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BASF legt noch eine Schippe drauf

Schwarzheide. Nach dem Krisenjahr 2009 hat die BASF Schwarzheide GmbH (Oberspreewald-Lausitz) zum zweiten Mal in Folge die Milliardengrenze beim Umsatz nicht nur übersprungen. Das Unternehmen legte noch einmal um sechs Prozent auf 1,064 Milliarden Euro zu. Die Prognose für 2012 falle „eher zuversichtlich“ aus. Von Manfred Feller

„Wir werden uns nicht ausruhen, sondern den Standort stetig weiterentwickeln“, sagt Dr. Karl Heinz Tebel, Vorsitzender der Geschäftsführung, mit Blick auf das aktuelle Geschäftsjahr. Im Vorjahr hatte das Unternehmen seine Investitionen in die Instandhaltung und Erweiterung der vorhandenen Anlagen um 17 auf 81 Millionen Euro nach oben geschraubt. So viel wie schon lange nicht.

Die Wachstumsdynamik, die sich im zweiten Halbjahr aufgrund der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten abgeschwächt hatte, spiegele sich auch in der Auslastung der Anlagen wider. Sie lag bei 90 Prozent und damit höher als im Jahr zuvor.

Erstmals seit Jahren ist die Anzahl der Beschäftigten nicht gesunken, sondern leicht auf 1785 gestiegen. Noch mehr schlägt die Ansiedlungsinitiative der BASF in Schwarzheide durch. Eigene Gruppengesellschaften und Drittfirmen haben ihre Mitarbeiterzahl binnen eines Jahres von 454 auf 620 erhöht. Die Dienstleister und Leasingkräfte dazu gerechnet, stehen heute im Unternehmen und dessen direktem Umfeld nicht weniger als 3400 Beschäftigte in Lohn und Brot.

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zählt die Brandenburger Chemieindustrie heute etwa 4500 Beschäftigte und stellt damit jeden neunten Arbeitsplatz in der Industrie. Die Chemie- und Kunststoffindustrie im Bundesland erwirtschafte jeden achten Euro Umsatz, den das verarbeitende Gewerbe erzielt.

Der BASF-Standort Schwarzheide werde seinen Kurs fortsetzen und die Chancen nutzen, die sich aus der strategischen Positionierung des Gesamtkonzerns ergeben, so Tebel weiter. Ob dabei Investitionen für die Lausitz herausspringen, lässt er offen. Schwarzheide stehe hierbei „in einem intensiven Wettbewerb mit allen anderen BASF-Standorten weltweit“.

Den Kürzeren zieht Schwarzheide jedoch durch die im Vorjahr gefallene Entscheidung, am Stammsitz in Ludwigshafen für etwa eine Milliarde Euro eine neue, deutlich größere und kosteneffizientere Produktionsanlage für das Kunststoffvorprodukt TDI errichten zu wollen. Die Schwarzheider Anlage solle 2015 stillgelegt werden. Tebel geht davon aus, dass ein Drittel der 300 Mitarbeiter über Altersregelungen ausscheiden werde. Für alle anderen sollen in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern Lösungen vorgeschlagen werden. Diese heißen Qualifizierung und Einsatz an anderer Stelle in Schwarzheide oder weiteren Konzernstandorten.

Um Schwarzheide zukunftssicher aufzustellen, werden nach Aussage des neuen Arbeitsdirektors Dr. Colin von Ettingshausen nicht nur die hohe Ausbildungsquote von annähernd zehn Prozent beibehalten und Schulen in der Region unterstützt, sondern auch die eigenen Beschäftigten qualifiziert und massiv in die Gesundheitsförderung investiert. So könne sich jeder Mitarbeiter einmal jährlich beim Betriebsarzt freiwillig einem umfangreichen Check unterziehen.

Zur Zukunftssicherung gehören für Tebel auch gut ausgebildete Absolventen von Hochschulen und Universitäten. „Allein qualitative Maßstäbe“ zählen für ihn angesichts der derzeitigen Hochschuldebatte in Branden burg.