Der Brandenburger Regio-Chef der Deutschen Bahn, Peter Buchner, kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, als er inmitten interessierter Fachbesucher im neuen Talent-2-Regionalzug die Eigenschaften des Fahrzeugs pries: geräuscharm, weich, Sitzkomfort, gute Sicht, Schnelligkeit, natürlich klimatisiert und zeitgemäßes Kundeninformationssystem. "Er schwebt geradezu über den Schienen", fügte Buchner hinzu. "Dann macht der Zug also die Fahrt auf den holprigen Brandenburger und sächsischen Regionalstrecken erträglicher", kommentierte daraufhin ein Bahnkunde spitz.

Mit dem Talent-2-Triebzug, der erstmals ab Dezember 2009 als Regionalexpress zwischen Cottbus und Leipzig sowie als Regionalbahn Cottbus - Falkenberg/Elster fahren wird, soll der große Wurf gelingen. Und zwar dem Hersteller Bombardier, der auf große Stückzahlen hofft.

Mit einem neuartigen Antriebssystem verspricht Bombardier in jeder Fahrsituation bis zu 160 km/h höchste Effizienz der eingesetzten teuren Energie. Gleichtzeitig erfüllt der "Talent 2" schon heute europäische Crash-Normen von morgen. Die Deutsche Bahn hat bereits einen Rahmenvertrag über 321 Talent-Triebzüge abgeschlossen. Die ersten 61 Fahrzeuge im Wert von mehr als 200 Millionen Euro sind bestellt. Sie füllen im Brandenburger Bombardier-Werk Hennigsdorf nach so mancher Zitterpartie der vergangenen Jahre nun die Auftragsbücher.

Überhaupt widerspiegelt die Innotrans nach mageren Jahren mehr Optimismus in der Branche - trotz oder gerade wegen der Energieversorgungsprobleme weltweit. Das bisherige Rekordergebnis bei den Aufträgen von 10,7 Milliarden Euro aus dem Vorjahr sowie der Umsatz von 9,6 Milliarden Euro sollen 2008 erneut erreicht werden, so Ronald Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie VDI.

Umweltfreundlich und sparsamUnterpfand seien umweltfreundlichere und energieeffizientere Fahrzeuge, die nicht nur in Deutschland, sondern auch auf Wachstumsmärkten wie Russland, China und Südamerika verlangt würden, so Pörner. Siemens liefert mit dem Hochgeschwindigkeitszug Velaro Rus, der in Spanien und in China schon rollt, einen Beitrag dazu. Eine wahre Heerschar von Herren in schwarzen Anzügen drückte auf der Innotrans bei der Übergabe des ersten Velaro Rus an Russland mit viel Applaus die Absicht aus, die Geschäfte mit der deutschen Bahnindustrie weiter entwickeln zu wollen. Die 25 Bran-denburger Bahnindustrieunternehmen mit ihren 7500 Beschäftigten sowie die 4100 Mitarbeiter bei den Zulieferern sind darauf ebenso eingestellt wie die sächsischen Betriebe. Im Bahnland Sachsen bilden die Bombardier-Standorte Görlitz und Bautzen mit ihren 54 Systemlieferanten und 9000 Mitarbeitern den Branchenkern. Hinzu kommen 20 mittelständische Bahnzulieferer mit 4000 Beschäftigten.

Die Bautzener Waggonbauer unterstreichen mit einer Weltneuheit bei ihren bereits bewährten Flexity-Straßenbahnen auf der Innotrans erneut ihre Kompetenz. Die jüngste Tram gibt mit breiten Doppeltüren, großzügigen Fahrgasträumen, leichtem Zugang für behinderte Fahrgäste und Klimatisierung einen Ausblick auf die Ansprüche im innerstädtischen Verkehr von morgen. Sie wird derzeit in Berlin erprobt und soll ein Auftragsvolumen von etwa 200 Fahrzeugen und mehr als 400 Millionen Euro einbringen.

Der scharfe Wettbewerb zwischen den europäischen Anbietern ist auf der Innotrans auf Schritt und Tritt zu spüren: In unmittelbarer Nachbarschaft des Velaro von Siemens postierten die Franzosen auf 135 Metern Länge den überaus schnittigen AGV-Hochgeschwindigkeitszug. Mit ihm als Nachfolger des TGV will der Fahrzeughersteller Alstom Boden gut machen.

Der AGV soll eine Strecke von 1000 Kilometern innnerhalb von drei Stunden realisieren können und bei einer Geschwindigkeit von 360 km/h ein Drittel weniger Energie verbrauchen als seine Vorgänger, versichert Alstom.

Ideen für den GüterverkehrDie Innotrans in Berlin gibt auch für den steigenden Güterverkehr die Richtung vor. Laut Bahn-Industrieverband wurden im ersten Halbjahr 2008 bereits 59,7 Milliarden Tonnenkilometer Frachtwege absolviert. das ist ein Anstieg um etwa 3,7 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2007. Technische Lösungen für leisere, längere und schwerere Güterzüge werden mehr denn je gesucht.

Auch in Brandenburg und Sachsen wird dafür geforscht und entwickelt. Allein im Bombardier-Werk Hennigsdorf arbeiten 1300 von insgesamt 1900 Fachleuten an der Entwicklung und Vermarktung von Bahnen - vom Hochgeschwindigkeitszug bis zur U-Bahn.

Die nächste Innotrans im Jahr 2010 wird Ergebnisse dieser Arbeit zeigen.