von Henning Dommann

Die gefährlichsten Arbeitsplätze in Brandenburg sind in der Baubranche zu finden. Jeder vierte tödliche Arbeitsunfall geschieht laut dem brandenburgischen Arbeitsministerium im Zusammenhang mit Bauarbeiten. Das deckt sich auch mit den Daten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Sie hat für das vergangene Jahr 730 Unfallopfer ermittelt. Davon starben 420 am Arbeitsplatz und 310 auf dem Arbeitsweg.

Was macht die Baubranche so gefährlich? Laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gelten in Deutschland Arbeitsplätze als gefährlich, wenn beispielsweise eine erhöhte Gefahr für den Arbeitnehmer besteht, einen tödlichen Arbeitsunfall zu haben. 26 499 meldepflichtige Arbeitsunfälle wurden im Jahr 2017 in Brandenburg registriert Das geht aus dem aktuellen Arbeitsschutzbericht hervor, den das Ministerium jährlich veröffentlicht Meldepflichtig sind Unfälle während der Arbeit dann, wenn der Arbeitnehmer für mindestens drei Tage ausfällt.

Zwar hat sich die Zahl der Arbeitsunfälle im Land seit 1997 halbiert, allerdings liegt sie nach wie vor über dem Bundesdurchschnitt. Zusätzlich ist gegenüber dem Vorjahr ein leichter Anstieg zu verzeichnen. In 2017 kamen auf je 1000 Erwerbstätige in Brandenburg 23,8 gemeldete Unfälle. Auf Platz eins des Berichts steht die Baubranche. Zwei Vorfälle aus den vergangenen Monaten verdeutlichen das. Im Mai wurde in Cottbus ein 53-Jähriger bei Arbeiten mit einer Hebebühne schwer verletzt. Das Arbeitsgerät war während der Benutzung umgekippt. Im vergangenen November erlitt ein 56-Jähriger in der Nähe von Luckau schwere Verletzungen, als er von einem Radlader erfasst wurde. Er verstarb noch vor Ort.

Auf dem Bau sind Abstürze aus der Höhe die häufigste Unfallursache, während es bei Arbeiten mit Holz und Metall meist zu Verletzungen von Gliedmaßen durch Maschinen kommt. Unfälle ereigneten sich laut dem Arbeitsschutzbericht sowohl bei Erdarbeiten und im Straßenbau als auch bei Arbeiten auf ungesicherten Treppen und nicht trittsicheren Dächern.

In Brandenburg wurden in 2017 vier tödliche Arbeitsunfälle registriert, zwei davon geschahen auf Baustellen. Insgesamt ist die Zahl tödlicher Unfälle im Land im Vergleich zum Vorjahr gesunken, 2016 waren es noch zehn gemeldete Unfälle.

Gleich nach dem Bau folgen Land- und Forstwirtschaft und Metallbranche. Auch hier wird körperlich und mit Maschinen gearbeitet. Allerdings gibt es immer häufiger Arbeitsausfälle in Berufen, die in der Öffentlichkeit nicht als gefährlich gelten. Hier geht es besonders um psychische Belastungen, die sich erst langfristig zeigen.

Aufgrund der zunehmend hohen Ausfallzeiten stehen auch Branchen wie die Pflege im Fokus der Arbeitsschutzverwaltung, erklärt Gabriel Hesse, stellvertretender Pressesprecher des Arbeitsministeriums. Diese Einschätzung teilt auch die Gewerkschaft. Bundesweit seien nicht nur die klassischen Industrieberufe von Ausfallraten und schwierigen Arbeitsbedingungen betroffen, sondern auch Berufe wie Lehrerinnen und Lehrer, Pflegekräfte oder Polizisten, teilt Laura Torkel, Pressesprecherin des DGB-Bundesvorstands, mit.

 Auffällig seien auch die gestiegenen Unfallzahlen in den Gesundheitsberufen und der Wohlfahrtspflege. Torkel mahnt an:. „Die Arbeitgeber sind gerade in Zeiten des dramatischen Pflegekräftemangels aufgefordert, für gute und sichere Arbeit zu sorgen“. In Brandenburg sind im Gesundheits- und Sozialwesen die meisten Beschäftigten tätig. Hier arbeiten laut Sozialministerium 17 Prozent der Erwerbstätigen.

Unzureichender Arbeitsschutz sei vor allem bei kleinen und Kleinstunternehmen festzustellen, betont Torkel. Hier werden die Arbeitnehmer oft nicht ausreichend über Gefährdungen informiert. Auch das Arbeitsministerium in Potsdam sieht kleinbetriebliche Strukturen sowie häufig wechselnde Arbeitsorte als ungünstige Bedingungen für einen angemessenen Arbeitsschutz an. Zudem sind in Brandenburg die gefährlichen Branchen Baugewerbe, Land- und Forstwirtschaft stärker vertreten als in anderen Bundesländern.

Auch auf dem Bau gibt es ein unterschätztes Gesundheitsrisiko: Hautkrebs. 2017 wurden bundesweit 2944 Fälle von weißem Hautkrebs registriert, teilt die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) mit. Damit ist er die häufigste angezeigte Berufskrankheit, nach Lärm und Lungenkrebs. „Vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels müssen hier die entsprechenden Weichen gestellt werden, um die Zahl der Erkrankungen einzudämmen“, sagt Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der BG Bau.