Die Tengelmanntochter Obi verspricht Kunden, die bei der Konkurrenz einen Artikel zu einem günstigeren Preis finden, die Erstattung des Differenzbetrages. Zusätzlich gibt es fünf Euro "als Entschädigung für Ihre Mühe". Mit ähnlichen Versprechen locken auch andere Mitstreiter. Globus Baumarkt wirbt mit "null Prozent Finanzierung auf alles ab einem Gesamteinkaufswert von 249 Euro".

Harter Verdrängungswettbewerb
"Der Markt ist gesättigt. Es herrscht ein harter Verdrängungswettbewerb", beobachtet das Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg. "Doch so schlimm wie jetzt war es noch nie", betont Branchen-Experte Helmut Stahlberg. Umsatzzuwächse werden fast nur noch im Ausland erreicht. In Deutschland stagniert das Geschäft mit den Bohrmaschinen und Kettensägen.
Die seit Jahren andauernde Krise im Einzelhandel geht auch an Obi & Co. nicht spurlos vorüber. Selbst die TopMärkte geraten bei Preis und Leistung unter Zugzwang, analysiert die Mercer Management Consulting. Wachstum werde nicht mehr über die Nachfrage der Kunden erzielt. Zudem sei in den vergangenen Jahren viel zu viel Verkaufsfläche entstanden. Sie liegt derzeit bei zwölf Millionen Quadratmeter. Laut Gfk hat Deutschland europaweit die höchste Dichte an Bau- und Heimwerkermärkten.
Zu den großen Ketten gehören Obi (rund fünf Milliarden Euro Umsatz) Praktiker, Bauhaus, Hornbach, Zeus (hagebau, werkmarkt), toom, Marktkauf, Globus Baumarkt und Max Bahr. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten sie rund 17,7 Milliarden Euro Umsatz, gerade einmal 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr und gut 80 Prozent des gesamten Branchenumsatzes. Vor 15 Jahren wuchs die Branche zweistellig. Derzeit machen die Unternehmen kaum noch Gewinn. Das enorme Flächenwachstum drückt zudem auf die Margen.
2005 wurden gemäß dem Branchenmagazin "diy" 104 neue Baumärkte eröffnet. Damit stieg die Zahl der Standorte im Inland von 4183 auf 4219. Im Ausland erhöhten die Unternehmen die Zahl ihrer Filialen um 63 auf 590. Spätestens 2015 könnte es in Deutschland nur noch drei große Baumarktketten geben, vermutet der Wirtschaftsprüfer Ernst&Young. In den kommenden Jahren werde der über Preis und Fläche ausgetragene Verdrängungswettbewerb noch härter.
Dennoch: Die meisten Unternehmen wollen weiter expandieren. Viele sehen Potenzial in Märkten mit Verkaufsflächen von mehr als 10 000 Quadratmetern. Dabei wäre eher ein Abbau der Flächen um mindestens 30 Prozent nötig, sagen Experten.

Neue Strategien
Einige Unternehmen ändern ihre Strategie. Der Branchenvierte Hornbach setzt mehr auf Service und ein großes Sortiment. "Der Wettbewerb dauerhaft über den Preis wird nicht möglich sein", sagt ein Konzernsprecher. Die frühere Metrotochter Praktiker ist offen für Zukäufe. Diese müssten aber betriebswirtschaftlich sinnvoll sein. "Wir machen den Flächenwahnsinn nicht mit", verkündet Praktiker-Chef Wolfgang Werner. Schon seit 2000 dünnt der Konzern sein Filialnetz aus.
Branchenführer Obi will hingegen weiter expandieren. Außer neuen Häusern sei auch die Übernahme eines Wettbewerbers denkbar, betont Unternehmenschef Sergio Giroldi. In vier Jahren will er 600 Baumärkte betreiben, das wären gut 100 mehr als heute.