsorgungskonzept orientiert, wird gegenwärtig erarbeitet." Einige Gebäude sollen laut Freund jedoch am Standort verbleiben und weiterhin genutzt werden -- beispielsweise die bisherigen Funktionsgebäude mit Sozial- und Büroräumen, Werkstätten, Garagen und Hallen. "Diese sollen auch Dritten zur Nachnutzung angeboten werden."

Wann der "höchste Turm von Bautzen" mit dem Rückbau an der Reihe ist und mit welcher Technologie das erfolgt, steht noch nicht fest. "Eine Sprengung wird es aber wahrscheinlich nicht geben, sondern einen maschinellen Rückbau. Dadurch können anfallende Reststoffe, Abfälle und Bauschutt besser separiert werden", sagt Birgit Freund.

Von den 16 Enso-Mitarbeitern am Standort ist keiner arbeitslos geworden: "Vier arbeiten noch in Teichnitz, die anderen haben Stellen in anderen Unternehmensbereichen, bei der Dresdner Drewag und bei der EWB angetreten", so Birgit Freund.