Die mittelständischen Unternehmen werden 2015 nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) deutlich weniger neue Jobs schaffen als in den Vorjahren. Der Verband rechne mit rund 100 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen im Mittelstand, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Welt" vom Montag. Zuletzt seien es jedoch "immer mindestens 200 000" gewesen. Als Grund hätten viele kleinere und mittelgroße Betriebe wachsende Unsicherheiten wegen der internationalen Krisen oder der heimischen Wirtschaftspolitik genannt, sagte Wansleben. Insgesamt beteiligten sich an der jüngsten DIHK-Konjunkturumfrage 28 000 Firmen.

Der anhaltende Ukraine-Konflikt dürfte die Exporte nach Russland laut DIHK um bis zu ein Fünftel verringern. In der Eurozone hinterlasse außerdem die schwache Entwicklung in Frankreich und Italien Spuren.

Auch mit Blick auf die Lage in Deutschland würden die Unternehmen bei Neueinstellungen vorsichtiger: "Zu den bereits beschlossenen Belastungen aus dem Koalitionsvertrag wie gesetzlicher Mindestlohn und Rentenpaket kommt die Sorge um eine Verschärfung der Erbschaftsteuer", sagte Wansleben. Der DIHK-Untersuchung zufolge wollen 15 Prozent der Firmen 2015 ihre Belegschaft vergrößern, zwölf Prozent planen mit weniger Mitarbeitern. In der Umfrage des vergangenen Sommers hatten die Unternehmen noch einen größeren Aufbau neuer Beschäftigung signalisiert.

Allerdings hat sich die Stimmung zuletzt etwas aufgehellt. Erstmals seit neun Monaten blicken die deutschen Mittelständler wieder etwas optimistischer in die Zukunft, wie die KfW-Bankengruppe am Montag bei der Vorlage des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers in Frankfurt am Main mitteilte. Die besseren Geschäftserwartungen zeigten, dass die Firmen im kommenden Frühjahr mit etwas lebhafteren Geschäften rechneten als zurzeit.

Damit bestätige sich die Erwartung der KfW, dass nach einem noch kraftlosen Winter im Laufe des Jahres 2015 mit einer Erholung zu rechnen sei, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner: "Voraussetzung ist, dass es auch in der Eurozone konjunkturell zumindest ein wenig aufwärts geht und dass sich das Verhältnis zu Russland stabilisiert." Wegen des schwachen Starts ins Jahr gehen die Ökonomen davon aus, dass das Realwachstum von 1,4 Prozent 2015 kalenderbereinigt auf 0,8 Prozent zurückgeht.