Eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von derzeit 28,8 Stunden auf 35 Stunden sei nicht diskutiert worden, unterstrich Pischetsrieder. Eine Vertragsverlängerung für den Konzernchef steht nun offenbar nicht mehr in Frage.

Verluste bei Seat
Die Vorschläge der Konzernleitung seien vom Aufsichtsrat "zustimmend zur Kenntnis genommen worden", sagte der VW-Chef weiter. Sie sollten nun weiter mit Belegschaft und IG Metall verhandelt werden. Die Sanierungspläne betreffen nach Angaben des Konzerns insbesondere die Kernmarke Volkswagen, aber auch die Marke Seat. Die Kernmarke VW war im vergangenen Jahr nur knapp an den roten Zahlen vorbeigeschrammt. Die spanische Tochter Seat schreibt trotz Milliarden-Sanierungskosten weiter Verluste.
Zu dem geplanten Stellenabbau wollte sich Pischetsrieder nicht weiter äußern. Offiziell stehen bei Volkswagen 20 000 Stellen auf dem Prüfstand. Experten gehen jedoch von deutlich höheren Zahlen aus. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte gestern unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtet, es seien sogar fast die Hälfte der insgesamt gut 100 000 Arbeitsplätze in den sechs deutschen VW-Werken überflüssig.
Pischetsrieder widersprach lediglich Spekulationen über eine Schließung des belgischen Werkes in Brüssel mit rund 5700 Mitarbeitern: "Das haben wir nicht vorgeschlagen, ich kann die Kollegen dort beruhigen." VW fertigt in dem Werk im Brüsseler Vorort Forest den Golf. Der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt hatte sich zuvor nach eigenen Angaben persönlich bei Pischetsrieder für den Erhalt der Arbeitsplätze eingesetzt.
In der umstrittenen Frage des Vertrags von Konzernchef Pischetsrieder geht Aufsichtsratschef Piëch nun offenkundig doch von einer Verlängerung aus: "Das würde ich so sehen", unterstrich er. Erwartet wird, dass der Aufsichtsrat dies auf seiner Sitzung am 2. Mai beschließt, einen Tag vor der Jahreshauptversammlung in Hamburg. Piëch hatte die Verlängerung zuvor öffentlich in Frage gestellt.

Neues Montagewerk in Russland
Zugestimmt hat der VW-Vorstand den Plänen des Vorstandes, in Russland ein neues Montagewerk in der Region Moskau zu bauen. Dort sollen künftig rund 115 000 Fahrzeuge alleine für den russischen Markt produziert werden. In Deutschland würden hierdurch Arbeitsplätze durch die Zulieferung von Teilen gesichert, unterstrich der Konzern. Dem "Handelsblatt" zufolge könnten die Verträge über einen Baubeginn bereits in der kommenden Woche bei dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim russischen Präsidenten Wladimir Putin unterschrieben werden. Demnach entstehen in Russland bis zu 3500 Arbeitsplätze. Im Gegenzug will VW erreichen, dass die Russen die hohen Importzölle deutlich senken. (AFP/sh)