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| 02:37 Uhr

Autobahnen für das Handwerk

Ministerpräsident Dietmar Woidke (Mitte), Handwerkskammer-Präsident Peter Dreißig (li.) und Knut Deutscher, Geschäftsführer der Handwerkskammer, beim Neujahrsempfang der Kammer.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (Mitte), Handwerkskammer-Präsident Peter Dreißig (li.) und Knut Deutscher, Geschäftsführer der Handwerkskammer, beim Neujahrsempfang der Kammer. FOTO: A. Brinkop
Cottbus. Vom Luther-Jahr 2017 und den 95 Thesen des Reformators bis zur Digitalisierung im Handwerk und der Brückentechnologie Braunkohle in der Lausitz – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft haben den Neujahrsempfang der Handwerkskammer (HWK) Cottbus geprägt. Christian Taubert

Es war eine launige Rede, die Südbrandenburgs HWK-Präsident Peter Dreißig am Mittwochabend beim Neujahrsempfang seiner Kammer vor mehr als 400 Gästen hielt. "Keine Sorge", überraschte er sie mit einem Verweis auf das Luther-Jahr 2017. "Ich werde mit Ihnen jetzt nicht die 95 Thesen im Detail durchgehen. Aber einige Ideen, wie wir unser Land verbessern können, habe ich schon."

So wandte er sich an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und sein rot-rotes Kabinett, als er vor dem Hintergrund sprudelnder Steuereinnahmen betonte, "dass besonders in die Infrastruktur mehr Mittel fließen müssen". Dabei legte der HWK-Präsident den Finger nicht nur in die Wunde des Ausbaus auf Straße und Schiene im Süden des Landes. "Funklöcher bremsen unsere Unternehmen aus", erklärte er, wofür dringend mehr Geld benötigt werde.

Dreißig hielt ein Plädoyer für die Digitalisierung und betonte, dass das Handwerk auf einen flächendeckenden Breitbandausbau und Netzneutralität angewiesen sei. "Es kann nicht sein, dass unsere Betriebe insbesondere in ländlichen Regionen im Schneckentempo surfen müssen, während woanders die Post abgeht", sagte Dreißig. "Wir wollen die Chancen nutzen, die sich aus diesem Megatrend ergeben."

Im Beisein der Minister Martina Münch (Wissenschaft), Albrecht Gerber (Wirtschaft) und Karl-Heinz Schröter (Inneres/alle SPD) von Lausitzer Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie Vertretern zahlreicher Spitzenverbände schwenkte er sodann auf die "schnellen Autobahnen in der realen Welt" ein und verwies auf rund 3,6 Milliarden Euro, die Brandenburg aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 erhält. Das reiche aber nicht. Denn der Süden müsse auf eine gut ausgebaute Verkehrsanbindung in Richtung Leipzig ebenso warten wie auf den durchgängig elektrifizierten zweigleisigen Ausbau der Strecke Görlitz-Cottbus-Berlin.

Trotz der Forderungen, die die Südbrandenburger in Richtung Potsdam haben - der Regierungschef wertet die seit Jahren erfreuliche Entwicklung und die untrüglichen Statistiken auch als "ein Stück Bestätigung für die Arbeit, die die Landesregierung als Partner von Betrieben, Kammern und Innungen leistet".

So betonte Dietmar Woidke, dass er fest davon überzeugt sei: Die beste Unterstützung für ein leistungsstarkes und gesundes Handwerk sei immer noch diejenige Politik, die nicht nischenweise kleckert, sondern das große Ganze im Auge behält. Die soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Wohlstand unter einen Hut bekommt.

Der Regierungschef sagte aber auch, dass nicht alles golden sei, was glänzt. Egal ob bei der Suche nach dem passenden Azubi, bei der Besetzung freier Stellen für Facharbeiter oder bei der längerfristigen Planung der Unternehmensnachfolge: Wie in der Industrie, im Dienstleistungsgewerbe oder in der öffentlichen Verwaltung mache der akute Mangel an geeignetem Personal auch vor dem Handwerk nicht halt - regional flächendeckend und quer durch die Zünfte.

Nicht zuletzt waren sich Woidke und Dreißig einig, dass im Süden die Zeit der Brückentechnologie Braunkohle genutzt wird, um mit dem fortschreitenden Strukturwandel Perspektiven für die Zeit nach der Kohle zu entwickeln.