„Der Aufschwung hat alle Branchen erreicht“, erklärt HWK-Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher. Das spiegelt sich in den Geschäftserwartungen wider: So blicken 90 Prozent der Handwerksbetriebe optimistisch in die Zukunft.

Dabei scheint ein psychologischer Effekt eine Rolle zu spielen. Analystin Manja Bonin von der Kammer: „Die Unternehmen haben mit viel stärkeren negativen Auswirkungen gerechnet. Deshalb fällt insbesondere die Einschätzung von Ertrags- und Umsatzlage positiver aus, als es vor der Krise der Fall gewesen wäre.“

Analog zur Geschäftsentwicklung erholen sich auch die Umsätze seit dem Frühjahr 2010. So verzeichnen derzeit 70 Prozent der Unternehmen steigende oder zumindest gleich bleibende Umsätze. Belastet werden sie aber weiterhin durch niedrige Verkaufspreise. Aber auch hier gibt es eine positive Tendenz. 30 Prozent der befragten Unternehmen konnten höhere Preise bei ihren Kunden durchsetzen. Hier profitieren insbesondere das Kfz- und Bauhauptgewerbe. „Trotzdem bleibt die Ertragslage in vielen Unternehmen weiter unbefriedigend“, weiß Manja Bonin.

Damit ist die deutliche Zurückhaltung bei den Investitionen erklärbar. Im Vordergrund stehen bei den Betrieben zurückgestellte Ersatzinvestitionen. Das ist bei 60 Prozent der Fall. Doch immerhin ein knappes Drittel planen ihre Kapazitäten zu erweitern. „Das historisch niedrige Zinsniveau dürfte die Entwicklung begünstigen“, sagt Manja Bonin.

Die positive Geschäftsentwicklung im Handwerk wird sich nach Einschätzung von HWK-Chef Deutscher wenig auf den Arbeitsmarkt auswirken. „Die meisten Betriebe haben ihre Mitarbeiter auf Kosten der Ertragskraft auch während der Krise gehalten, um ihre Fachkräfte zu sichern“, erklärt er. „Sie werden ihre Mitarbeiter jetzt wieder voll auslasten und weniger neue Beschäftigte einstellen.“

Baugewerbe: Trotz der auslaufenden Konjunkturprogramme und des frühen Wintereinbruchs erweist sich das Baugewerbe wie bereits im Frühjahr 2010 als Motor des Aufschwungs. So bewertet die Branche ihre Geschäftslage mit 94 Prozent überdurchschnittlich gut. Diese Einschätzung dürfte dem erhöhten Auftragsbestand geschuldet sein. Die Betriebe sind derzeit elf Wochen im Voraus ausgebucht. Maßgeblich getragen wird der Aufwärtstrend durch den moderat steigenden Wohnungsbau, auf den knapp 60 Prozent der Aufträge entfallen.

Gewerblicher Bedarf: Die von der Krise am stärksten getroffene Branche erholt sich langsam. So vermeldeten 91 Prozent zumindest eine zufriedenstellende Geschäftslage. Die Betriebe erwarten in diesem Jahr wieder mehr positive Impulse aus der Binnenwirtschaft und dem Ausland.

Kfz-Gewerbe: Die Branche ist weiterhin zurückhaltend. Jedoch bewerten 18 Prozent der Betriebe ihre Lage mit gut. Getragen wird dies durch das Auftragsplus von 41 Prozent. Zudem zeigt sich bei den Verkaufspreisen eine Stabilisierung. „Die Rabattschlachten sind durch“, sagt Knut Deutscher. Im Neuwagengeschäft wird mit einem Plus gerechnet. Gedämpft werden könnte die Entwicklung aber von den hohen Spritpreisen.

Nahrungsmittelgewerbe: 88 Prozent sind mit der aktuellen Lage zufrieden. Immerhin ein Drittel der Bäcker, Konditoren und Fleischer berichtet von steigenden Umsätzen. Dabei setzen sie auf eine steigende Kaufkraft der Kunden. Doch die Ertragslage ist nicht überall positiv. „Sorgen bereiten der Branche die anziehenden Rohstoff- und Energiepreise“, so Deutscher. Diese könnten nicht von allen Unternehmen aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks mit Discountern und Tiefkühlkost an die Kunden weitergereicht werden.

Gesundheitsgewerbe: Das Geschäftsklima hat sich nach einem bescheidenen Umsatzzuwachs von zwei Prozent im Jahr 2010 leicht verbessert. Gestützt wird die Lage von der höheren Kaufbereitschaft im Privatbereich und der stärkeren Nachfrage durch die älter werdende Bevölkerung.

Dienstleistungen: Friseure, Schneider, Schuh- und Uhrmacher beurteilen ihre Geschäfte als relativ stabil. Die Unternehmen setzen auf eine anziehende Nachfrage privater Haushalte. 76 Prozent sind mit dem Geschäftsklima zufrieden.