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| 20:33 Uhr

Energiebranche
Bank durchkreuzt Eon-RWE-Deal

Düsseldorf. Eon und RWE treffen auf unerwartetes Störfeuer bei der Zerschlagung von Innogy. Denn plötzlich taucht ein neuer Bieter auf, der sich für Teile von Innogy interessiert.

Eon und RWE treffen auf unerwartetes Störfeuer bei der Zerschlagung von Innogy. Denn plötzlich taucht ein neuer Bieter auf, der sich für Teile von Innogy interessiert.

Die australische Investmentbank Macquarie will von Innogy das tschechische Netz- und Vertriebs-Geschäft und einen Windpark vor der englischen Küste übernehmen, wie es in Branchenkreisen heißt. Innogy bestätigt den Namen nicht, hat aber zuvor erklärt, ein Interessent für das tschechische und ein "bestimmtes anderes Geschäft" erhielten nun Einblick in die Bücher.

Macquarie hält bereits knapp 50 Prozent am tschechischen Netz und ist am Windpark Galloper beteiligt. Die Australier wollten eine Klausel nutzen, wonach sie bei einem Eigentümer-Wechsel (wie dem Verkauf von Innogy an Eon) ein Vorkaufsrecht haben, hieß es in der Branche.
Es geht nicht um Kleingeld. Innogy hat in Tschechien 1,3 Millionen Gas- und Stromkunden, allein das dortige Gasnetz ist 1,7 Milliarden Euro wert. Sollte Innogy tatsächlich an Macquarie verkaufen, müsste der Eon-RWE-Deal neu aufgeschnürt werden, meint die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Und so gibt es für den Vorgang zwei Lesarten in der Branche: Nach der einen nutzt Innogy die Anfrage von Macquarie, um Druck auf Eon auszuüben. Eon und RWE haben im März zum Entsetzen von Innogy vereinbart, das junge Unternehmen zu zerschlagen und unter sich aufzuteilen. Eon übernimmt das Netz- und Vertriebsgeschäft mit 37.000 Mitarbeitern. Konzernchef Johannes Teyssen hat bereits angekündigt, danach bis zu 5000 der 78.000 Stellen in der neuen Eon zu streichen. Derzeit ringt man um die Konditionen. Der Innogy-Betriebsrat fordert einen verbindlichen Ausschluss von Kündigungen und die Übernahme aller Rechte. Eon wird sich das nur teuer abhandeln lassen.

Nach der anderen Lesart fährt Innogy einen destruktiven Kurs, zu dem sich Vorstandschef Uwe Tigges habe von internen Beratern drängen lassen. Innogy mache mit der Öffnung der Bücher ein unnötig großes Ding aus der Anfrage der Australier. Das gefalle auch RWE nicht. Am Ende könne Innogy ohnehin nichts gegen den Willen des Großaktionärs RWE unternehmen, der 76,8 Prozent an Innogy hält. RWE versicherte, man werde den Deal mit Eon planmäßig weiterverfolgen. Eine Veräußerung von Innogy in vielen Einzelteilen sei für RWE keine Alternative.