Die lang gestreckte Halle auf dem Werkstattgelände des Verkehrsbetriebes (VB) Cottbus der Deutschen Bahn (DB) hat im Sommer 2011 einen unscheinbaren Neubau erhalten. Doch mit dem, was sich im Inneren verbirgt, wollen die Eisenbahner einem kalten Winter einheizen.

In der Halle, in der an normalen Tagen Züge gewaschen werden, soll mit zusätzlichen Gasturbinen in frostigen Zeiten Eispanzern an Lokomotiven und Reisezugwagen Dampf gemacht werden. Mit einer Leistung von immerhin 800 KW und den bereits vorhandenen Heizanlagen sollen im Halleninneren Temperaturen von 30 bis 40 Grad erreicht werden, die die Züge in möglichst kurzer Zeit tauglich machen für Wartung und Instandsetzung von Bremsen, Kupplung und Fahrgestellen.

Reiner Breuer, der im Cottbuser Verkehrsbetrieb der DB Regio Nordost das Funktionieren der Anlagenbetriebe verantwortet, ist optimistisch, dass die Bahn Schnee und Frost besser die Stirn bieten kann als früher. „Einen dritten Winter wie in den beiden Jahren zuvor können wir uns nicht leisten“, sagt der Eisenbahner, der schon 44 Jahre Bahnerfahrung auf dem Buckel hat. „Wir haben versucht, uns auf Witterungsunbilden einzustellen, denen wir bisher recht nackig gegenüber gestanden haben“, so seine Einschätzung. Noch sei alles nur „Trockentraining“, sagt Breuer. „Wie groß der Erfolg ist, wird sich erst im Winter zeigen.“

Die DB Regio Nordost mit ihren Verkehrsbetrieben Cottbus, Berlin und Hanse Rostock betreibt große Teile des Schienenverkehrs zwischen der Lausitz und der Ostsee. Nicht nur am Hauptsitz des Verkehrsbetriebes in Cottbus, sondern auch an den Einsatzstellen in Frankfurt (Oder), Elsterwerda, Falkenberg und Senftenberg sind nach Angaben von VB-Sprecher Christian Hocke umfangreiche Vorbereitungen getroffen, damit die Kunden im Winter durch ausbleibende oder ungeheizte Züge keine kalten Füße bekommen. In Frankfurt (Oder) wird ab Mitte Dezember über ein Gleis ein Zelt mit vier Auftauturbinen gespannt. Zusätzlich stehen laut Hocke mobile Warmluftkanonen bereit. Bei Bedarf werden zusätzlich jeweils 15 Eisenbahner rund um die Uhr vor allem in Cottbus im Einsatz sein, um die Infrastruktur im Bereich der Werkstatt befahrbar zu halten.

Von den 330 Millionen Euro, die die Bahn bis 2015 konzernweit in Qualität und Service investieren will, landen nach Bahnauskunft jährlich etwa fünf Millionen Euro in der hiesigen Region.

„Einsteigen, hinsetzen, losfahren und wohl fühlen, das erwarten die Fahrgäste von DB Regio“, sagt Hocke. Dass man von der Erfüllung solcher Wünsche noch ein ganzes Stück entfernt ist, hat ein renommiertes Meinungsforschungsinstitut der Bahn erst jüngst ins Kundenbuch geschrieben. Mit der Sicherheit in Zügen vor allem nach Einbruch der Dunkelheit und mit dem inneren Zustand wie Heizung, dichte Türen und Fenster oder sauberen Sitzbezügen sind demnach nur 60 bis 70 Prozent der Reisenden zufrieden. Der Zustand von Toiletten steigt oft mehr als der Hälfte der Fahrgäste unangenehm in die Nasen. Seit Februar 2011, sagt Hocke, habe die Bahn kräftig am Image poliert: 114 Wagen von Graffitis befreit und lackiert, eben so viele von innen saniert und mehr als 100 Toiletten mit Farbe, Spiegeln, WC-Sitzen erneuert. In Zügen gebe es inzwischen Kundenbetreuer und für kleinere Instandhaltungsarbeiten Wagenmeister. Dank einer mobilen Reparaturwerkstatt könnte bei kleineren Schäden vor Ort schneller Abhilfe geschaffen werden.

Nun müssen nur noch der Winter und ein Teil der Fahrgäste mitspielen, damit es besser rollt als in der Vergangenheit. Denn, so sagt der Cottbuser Werkstattmeister Gerd Behrendt, „der größte Schaden im Inneren der Züge wird durch Chaoten verursacht“. Pro Jahr kämen da gut und gerne eine halbe Million Euro zusammen. Gerade nach Fahrten zu Fußballspielen „kommen die Züge oft nicht so wieder, wie wir sie angeboten haben“.