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Auch VW baut auf Lieb

Ernst Lieb gehört nicht zu den Unternehmern, die Arbeitsplätze streichen, um den Gewinn zu steigern. „Ich werde nie ein Manager, aber ich versuche, ein guter Chef zu sein“, sagt Lieb, der in Neugersdorf an der Grenze zu Tschechien Maschinen und Anlagen fertigt und sich in der Region auch sozial stark engagiert. Zuletzt musste aber auch seine Maschinenbaubetriebe Neugersdorf (MBN) GmbH Beschäftigte entlassen. Jetzt sieht Lieb das Unternehmen wieder auf einem guten Weg. Von Marc Strehler

"Profit, Profit, Profit" dürfe nicht die Maxime für einen Unternehmer sein, sagt der 51-Jährige, der über eine Gruppe von Betrieben im In- und Ausland herrscht. Wenn Lieb das sagt, glaubt man, dass für ihn soziale Verantwortung keine Worthülse ist, sondern Auftrag. Man nimmt es ihm ab, wenn er über Großkonzerne schimpft, die Milliardengewinne einfahren und zugleich tausende Stellen streichen.
Denn Lieb hat, seit er 1991 die MBN GmbH gründete, auch Taten sprechen lassen: Der Niedersachse machte sich als Sponsor eines regionalen Fußballvereins einen Namen, als Kindergarten- und Häuserbauer, als Mitinitiator und treibende Kraft eines Ausbildungsringes.
Vor allem die Ausbildung junger Leute liegt ihm am Herzen. "Wenn wir nicht das Altersheim Deutschlands werden wollen, müssen wir die jungen Menschen hier halten. Es lohnt sich, um jeden einzelnen von ihnen zu kämpfen." Dahinter steckt auch eine ganz eigennützige Überlegung: Lieb weiß, dass der Wirtschaft in der Region über kurz oder lang ein eklatanter Mangel an Fachkräften droht, wenn nicht kontinuierlich ausgebildet wird.
Das Engagement Liebs, der vor seiner Unternehmerkarriere 13 Jahre beim Diakonischen Werk gearbeitet hatte, erfährt Anerkennung. So darf sich Lieb Botschafter der Oberlausitz nennen.

Harte Einschnitte im Personal
Bei seinen Grundsätzen dürfte es um so härter für ihn gewesen sein, im eigenen Betrieb Einschnitte vorzunehmen. 50 Mitarbeiter mussten in den vergangenen beiden Jahren bei MBN gehen, etwa 200 sind noch übrig geblieben. In der Automobilindustrie, dem Hauptabnehmer von Liebs Anlagen, seien "die Preise sehr schlecht". Einige große Unternehmen böten den Autobauern ihre Produkte zu Preisen an, die sich aus Sicht Liebs für die Unternehmen gar nicht rechnen können. "Hauptsache man ist billig", kritisiert Lieb. Dazu kam eine Schwächephase beim einstigen MBN-Hauptkunden Volkswagen. "Das hat uns schwer getroffen", sagt Lieb.
Der Unternehmer will nun stärker für andere Branchen arbeiten. 90 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftete die MBN GmbH einst allein mit Volkswagen. Jetzt trägt die Automobilindustrie insgesamt noch 70 Prozent zum Umsatz bei, der Rest kommt aus anderen Branchen - etwa aus den Bereichen Chemie, Kraftwerk und Post. "Inzwischen haben wir wieder einen guten Auftragsbestand. Wir sind auf einem guten Weg", sagt Lieb.
In diesem Jahr peilt Lieb einen Umsatz von 25 Millionen Euro für das Unternehmen an. "Das wäre eine Stabilisierung." Einen Schwerpunkt will er auf die Entwicklung neuer Produkte legen. Dabei kommt ihm das in dem Unternehmen seit vielen Jahren vorhandene Know how entgegen: Vor der Übernahme durch Lieb wurden in Neugersdorf auch schon Maschinen produziert, wenn auch Textilmaschinen.